Pleite gegen Atlético Madrid

Der FC Bayern und das Déjà-Vu-Erlebnis im CL-Halbfinale

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Ratlose Gesichter bei den Bayern-Stars.

München - Die Bayern müssen nach der Niederlage gegen Atlético Madrid fürchten, mal wieder im Champions-League-Halbfinale an einem spanischen Klub zu scheitern.

Der besondere Charakter des Estadio Vicente Calderon hatte sich den Gästen vom FC Bayern längst erschlossen, als sie kurz vor dem Abpfiff noch einen ganz speziellen Atlético-Moment erlebten. Es traf ihren Besten. Manuel Neuer war zur Seitenlinie geeilt, um dem Mittelfeldspieler Koke auf die Beine zu helfen. Der Spanier hatte sich schon zuvor einige dieser zeitraubenden Kunstpausen auf dem Rasen genehmigt, die bei Atlético Madrid zum Standardrepertoire zählen. Dass er diesmal tatsächlich Opfer eines Tritts geworden war, spielte für Neuer keine Rolle. Der Torwart animierte Koke zum Aufstehen – und bekam die Gelbe Karte. Wegen Unsportlichkeit. Die heimischen Fans johlten vor Freude.

Die Bayern waren darauf eingestellt gewesen, dass Besuche bei Atlético ungemütlich werden können. Dass es aber so garstig enden würde – mit einer 0:1-Niederlage und einer ausgewachsenen Personaldebatte, übertraf ihre düstersten Erwartungen. Als die Gäste das Stadion verließen, wählten etliche Spieler den falschen Weg und mussten von Ordnern dirigiert werden. Das war ein passendes Schlussbild dieses insgesamt misslungenen, phasenweise orientierungslosen Abends.

Karl-Heinz Rummenigge sprach später von einem „Stein“, den man „aus dem Weg rollen“ müsse, um doch noch das Finale in Mailand zu erreichen. Das ist kein unmöglicher Kraftakt, dennoch machten die Bayern am Mittwoch einen ernüchterten Eindruck. Für viele war es ein Déjà-Vu-Erlebnis. Schon in den vergangenen Jahren endeten die Champion League Kampagnen in Duellen mit spanischen Klubs. Vor einem Jahr war eine personell ausgedünnte Bayern-Mannschaft gegen den FC Barcelona chancenlos, weil sie in der letzten Viertelstunde des Hinspiels kollabierte und drei Gegentore bekam.

"0:1-Pleite: SAULcooles Solo schockt Bayern"

Deutlicher aber sind die Parallelen zum letzten Besuch in der Hauptstadt. Auch 2014 verlor man das Hinspiel 0:1, damals bei Real. Seinerzeit verließen die Bayern die Stadt voller Hoffnung, den Rückstand wettmachen zu können, weil sie sich zahlreiche Chancen erarbeitet und dem Gegner nur wenige gewährt hatten (von denen er dummerweise aber eine nutzte). Im Rückspiel wählte Guardiola dann eine spektakulär falsche Taktik. Die Erinnerung daran verfolgt die Bayern bis heute.

Am Mittwoch wertete niemand das 1:0 als gutes Ergebnis. Es klang beinahe trotzig, als die Bayern ankündigten, man werde am kommenden Dienstag „alles reinlegen“ (Neuer) oder auch „in die Waagschale werfen“ (David Alaba). Aber der Trainer sagte eben auch: „Wir müssen sehr intelligent spielen.“ Das gelang ihnen am Mittwoch nicht so gut. Während Guardiola gewohnt euphorisch den Auftritt der Bayern „zu 75 Prozent toll“ fand, kam Neuer der Wahrheit wesentlich näher, als er anmerkte, man habe „in der ersten Halbzeit Mut und Aggressivität vermissen lassen“. Etwas mehr Aggressivität hätte zum Beispiel den Sololauf von Saul Niguez beendet, bevor der Spanier ungehindert von seinen Landsleuten Thiago, Bernat und Alonso das einzige Tor erzielte. „Im Nachhinein wäre ein Foul besser gewesen“, ahnte Thomas Müller. Aber der stand zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht auf dem Platz.

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Im Rückspiel wird das anders sein. Müllers Qualitäten sind einer der Gründe, warum die Bayern Madrid besorgt, aber nicht hoffnungslos verließen. Bei allem Verdruss hatte der Abend auch gezeigt, dass selbst die berüchtigte Atletico-Abwehr keineswegs unfehlbar ist. Philipp Lahm war erstaunt, „dass wir so viele Chancen bekommen haben“, auch wenn nur wenige zwingend waren. Daheim ein 0:1 wettzumachen gegen Atletico (dessen Abwehrchef Godin dann wieder gesund sein dürfte) ist keine Utopie. „Wir brauchen nur ein Tor für die Verlängerung“, erinnerte Guardiola. An mehr als einen ganz knappen Sieg wagte auch er nicht zu denken.

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