Viele Bayern werden damit behandelt

Kälberblut-Präparat bald auf Doping-Liste?

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„Auf ,Mull’ lasse ich nichts kommen“: Franck Ribery über Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der Muskelverletzungen gerne mit Actovegin behandelt. Noch ist das erlaubt.

München - Die Behandlung mit Actovegin ist bei Patienten von Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller- Wohlfahrt gang und gäbe. Das könnte sich nun ändern.

 „Du merkst es nach fünf Minuten in den Beinen. Es ist wie ein Weckruf. Perfekt für mich.“ Ein Zitat, das alarmieren sollte? Die Worte von Bastian Schweinsteiger sind fünf Jahre alt. Der Nationalspieler wurde – damals in Diensten des FC Bayern – von einem amerikanischen TV-Sender auf die Wirksamkeit von Actovegin angesprochen. Er gab an, das aus unfiltriertem Kälberblut bestehende Präparat „vor wichtigen Spielen und Wettbewerben“ verabreicht zu bekommen. Oder besser gesagt: Gespritzt. Direkt in den Muskel. Das ist erlaubt. Nur: wie lange noch?

FC Bayern: Müller-Wohlfahrt nutzte Kälberblut-Präparat

Eine neue Studie aus Dänemark könnte dazu führen, dass die Behandlung, die unter anderem von Bayern-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt praktiziert wird, bald nicht mehr zulässig ist. Dass Actovegin in naher Zukunft auf der Doping-Liste steht, ist nicht ausgeschlossen. „Es ist durchaus denkbar, dass das Mittel in der nächsten Runde von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA neu begutachtet wird“, sagt Mario Thevis unserer Zeitung. Der Professor ist an der Sporthochschule in Köln verantwortlich für Präventive Dopingforschung und ein Fachmann in der Beobachtung neuer Dopingsubstanzen. Über Actovegin hat er in den vergangenen Jahren viel gesprochen – bisher jedoch wurde der leistungssteigernde Effekt des Mittels als unwesentlich angesehen. Das sehen dänische Forscher nun anders.

Am renommierten Muskelforschungszentrum der Universität Kopenhagen wurde erstmals ein positiver Effekt von Actovegin auf die menschliche Muskulatur nachgewiesen. Das Präparat, das bisher nur intravenös verabreicht als Doping gilt, soll auch einen Effekt direkt im Muskel haben. „Das“, sagt Thevis, „kann ausreichend sein, um das Mittel neu einschätzen zu lassen.“ Heißt: Weitere Studien, am besten an Athleten, könnten dazu führen, dass in den Muskel verabreichtes Actovegin zunächst auf die „Monitoring List“ der WADA aufgenommen und in einem nächsten Schritt auf die Verbotsliste gesetzt wird. Für Spitzensportler – auch Patienten von Müller-Wohlfahrt – wäre das ein Rückschlag bei der Behandlung von Muskelverletzungen.

Änderung auf Doping-Liste könnte Folgen für FC Bayern haben

Zwar ist das Mittel in Deutschland seit Jahren nicht mehr zu erwerben, weil die Zulassung ausgelaufen ist. Es darf jedoch in Spritzenform und unter Verantwortung des behandelnden Arztes verwendet werden. Müller-Wohlfahrt hat vor einiger Zeit davon gesprochen, schon weit über eine Million Injektionen mit dem Präparat, das eigentlich zur Behandlung von Durchblutungsstörungen des Gehirns oder bei Demenz entwickelt wurde, verabreicht zu haben. Die Sportler sind begeistert. Zumindest für den Moment. Denn Folgeschäden, so sagen Kritiker, seien nicht ausgeschlossen.

Schalke 04 zum Beispiel verzichtet inzwischen auf Actovegin-Behandlungen, und DFB-Teamarzt Müller-Wohlfahrt hatte vor der WM 2014 Streit mit den Kollegen vom französischen Verband. Der Vorwurf, er habe Franck Ribery zu oft fitgespritzt, wurde natürlich umgehend dementiert. Der Offensivspieler verpasste zwar das Turnier, sagte aber: „Auf ,Mull’ lasse ich nichts kommen.“ Worte, die man von seinen Patienten häufig hört. Müller-Wohlfahrt sei ein Wunderheiler, ein Genie, ein Phänomen heißt es.

Mull: Kälberblut-Präparat wurde bislang nicht beanstandet

„Zu keinem Zeitpunkt wurden jemals Beanstandungen durch die zuständigen Antidoping-Institute erhoben“, ließ der Mediziner zuletzt auf eine Interviewanfrage des „Bayerischen Rundfunks“ mitteilen. Jedoch sind die investigativen Recherchen des BR (Sendung „Report München“vom letzten Dienstag, Web-Doku „Abseits“), so hört man, dem FC Bayern ein Dorn im Auge; das Verhältnis zum Haus-und Hof-Sender ist angespannt. Zwar können Müller-Wohlfahrt und seine Patienten im Moment noch ruhig mit der Thematik umgehen; sie machen nichts Verbotenes. Die Studie aus Dänemark jedoch war – um es mit Schweinsteiger zu sagen – doch ein kleiner Weckruf.

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