Experte über die Rechtslage

Angebliches Götze-Verbot: Darf ein Klub Spieler außen vor lassen?

München - Laut eines Berichts soll Bayern Mario Götze damit gedroht haben, ihn nicht in der Champions League einzusetzen. Der Klub weist die Vorwürfe vehement zurück. Doch wäre es rechtlich überhaupt möglich, einen Spieler außen vor zu lassen?

Der FC Bayern hat bereits erklärt, die Berichte um ein mögliches Champions-League-Verbot für Mario Götze seien „frei erfunden“. Folgende Frage stellt sich dennoch: Darf ein Klub einen Spieler, der in den Jahren zuvor regelmäßig für die Königsklasse gemeldet war, aus purer Willkür außen vor lassen? Eine Frage für den Arbeitsrechtler. Die tz hat Dr. Nils Bronhofer, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Strafrecht, aus München befragt.

Die Basis für eine genaue Beurteilung der Lage, so der Jurist, sei „der individuelle Arbeitsvertrag des Spielers“. Bronhofer erklärt aber: „Jeder Arbeitnehmer hat aus § 611 BGB in Verbindung mit seinem individuellen Arbeitsvertrag in Verbindung mit Art. 12 Grundgesetz einen Anspruch auf vertragsgemäße Beschäftigung. Gemäß § 612 a BGB in Verbindung mit dem Arbeitsvertrag von Mario Götze ergibt sich möglicherweise, dass der Verein nicht in der speziellen Situation berechtigt ist, den Spieler von der Teilnahme an der Champions League auszuschließen.“

Der Gesetzeswortlaut besagt, „dass der Arbeitgeber einen Arbeitnehmer bei einer Vereinbarung oder einer Maßnahme nicht benachteiligen darf, weil der Arbeitnehmer in zulässiger Weise seine Rechte ausübt“. Bronhofer sieht die angeblich in Betracht gezogene Sperre aber vielmehr als einen Schuss vor den Bug, damit Götze den Klub noch in diesem Sommer verlässt. „Nach meinem Kenntnisstand aus der Zeitung drängt sich der Verdacht auf, dass Rummenigge diese Maßnahme nur in Betracht zieht, um den Spieler dadurch in eine Zwangslage zu verfrachten, in der sich der Spieler gezwungen sieht, den Verein zu wechseln, um seinen momentanen Marktwert durch eine versagte Teilnahme an der CL beim FC Bayern für die Saison 2016/2017 nicht weiter zu schmälern.“

Die Transfergerüchte rund um den FC Bayern

Dass Götze wiederum betont habe, seinen bis 2017 datierten Vertrag erfüllen zu wollen, sei dagegen „nur eine zulässige Rechtsausübung durch Mario Götze, denn geschlossene Verträge sind nach dem Grundsatz pacta sunt servanda prinzipiell einzuhalten“, so der Arbeitsrechtler weiter. Sollte diese „Kausalität“, wie Bronhofer anfügt, „bewiesen werden, dann kann der Spieler Götze wegen Verstoßes gegen das gesetzliche Maßregelungsverbot das Unterlassen der Maßnahme auch gerichtlich erreichen.“ Schadensersatzansprüche inklusive.

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Rubriklistenbild: © MIS

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