Hoeneß kehrt auf seinen alten Posten zurück

Hopfners Abschied: Richtig Lust hatte er wohl nicht

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Uli Hoeneß wird im November wohl wieder Präsident des FC Bayern.

München - Die Nachricht war zu erwarten gewesen, aber trotzdem schlug sie ein: Uli Hoeneß kandidiert wieder als Bayern-Präsident. Der Patron kehrt also zurück.

Karl-Heinz Rummenigge hat in den USA alles gegeben. Wie ein Botschafter für den FC Bayern funkte der Vorstandschef auf allen Kanälen, absolvierte die meisten PR-Termine im Reisetross, dinierte mit der High Society, philosophierte mit Fachleuten, gab unzählige Interviews. Eines Abends sah man ihn auf der letzten Etappe in New York einen Moment mal verschnaufen, als er sich auf einer Dachterrasse in ein Sofa fallen ließ. Der Lärm der Metropole drang bloß gedämpft herauf, in seinem Rücken erhob sich das mächtige Empire State Building in den Himmel – ein gutes Motiv: Atempause zwischen den Extremen.

Jetzt naht Verstärkung. Uli Hoeneß kehrt zurück.

Am Montagmittag wurde die Nachricht, die keinen mehr überraschte, in einer nur sieben Zeilen langen Presseerklärung offiziell. Kürzer geht es fast nicht, doch Hoeneß ist auch gar nicht daran interessiert, die Geschichte aufzubauschen. Die Inszenierungen in der modernen Medienlandschaft wurden ihm zunehmend fremd, er sieht sich als Mann vom alten Schlag, in seinen Augen liest sich die Sache so: Er kehrt zurück. Mehr gibt es nicht zu sagen.

Debatten über seine Rückkehr

Die Pressemitteilung des FC Bayern.

Doch natürlich werden diese sieben Zeilen Presseerklärung Anlass für Leitartikel geben, für Debatten und Frage-Antwortspiele, sie werden die Mutter vieler, vieler weiterer Zeilen sein – denn es hängt ja schon einiges dran an dieser Personalie. Dass Hoeneß auf der Jahreshauptversammlung im November wieder als Präsident kandidieren wird, ist ein Stein, der viel ins Rollen bringen wird – und eventuell sogar eine Lawine werden kann. Wer zwischen den Zeilen liest, sieht auch schon, dass der eine oder andere bereits erfasst wurde. Die zwei abschließenden Sätze der Presseerklärung behandeln die Personalie Karl Hopfner. Der 63-Jährige, der bisher als Vertreter von Hoeneß das Amt des Präsidenten und des Aufsichtsratschefs innehatte, so heißt es in dem Schreiben, „wird nicht mehr für ein Amt im Präsidium kandidieren“.

Das bedeutet auch, dass eine Rolle als Vize unter dem Patron ausgeschlossen ist, ebenso eine Platzierung im Aufsichtsrat, in dem zwei Plätze für den Klubchef und seinen Vertreter reserviert sind, wobei dem Präsidenten nicht automatisch der Vorsitz zufällt. Widerstand innerhalb des Gremiums sei nicht zu erwarten, ließ adidas-Vorstand Herbert Hainer gestern umgehend von den Olympischen Spielen in Rio verlauten – obwohl er wie andere Aufsichtsräte als Chef von DAX-Konzernen in einer moralischen Zwickmühle vermutet werden könnte. Er freue sich auf Hoeneß, sagte Hainer, „er hat so viel für den Verein gemeistert – jeder im Klub sehnt sich danach, dass er wieder stärker eingebunden wird“.

Hopfner hatte sich dem Anschein nach an seine Posten gewöhnt

Intern wurde unterdessen schon längere Zeit gemunkelt, Hopfner habe sich eigentlich entgegen seiner öffentlichen Äußerungen an seine Posten gewöhnt. Richtig Lust, sie wieder abzutreten, soll er nicht verspürt haben. Hoeneß und er hatten sich in den letzten Wochen wiederholt zusammengesetzt, um die Modalitäten der Übergabe zu besprechen. Der Platzhalter verabschiedete sich zwischendurch in den Urlaub, um sich dort über seine zukünftige Rolle Gedanken zu machen.

Insgesamt ist Uli Hoeneß’ Rückkehr auch eine Zäsur im Innenleben. In den gut zwei Jahren, die er wegen seiner Steueraffäre und der daraus resultierenden Gefängnisstrafe nicht am Puls seines Vereins zubringen konnte, haben sich die internen Hierarchien neu formiert. Nicht alles lief da im Sinne von Hoeneß – und nicht im Sinne der Fans. Der FC Bayern droht, seinen Alleinstellungscharakter zu verlieren im Vergleich zu kickenden Konzernen wie Real Madrid, den beiden Großklubs aus Manchester oder Chelsea. Über viele Jahrzehnte verkörperten die Münchner – obwohl freilich auch bei ihnen die Konturen verwischten – ein gewisses Maß an Bodenständigkeit, an Fannähe, an sozialen Werten. Zuletzt fremdelte man.

Interne Grabenkämpfe glätten

Das liegt auch daran, dass in der Führung die klare Linie angesichts von Grabenkämpfen auf der Strecke blieben. Zuletzt schüttelten die Bosse zum Beispiel verärgert den Kopf, weil der Kaderplaner Michael Reschke sich in einem großen Interview gefiel. Er wurde schon nach der Demission von Sportdirektor Matthias Sammer zurechtgestutzt, weil er seine Befugnisse ausweiten wollte.

Auf den 64-jährigen Hoeneß warten an der Säbener Straße einige Aufgaben, aber er strotzt vor Tatendrang. Auf Rummenigge lässt er übrigens nichts kommen; die beiden haben sich längst an der Spitze des Vereins arrangiert. Botschafter, Boss, Kopf, Herz – man braucht die ganze Palette, um zwischen den Extremen zu bestehen.

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