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Darf Hoeneß überhaupt nochmal gewählt werden?

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München - Darf Uli Hoeneß trotz seiner Vorstrafe wieder Präsident des FC Bayern werden? Wir haben einen Anwalt gefragt.

Uli Hoeneß (64) wird am Freitag trotz seiner Steuersünder-Vergangenheit wieder Präsident des FC Bayern, aber darf er das überhaupt? Wir fragten nach bei Sascha Kuhn, der Rechtsanwalt ist Partner der Kanzlei Simmons & Simmons und spezialisiert auf Compliance (Regeltreue, Anm. d. Red.).

Gibt es rechtliche Gründe gegen die Wiederwahl?

Nein. „Juristisch ist da nichts einzuwenden, es gibt kein Gesetz, das verbietet, dass Vorbestrafte Präsident eines Vereins werden dürfen“, erklärt Kuhn. Auch in seiner Handlungsfähigkeit ist Hoeneß nicht eingeschränkt, er kann schalten und walten wie vor seiner Verurteilung.

Gibt es ähnliche Beispiele? 

„Bei wirtschaftlichen Unternehmen wäre ein ähnlicher Vorgang äußerst schwierig, zumindest nach einer so kurzen Zeitspanne zwischen Verurteilung und Wiederbeschäftigung. Besonders bei Unternehmen mit Kundenkontakt wäre man sehr vorsichtig, da man negative Auswirkungen wegen schlechter Presse fürchten würde.“ Hoeneß wurde im März 2014 verurteilt, rund zweieinhalb Jahre später kehrt er zurück. „Tendenziell werden solche Themen im Sport anders wahrgenommen. Warum das so ist, ist eher eine interessante soziologische Frage“, so Kuhn. „Vielleicht denkt ein Fan oder Vereinsmitglied anders als ein Kunde“.

Hat jeder eine zweite Chance verdient? 

Das Strafrecht zielt auf Resozialisierung ab, so Kuhn: „Für einen Straftäter, der seine Tat verbüßt und in Form von Haft oder einer Geldzahlung ableistet bzw. abgeleistet hat, gibt es das Bestreben des Staates, diesen Menschen zu resozialisieren, also ihn zu bessern und wieder in die Gesellschaft einzugliedern.“ Hoeneß ist für diesen Vorgang ein Paradebeispiel, auch weil ihm, selbst während der Verhandlung, viele Sympathien entgegengebracht wurden.

Welche Auswirkungen könnte die Wahl haben?

 Kein Sponsor – im FCB-Aufsichtsrat sitzen Adidas, Audi, Telekom, Allianz und die UniCredit Bank – hat sich bisher negativ über die Hoeneß-Rückkehr geäußert. „Sollte dort bei einer Mitgliederversammlung die Frage auftauchen, ob man darauf nicht reagieren müsse, könnte dies zu interessanten Diskussionen führen“, so Kuhn.

Wir berichten im Live-Ticker von der Jahreshauptversammlung des FC Bayern am Freitag. 

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mm

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