Stangentanz und Video-Überwachung

So unterscheidet sich Carlettos Training von Peps

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Zwei Kameramänner zeichnen das Training auf. 

München - Seit wenigen Tagen erst ist Carlo Ancelotti der Herr der Bayern-Stars. Doch schon jetzt ist klar: Das Training hat sich im Vergleich zu Guardiolas Ära deutlich geändert.

Big Carlo is wachting you! Carlo Ancelotti hat via Videoaufzeichnung alles im Blick – ihm entgeht nichts auf dem Platz! Zwei Mitarbeiter des FC Bayern stehen bei den Trainingseinheiten auf einem Balkon des Vereinsgebäudes und filmen das Training. Auch Pep Guardiola ließ seine Trainingseinheiten aufzeichnen – allerdings mit automatischen Kameras, die sich nach den Bewegungen der Spieler orientierten. Ancelotti setzt hingegen auf Man-Power statt auf moderne Technik. Neue Technik, alte Schule…

Und was hat sich sonst im Vergleich zu Vorgänger Guardiola im Training geändert? Vorbei sind die Zeiten des Endlos-Rondos und der permanenten Unterbrechungen bei Spielformen! Dass Carletto ein Trainer der alten Schule ist, merkt man bereits nach vier Trainingseinheiten. Der 57-jährige Italiener legt Wert auf ein klassisches Aufwärmprogramm ohne Ball, (über)fordert die Spieler nicht bei komplexen Passübungen und macht beim Abschlussspiel lieber den Schiedsrichter als den Spiel(fluss)verderber. Neu bei Ancelotti: Das komplette Training wird von einem Kamerateam aufgezeichnet! Die tz zeigt: So unterscheiden sich Carlo und Pep in Sachen Trainingsmethoden!

Stangentanz statt Tiki-Taka-Rondo! Während Pep diese Spielform zum Aufwärmen mit Ball oft bis zu 20 Minuten spielen ließ, verzichtet Carletto bis jetzt in sämtlichen Trainingseinheiten auf das „Kreiserl“. Stattdessen lässt der Italiener seine Spieler ganz klassisch ohne Ball aufwärmen. Erst darf sich jeder Spieler individuell warm laufen, danach stehen verschiedene Stabilisationsübungen in der Gruppe an. Hürden, Stangen, Reifen – die Fitnesstrainer greifen auf die ganze Palette des Warmmachens zurück. Es macht durch die Übungen den Anschein, als sei dem neuen Trainerteam vor allem die Hüftstabilität wichtig. Das Kommando hat dabei Francesco Mauri, stets unter dem strengen Sonnenbrillen-Blick seines Vaters Giovanni. Knapp 15 Minuten dauert das Aufwärmprogramm unter Ancelotti.

Komplexe Passübungen mit Torabschluss und Taktik-Elementen – so wollte Guradiola das Passspiel seiner Mannschaft verbessern, das für seinen Tiki-Taka-Stil so wichtig war. Unter Ancelotti sehen die Passübungen um einiges weniger kompliziert auf: Es werden einfach vier Hütchen aufgestellt, um mit simplen Passfolgen das Direktspiel zu verbessern – allerdings kann er ja auch auf die Vorarbeit von Pep vertrauen… Ancelotti-Co Paul Clement schaut den FCB-Stars dabei genau auf die Füße und heizt ihnen auf Englisch ein, wenn ihm das Tempo zu langsam wird.

Von wegen graue Maus! Bayern-Stars mit neuem Trikot im Training

Ein freies Abschlussspiel, ohne die zuvor einstudierten Spielzüge anzuwenden? Unter Guardiola war das eine absolute Seltenheit. Fast im Minutentakt unterbach er Trainingsspiele, um seine Spieler auf Stellungs- und Taktikfehler hinzuweisen. Ancelotti lässt seinem Team da schon deutlich mehr freie Hand. Bei Spielformen gibt der Mister lieber den Schiedsrichter, steht mit Stoppuhr um den Hals und Pfeife im Mund mitten im Feld. Steht ein Spieler im Abseits oder foult den Gegner, pfeift Carlo. Selbst den Schlusspfiff zelebriert der Italiener wie ein gestandener Bundesliga-Schiedsrichter. Auffällig: Ancelotti steht oft in unmittelbarer Nähe zu seinen Innenverteidigern und überprüft die Abstände. Recht viel mehr als ein „gut“ war von Ancelotti auf dem Trainingsplatz bis jetzt nicht zu hören.

Manuel Bonke

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