Das Murren an der Basis wird lauter

Merkur-Kommentar: Was den Bayern fehlt

München - Die Freude über die Meisterschaft, bei den Anhängern des FC Bayern hielt sie sich augenscheinlich in Grenzen. Was fehlt beim FC Bayern? Ein Kommentar von Andreas Werner.

Nur eine kurze Tanzeinlage in der Fankurve, keine Bierduschen, kein Autokorso, keine große Sause in mannschaftlicher Geschlossenheit – muss man den FC Bayern dafür rügen, dass es schon meisterlichere Meisterfeiern gegeben hat? Das wäre einen Tick zu oberlehrerhaft, zu moralapostelisch. Die Rahmenbedingungen waren nun mal so, dass der Titel keinesfalls mehr überraschend kam und daher kaum große Emotionen hervorrief. Zudem brauchte Karl-Heinz Rummenigge keinen daran zu erinnern, dass die Wunde nach dem Champions League-Aus gegen Atlético am Dienstag noch kein bisschen vernarbt ist. Und dennoch . . . irgendwie, das muss auch im Moment des Triumphs mal erlaubt sein, zu sagen: Irgendetwas fehlt diesem Klub. Schon einige Zeit.

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Natürlich kommen die Massen, magisch angezogen von der Erfolgsgeschichte, die Kapitel um Kapitel erweitert wird. Aber das Murren an der Basis wird lauter. Es fehlt an Wärme, Volksnähe, Identifikationsfiguren – wichtige Konstanten, die den Verein in fast gleichem Maße wie seine Titel definiert haben. Manche sagen, sogar mehr. Sie haben die Bayern wohltuend unterschieden von anderen Top-Klubs, die als kühle Marken wahrgenommen werden.

Gerade, wenn man oben steht, ist auch Zeit für eine Zäsur. Die Atlético-Wunde spielt bald keine Rolle mehr – wohl aber der Wandel, in dem sich der Klub befindet. Es ist schließlich schon ein Alarmsignal, wie weit verbreitet und ausgeprägt die Abneigung ist, die Pep Guardiola entgegengebracht wird – und das, obwohl die Münchner unter dem Katalanen nahezu unvergleichbar schönen Fußball spielen.

Es ist sicher nicht leicht, den Spagat zu schaffen, mit den internationalen Topklubs mithalten zu wollen und gleichzeitig auf dem heimischen Markt ein sympathisches Bild abzugeben. Zumal als FC Bayern, der sich noch nie über eine beispiellose Ansammlung von Neidern beklagen konnte. Dennoch sollte auch genau das der eigene Anspruch sein. Denn das ist viel elementarer als eine maue Party. Das mit dem Feiern, das kann ja sogar noch heuer nachgeholt werden: Nächsten Sonntag auf dem Balkon, und im Falle eines Pokal-Triumphs über Dortmund.

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