"Wollte Riesentohuwabohu veranstalten"

Trapattoni verrät: So rasend machte mich Mehmet Scholls Arroganz

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Giovanni Trapattoni als Trainer des FC Bayern - mit seiner Wutrede ging der Italiener in die Geschichte ein.

München - Giovanni Trapattonis Wut-Pressekonferenz ist bereits legendär. Nun verrät der Italiener wie es dazu kam und warum er von Mehmet Scholl frustriert war.

Die Worte von Giovanni Trapattoni gingen in die Geschichte der Bundesliga und des FC Bayern ein - "Was erlauben Strunz?", "Ich habe fertig!" und dergleichen gehören zum kollektiven Gedächtnis der Bundesliga-Fans.

In seiner Biographie, die in Teilen als Vorabveröffentlichung der BILD vorliegt, spricht Trapattoni nun über diese Rede, die deutsche Nationalmannschaft, Mario Basler und Mehmet Scholl.

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In dieser verrät der Italiener nun allerhand Geheimnisse und plaudert aus dem Nähkästchen. Angeblich habe er, nachdem er im Juni 2000 beim AC Florenz entlassen worden war, ein Angebot des deutschen Fußballverbandes erhalten: "Die Ersten, die auf mich zukamen, waren wieder die Deutschen - diesmal mit dem Angebot, ihre Nationalmannschaft zu trainieren," schreibt Trapattoni in der Biographie.

Er habe jedoch abgesagt. Der Grund dafür: offenbar seine Frau Pauloa: "Als ich es Paola erzählte, warf sie mir nur einen verzweifelten Blick zu," so der 77-Jährige.

Matthäus heulte wie ein Kind - "Ich versuchte ihn zu trösten"

Auch über seine Zeit bei Inter Mailand, die er von 1986 bis 1991 trainierte, verrät Trapattoni skurrile Details. Schon damals war es zur Zusammenarbeit mit Lothar Matthäus gekommen, den Trapattoni nur wenige Jahre später auch beim FC Bayern trainieren sollte. Eine Halbzeitansprache des damaligen Inter-Coaches hatte bei Deutschlands Rekordnationalspieler Matthäus offenbar Spuren hinterlassen.

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"Erst stotterte er irgendetwas, dann begann er zu weinen, zog sich das Trikot aus und sagte: 'Ich spiele nicht mehr' Wie ein Kind!", erzählt Trapattoni. Er habe dann sogleich versucht Matthäus in einem Einzelgespräch zu trösten: "Ich versuchte es im Guten, gab ihm einen zärtlichen Klaps und versuchte, ihn zu trösten. 'Es tut mir leid, Du weißt dich, dass du der Beste der Welt bist, verdammt! Ohne dich gewinnen wir gar nichts...'" Diese Worte hatten Matthäus offenbar überzeugt, zur zweiten Halbzeit stand er wieder auf dem Platz.

"Mein Frust wuchs mit jeder Angeberei von Mehmet Scholl"

Mehmet Scholl verärgerte Giovanni Trapattoni offenbar durch diverse Angebereien.

In der Spielzeit 1994/95 folgte dann das erste Intermezzo beim FC Bayern, das nicht gerade von Erfolg geprägt war. "Der schlimmste Teil der Saison war der erste: Es gelang mir nicht, mich dem Team verständlich zu machen. Ich spreche eben, wie ich spreche - auch auf Italienisch ist manchmal nicht auf Anhieb verständlich, was ich ausdrücken möchte", berichtet der 77-Jährige von den Schwierigkeiten.
Besonders vom damals erst 23 Jahre alten Mehmet Scholl, der in jener Saison neun Tore und neun Vorlagen erzielte, war Trapattoni zunehmend frustriert: "Mein Frust wuchs mit jedem Tor, das wir wegen irgendeiner Dummheit kassierten, mit jeder Angeberei von Mehmet Scholl, mit jedem oberflächlichen Fehler im Mittelfeld, mit jedem weiteren Ausfall von Papin (Jean-Pierre Papin, damaliger Mittelstürmer, Anm. d. Red.)." Nach einer Saison war das Abenteuer Bayern für den Italiener zunächst beendet.

Ein Grund der Wutrede: Baslers Nachtklub-Besuche

Giovanni Trapattoni und Mario Basler - der Mittelfeldspieler sorgte für Ärger beim Coach.

Nach nur einem Jahr, in dem Franz Beckenbauer den FC Bayern trainiert hatte, kehrte Trapattoni erneut zurück an die Säbener Straße. Und schon gab es neue Probleme: "Ich bemerkte sofort, dass Basler und Klinsmann über das Feld schlichen, ohne viel zustande zu bringen. Klinsmann wegen seines Alters, Basler wegen zu vieler Besuche in Nachtklubs", so der Italiener. Das habe zu Kontroversen in der Mannschaft geführt, und letztlich auch zu seiner legendären Wutrede.
Diese sei nicht spontan, sondern geplant gewesen. "Ich rief sogar meinen Journalistenfreund Bruno Longhi an, um ihm zu sagen, er solle sich bereithalten, weil ich wahrscheinlich ein Riesentohowabohu veranstalten wollte", erzählt Trapattoni. Grund dafür soll auch gewesen sein, dass sich eine Reihe von Spielern immer wieder bei Journalisten beschwert hatten. Zu Thomas Strunz meint der Italiener derweil: "Die Wahrheit ist, dass er immer verletzt war, und seinetwegen hatten wir einige Spiele verloren."

Für den FC Bayern geht es derweil am Dienstag gegen FK Rostov. Das erste Champions-Leauge-Heimspiel der Saison können Sie in unserem Live-Ticker verfolgen.

Das sind die CL-Gruppengegner des FC Bayern

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sdm

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