Konkurrenten in der Königsklasse

Real, Barca, BVB und Co: Wer den FC Bayern gefährden kann

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Soll zurück an die Säbener Straße: Der Champions-League-Pokal. Hier gestemmt von Kapitän Philipp Lahm.

München - In den vergangenen fünf Spielzeiten erreichten die Bayern immer mindestens das Halbfinale der Champions League - holten aber nur einmal den Titel. Jetzt soll der Henkelpott wieder nach München. Diese acht Teams haben was dagegen. Eine Analyse.

Die Road to Cardiff (Wales) beginnt für die Bayern Mitte September. Dort findet am 3. Juni 2017 das Finale der Champions League statt. Und das Ziel ist dabei klar: Alles andere als der Titel wäre für den Rekordmeister eine Enttäuschung. Problem: Dieses Ziel hat nicht nur der FC Bayern. Wir haben uns mal angeschaut, was Bayerns Konkurrenten über den Sommer so getrieben haben - und wer besonders gefährlich werden könnte.

Real Madrid

Gut drauf in der Vorbereitung: Sergio Ramos traf beim Supercup-Finale gegen Sevilla. 

Die Königlichen dürften auch in dieser Saison wieder zu Bayerns Hauptkonkurrenten um den Titel zählen. Das Team, das im Vorjahr den 11. Landesmeister-Titel nach Madrid holte, wurde zusammengehalten und mit Heimkehrer Álvaro Morata (für 30 Millionen von Juventus Turin) sinnvoll verstärkt. Darüber hinaus halten sich die Madrilenen bisher auf dem Transfermarkt vornehm zurück. Ein Indiz fürs Zusammenwachsen des bestehenden Teams um Starspieler Christiano Ronaldo. Die bisherigen Tests der Königlichen verliefen gut - obwohl die EM-Fahrer Ronaldo, Kroos und Co. fehlten. Highlights der Vorbereitung: Der 3:2-Sieg im Supercup-Finale gegen Europa-League-Champion FC Sevilla und der 1:0-Erfolg gegen die Bayern beim Schaulaufen der Topklubs in den USA.  

Prognose: Bayerns härtester Konkurrent.

FC Barcelona

Erblondet - und heiß auf Titel: Barca-Star Lionel Messi.

Letzte Saison musste sich Barca hinter Real und Atlético anstellen, den beiden ärgsten Rivalen beim Siegen zusehen. Das wurmte die stolzen Katalanen so sehr, dass sie vor dieser Saison fast 80 Millionen Euro investierten, um den ohnehin schon stark besetzten Kader zu verbessern. Prominentester Neuzugang: Der Portugise André Gomes von Ligakonkurrent FC Valencia. Die bisherigen Testspiele verliefen durchwachsen. Zwar besiegte Barca beim International Champions Cup die Schotten von Celtic Glasgow (3:1) und den englischen Meiser Leicester City (4:2), allerdings setzte es gegen Jürgen Klopps FC Liverpool eine herbe 0:4-Klatsche. Wichtige Säulen der Mannschaft sind natürlich Luis Suarez, Neymar und Lionel Messi - erblondet mit neuem Image.

Prognose: Absoluter Titelanwärter - aber nur wenn M, S und N gesund bleiben. 

Juventus Turin

Soll für Juve treffen: Neuzugang Gonzalo Higuian.

Munteres Stühlerücken gab es bei Juventus Turin. Die alte Dame gab Ausnahmekönner Paul Pogba (für 105 Millionen Euro zu Manchester United) und Sturmtank Álvaro Morata (für 30 Millionen Euro zu Real Madrid) ab. Dafür schnappte sich der italienische Meister Gonzalo Higuian, Miralem Pjanic und Marko Pjaca. Insgesamt ließ sich Juve seinen neuen Kader bisher fast 160 Millionen Euro kosten. Ohne die Pogba-Millionen. Aber die sollen zeitnah ebenfalls reinvestiert werden. Heißer Kandidat: Der Spanier Isco von Real Madrid. Angriff auf den ersten Henkelpott seit über 20 Jahren also? Nah dran war Turin in den letzten Jahren immer. Finalpleite vor zwei Jahren gegen Barca in Berlin. Und: Bayernfans werden sich mit Grausen an das Fast-Aus im Achtelfinale der Vorsaison erinnern, als Pogba, Dybala und Co. in München eiskalt konterten. Highlight der Vorbereitung: Ein 1:0-Sieg über den Premier-League-Dritten Tottenham Hotspur. 

Prognose: Juve bleibt auf Augenhöhe mit Real, Barca und Bayern. Halbfinale!

Atlético Madrid

Bayernschreck der Vorsaison: Antoine Griezmann (hier mit Jérôme Boateng).

Wer den FC Bayern aus dem Turnier schießt, ist automatisch Topfavorit auf den Titel. Das ist eines der ungeschriebenen Champions-League-Gesetze. Und so kam es auch: Nach dem Sieg gegen Bayern hatte Atlético den großen Stadtrivalen Real im Finale am Rande einer Niederlage, musste sich erst im Elfmeterschießen geschlagen geben. Griezmann und Co. sind also auf Augenhöhe mit den ganz Großen - und dabei bleibt es auch. Das Treuebekenntnis Griezmanns (verlängerte trotz hochkarätiger Angebote bis 2021) war Initialzündung für wichtige Transfers: Die international heiß begehrten Kévin Gameiro und Nico Gaitán wechseln nach Madrid. Zudem konnten - im Gegensatz zu den Vorjahren als Leistungsträger wie Toby Alderweireld oder Arda Turan weggekauft wurden - alle wichtigen Spieler gehalten werden. Testspiel-Highlight bisher: Ein 1:0-Sieg beim International Champions Cup gegen Tottenham. Heißer Faktor auch in diesem Jahr: Coach Diego Simeone.

Prognose: Diesmal wird's eng. Unterschätzen darf man Atlético aber nie. Deswegen: Das Halbfinale ist drin. 

Borussia Dortmund

Der verlorene Sohn ist zurück: Mario Götze wechselte von den Bayern zurück nach Dortmund.

Borussia Dortmund musste gleich drei absolute Stammspieler abgeben. Henrikh Mkhitaryan (Manchester United), Mats Hummels (FC Bayern) und Ilkay Gündogan (Manchester City) wechselten zur direkten Konkurrenz. Katerstimmung also in Dortmund? Mitnichten. Mit André Schürrle (Wolfsburg), Heimkehrer Mario Götze, Barca-Talent Marc Bartra und dem frischgebackenen Europameister Raphaël Guerreiro angelten sich die Borussen für die frei gewordenen Planstellen enorme Qualität. Klar: Ob die Neuen die schmerzhaften Abgänge kompensieren können, muss sich zeigen - aber Angst um den BVB muss sich keiner machen. Euphoriebremse: Die Testspiele bisher liefen mau. Zwar siegte man gegen Manchester United klar mit 4:1, gegen Zweitligist 1860 (0:1), Manchester City (6:7 n.E.) und Athletic Bilbao (0:1) setzte es aber Pleiten. Erster echter Stresstest fürs Team: Im Supercup-Finale am Sonntag gegen die Bayern.

Prognose: Das Viertelfinale ist drin - wenn alle fit bleiben und die Losfee es gut mit den Borussen meint - vielleicht sogar mehr. 

Manchester City

Der Star ist der Trainer: Citys neuer Coach Pep Guardiola kann finanziell aus dem Vollen schöpfen.

Aufge-Pep-t starten die neureichen Citizens in die kommende Champions-League-Saison. Ob mit Guardiola der Sprung an die Spitze der Königsklasse gelingt? Es sieht jedenfalls so aus, als würde Klub-Besitzer Sheich Mansour ernst machen. Leroy Sané, Ilkay Gündogan und John Stones sind nur einige der Namen, die sich Pep Guardiola auf seiner Shoppingtour quer durch Europa aussuchen durfte. Problem: City will jedes Jahr international angreifen und scheitert dann, mal kläglich, mal weniger kläglich. Ob das auch in dieser Saison so bleiben wird, wird sich zeigen. Erste Testspielergebnisse bestätigen die These aber: Es setzte schon Pleiten gegen die Bayern und Arsenal (allerdings mit B-Elf).  

Prognose: Pep Guardiola ist ein Weltklassetrainer, aber kein Zauberer. Deswegen: Höchstens Viertelfinale - für diese Saison.  

Paris Saint-Germain

PSGs Hoffnungsträger: Neuzugang Jese (kam von Real Madrid).

Geld schießt Tore. Nirgendwo wird das so deutlich wie bei den Parisern. Allerdings brachten gute Spiele den Franzosen bisher wenig Zählbares ein. Sie scheiterten in der Königsklasse immer spätestens im Viertelfinale. Das soll sich endlich ändern - und dafür greift der Klub wieder tief in die Tasche. Polens EM-Star Gregorz Krychowiak und der Spanier Jesé kosten fast 60 Millionen - und sollen den Abgang von Zlatan Ibrahimovic (zu Manchester United) kompensieren. Bisher sieht's gut aus für PSG: Beim International Champions Cup besiegten die Franzosen immerhin Inter Mailand, Leicester City und - aufgemerkt - Real Madrid (3:1). Den wohl wichtigsten Transfer landeten die Scheichs jedoch auf der Trainerbank. Mit Unai Emery holte der französische Dauermeister den dreifachen Europa-League-Erfolgscoach aus Sevilla.

Fazit: Ohne Zlatan wird's schwer. Spätestens im Viertelfinale ist wieder Schluss. 

Arsenal London

Soll's für Arsenal richten: Weltmeister Mesut Özil.

Noch ein Vertreter der Premier League: Der Klub von Mesut Özil, Per Mertesacker und Olympia-Held Serge Gnabry will endlich international oben angreifen. Der einzige nennenswerte Titel stammt aus dem Jahr 1994 und ist wenig rühmlich: Der Europapokal der Pokalsieger. Arsenals Erfolgsformel auch in diesem Jahr: In Arsène we trust. Arsène Wenger (im Amt seit 1996) wird's schon richten. Hat er aber nur blöderweise in den letzten Jahren nicht. Der Franzose sorgte zwar in seiner Amtszeit für drei Premier League-Titel (zuletzt 2004), in der Champions League war aber nach dem Finaleinzug 2006 (2:1-Niederlage gegen den FC Barcelona) nicht mehr viel los. Seit 2011 war immer im Achtelfinale Schluss. Dass sich das endlich ändert, soll vor allem Mesut Özil gewährleisten. Arsenals Top-Vorlagengeber ist das Herzstück des Teams - und bekam vor der Saison mit dem Ex-Gladbacher Granit Xhaka für die Zentrale einen starken Mitspieler. Highlight der Vorbereitung: Der Sieg über Manchester City. 

Fazit: Höchstens Außenseiterchancen. Wenn alles für Arsenal spielt und die anderen schwächeln, ist das Halbfinale drin.  

Hinweis: Die Champions-League-Saison startet am 13. und 14. September, die Gruppen werden am 25. August in Monaco ausgelost. 

Text: Markus Ehrlich

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