FCB-Präsident ist schon wieder in seinem Element

„Davon träumte ich“: Was Hoeneß bei der JHV sagte - und danach

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Es war ein emotionaler Abend für Uli Hoeneß.

München - Uli Hoeneß ist zurück. Bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern ist zu erkennen, dass er sich in manchen Dingen nicht geändert hat.

Es dauert ein paar Minuten, ehe deutlich wird, dass sich manches nicht verändert hat. Uli Hoeneß kommt zum Ende der Rede, mit der er sich der Form halber um das Amt des Präsidenten des FC Bayern München e.V. bewirbt, er hat über jene zweieinhalb Jahre gesprochen, in denen er weg war, er hat umrissen, wie die Zukunft aussehen soll - dann sagt er mit verschmitztem Lächeln: "Die Fähigkeit, in einer klaren Sprache und Aussprache Probleme anzusprechen, ist nicht verloren gegangen, sie schläft nicht, sie ruht und sie kann bei Bedarf jederzeit zurückkommen."

Das Wahlvolk in der Halle hat Hoeneß spätestens mit diesem Satz fest im Griff. Leute, macht er deutlich: Die "Abteilung Attacke", die gibt es nach wie vor, und wenn es sein muss, öffne ich die Türe und komme raus, verlasst euch drauf! Die Halle tobt, in diesem Moment wird deutlich: Hoeneß, bis dahin fahrig, angespannt und fehlerhaft beim Ablesen vom Blatt, war, ist und bleibt ein Menschenfänger, der genau weiß, was er sagen muss, was die Leute hören wollen. Auf ihn haben sie gewartet, sehnsüchtig. Und von ihm, von Hoeneß, wollen sie klare Ansagen, wollen sie: "Mia san mia".

Kurze Zeit später, Hoeneß ist bereits mit mehr als 97 Prozent der Stimmen erneut zum starken Mann des FC Bayern gewählt worden, kommt er erst recht auf Betriebstemperatur. "Leipzig hat 4:1 gewonnen", berichtet er den Menschen in der rappelvollen Halle zwischendurch, dann, wieder mit diesem verschmitzten Lächeln, sagt er: "Wir haben neben Dortmund einen zweiten Feind, den wir jetzt endlich wieder attackieren können." Feind! "Es ist höchste Zeit", ergänzt Hoeneß, "dass mal wieder ein paar kommen, damit wir sie wieder richtig bekämpfen können." Jubel!

Hoeneß nach Mitternacht: „Ich habe davon geträumt, einen Tag wie heute zu erleben“

Um 20 Minuten nach Mitternacht, seine Krönungsmesse ist seit einer Viertelstunde vorbei, sagt Hoeneß, er habe davon geträumt, "so einen Tag wie heute zu erleben". Fünfeinhalbtausend Briefe habe er während seiner Haftzeit bekommen, teils von wildfremden Menschen und Fans anderer Klubs, er habe sie gelesen, wenn es ihm nicht gut ging, auf dem Bett sitzend oder liegend und heulend "wie ein Schlosshund". Nicht zuletzt diese Anteilnahme, macht er deutlich, habe ihm die Kraft gegeben, die "schwierige Zeit so gut zu überstehen", zurückzukommen und "es wieder zu packen".

Diese "Vision", wie Hoeneß es nennt, habe sich aber bereits an dem Tag entwickelt, an dem er für Karl Hopfner Platz machte, machen musste. An jenem 2. Mai 2014, als er rief: "Das war's noch nicht!" Wenn er noch weitere Visionen hat für den FC Bayern, so mag er sie erst mal nicht konkret benennen. Hoeneß redet vom 70 Millionen Euro teuren Nachwuchsleistungszentrum, das bald vollendet sein wird, von der "ungeheuren" sozialen Verantwortung, der der FC Bayern gerecht werden müsse, von sich und seiner Rolle als "Bindeglied" und "Kümmerer".

Hoeneß mit Bayern-Schal bei Pressekonferenz

Zur Pressekonferenz nach der erst nach Mitternacht beendeten Versammlung erschien er mit einem Bayern-Fanschal. Von Leipzig als Feind mochte er da nicht mehr sprechen. Lieber bezeichnete er den Aufsteiger als „Rivalen“. Die Leipziger hätten eine „sehr hungrige Mannschaft“ mit einem „hervorragenden Trainer“ Ralph Hasenhüttl, sagte er anerkennend: „Ich denke, dass sie in der Winterpause möglicherweise noch was zulegen, der Herr Mateschitz wird es schon richten“, sagte Hoeneß mit dem unausgesprochenen Verweis auf die Millionen des österreichischen Brauseherstellers Red Bull.

„Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr Spaß kommt auf. Es ist ganz wichtig, dass wir wieder richtige Gegner haben, denn das wirkt nicht leistungsmindernd für einen Profi bei Bayern, sondern eher leistungsfördernd“, erklärte der Klartextredner Hoeneß.

Wer einen völlig veränderten Uli Hoeneß nach der schweren Zeit im Gefängnis erwartet hatte, sah sich getäuscht. Der 64-Jährige strotzt vor Energie und Tatendrang. Die Zuneigung und Liebe, die ihm Fans, aber auch wildfremde Menschen während seiner Haftstrafe wegen Steuerhinterziehung in Tausenden von Briefen bekundeten, hätten ihn in den einsamen Stunden in seiner Zelle immer wieder aufgebaut. „Das hat mich davon träumen lassen, so einen Tag noch mal erleben zu lassen“, sagte er nach seiner überwältigenden Wahl. Nur 108 Mitglieder stimmten gegen ihn, 58 enthielten sich.

Hoeneß wird sich einmischen

Hoeneß wird sich einmischen, keine Frage, und das wird zu Konfrontationen führen. Nicht mehr mit Hopfner, der, und das ist bemerkenswert, gleich mehrfach umjubelt wird am Freitagabend im Audi Dome. Nach immerhin 33 Jahren macht der laut Klubchef Karl-Heinz Rummenigge "Schöpfer des Wirtschaftswunders" des FC Bayern Schluss: "Das war's." Rummenigge sagt hernach zu Hoeneß: "Ich bin neugierig auf die neuerliche Zusammenarbeit mit dir." Hoeneß sagt zu Rummenigge, es sei immer "unsere Stärke gewesen, kontroverse Meinungen zu haben".

Selbstverständlich wird Hoeneß Vorstellungen haben, wie es mit seinem FC Bayern weitergeht. Aber: An erster Stelle steht zunächst die "sportliche Delle", die auch er schon erkannt hat, "wir müssen darüber reden, wie wir wieder Spiele gewinnen." In der kommenden Woche, ergänzt er, "werden wir mal darüber nachdenken, wie es weitergeht." Und ja, klar, "gewisse Stellschrauben müssen sicher verändert werden", betont er, aber, um daran zu drehen, dafür seien ja Rummenigge oder Trainer Carlo Ancelotti da, "da muss nicht der schlaue Hoeneß kommen."

Das aber glaubt er wohl selbst nicht. Denn, wie sagt er noch: "Wenn ich etwas mache, mache ich es richtig."

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sid/dpa


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