Kapitel beim FC Bayern beendet

Götze-Wechsel: Für Dortmund verzichtet er auf viel Geld

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Zurück nach Hause: Mario Götze sagte am Donnerstag über seinen Wechsel 2013 zu Bayern: „Ich würde die Entscheidung heute nicht mehr so treffen.“

München - 25 Millionen Euro Ablöse, Vertrag bis 2020 in Dortmund: Das Kapitel Götze und Bayern ist beendet. Für die Rückkehr zu seinem Ex-Klub verzichtet der 24-Jährige auf viel Geld.

Als die Frage kam, die kommen musste, konnte sich Pep Guardiola ein Lächeln nicht verkneifen. Man sah dem ehemaligen Bayern- und jetzigen ManCity-Trainer für einen winzigen Moment die Erleichterung, ja vielleicht auch ein bisschen Schadenfreude darüber an, dass er sie nicht beantworten musste. Wie jeder im Medienraum der Allianz Arena blickte auch er also erwartungsvoll seinen Nebenmann an. Carlo Ancelotti war am Zug.

„Wenn er gehen möchte, wünsche ich ihm alles Gute. Wir haben ein fantastisches Team. That’s it“, sagte der Italiener. Drei Sätze zum Abschied von Mario Götze, dessen Wechsel zurück zu Borussia Dortmund sich bereits rund um das 1:0 des FC Bayern im Test gegen ManCity angebahnt hatte. Man merkte: Auch Ancelotti ist froh, dieses Kapitel beendet zu haben, ehe sein Engagement bei Bayern richtig Fahrt aufgenommen hat. Ein Störfaktor weniger.

Acht statt zwölf Millionen Euro

Guardiola kann ein Lied davon singen, wie sehr unzufriedene Spieler wie Götze den Alltag in München belasten können. Die Gewissheit, dass Ancelotti nicht über weitere Wochen oder gar Monate Fragen zu Götze beantworten werden muss, folgte dann gestern. Karl-Heinz Rummenigge hatte am Mittwochabend bereits angekündigt, dass der „Gordische Knoten“ an diesem Donnerstag „zerschlagen werden“ könnte. Alexander der Große war dafür nicht mehr nötig, die Parteien rund um den Vorstandsvorsitzenden der Bayern und Götzes Vater Jürgen waren sich schon weitestgehend einig.

Es ging nur noch um Details. In Dortmund verdient Götze in den kommenden vier Jahren bis 2020 etwas weniger, wohl acht statt wie in München zwölf Millionen Euro. Als Ablöse soll man sich auf 25 Millionen Euro verständigt haben, zwölf Millionen weniger als jene Summe, die die Bayern vor drei Jahren an den BVB überwiesen haben. Damals, als Götze mit großen Hoffnungen verpflichtet worden war. Man war sich zu jener Zeit sicher: Der beste Trainer der Welt und das größte Talent der Nation – das muss funktionieren. Tat es aber nicht. Und so passte es am Mittwoch ganz gut, dass neben Ancelotti Guardiola saß.

Der Mann, unter dem Götze nie glücklich geworden war, hatte sich zu früh gefreut – denn er war auch noch dran. Und tatsächlich war seine Einschätzung zum Thema doch deutlich interessanter als jene von Rummenigge, der sich in der offiziellen Mitteilung für „faire und seriöse Gespräche“ bedankte, von einer „guten Lösung“ sprach und „Mario alles Gute“ wünschte.

Guardiola spricht über schwierige Situation mit Götze

„Ich habe schon 1000 Mal gesagt, dass er ein guter Mensch ist, einer der besten Profis, mit denen ich je zusammengearbeitet habe“, leitete Guardiola ein. Dann aber – vielleicht tut man sich da mit etwas zeitlichem und räumlichem Abstand leichter – sprach er recht offen darüber, warum Götze sich unter ihm nicht durchgesetzt hat.

„Manchmal ist unser Beruf hart“, sagte Guardiola und gab zu: „Diese ganze Situation war nicht einfach für mich und nicht einfach für Mario.“ In der letzten Saison, als Götze im Herbst beim 5:1 gegen den BVB eines seiner besten Spiele für Bayern gemacht hatte, habe auch er ein gutes Gefühl gehabt. Dann aber folgte ein monatelanger Ausfall, der ihn zurückwarf. „Wir hatten sieben Stürmer“, sagte Guardiola und zog das Fazit: „Die Konkurrenz war einfach zu stark.“

Die Bilanz, die Götze aus drei Jahren Bayern bleibt: 73 Bundesligaspiele (22 Tore), 26 Champions League-Spiele (9) und zehn Spiele im DFB-Pokal (4); dreimal Deutscher Meister (2014, 2015, 2016), zweimal Pokalsieger (2014, 2016), Gewinner der FIFA-Klub-WM (2013) und des UEFA Supercups (2013). Für die Vita macht sich all das gut, für den persönlichen Werdegang war die Zeit in München aber ein Rückschritt. „Damals war es eine bewusste Entscheidung“, ließ sich Götze gestern zitieren. Drei Jahre später jedoch blicke er „mit anderen Augen auf den damaligen Entschluss. Ich würde ihn heute nicht mehr so treffen.“

Bilder: Was macht Pep da auf meinem Platz?

In Dortmund hofft man, dass ihn die Nestwärme zu alten Höchstleistungen antreiben wird. Er wird sich erneut beweisen, Kritiker überzeugen müssen, das will er „durch Leistung und meinen besten Fußball“ schaffen. Was er dem BVB konkret bringen wird? Da musste Guardiola wieder schmunzeln. Die Antwort ging ihm leicht über die Lippen: „Das ist eine Frage für Thomas Tuchel.“

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