Neuzugang des FC Bayern

Dortmund ist für Mats Hummels schon Geschichte

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Mats Hummels widmete sich beim Training den Fans.

München - Mats Hummels will mit seinem alten, neuen Klub FC Bayern endlich die Titelsammlung erweitern. Seine erste Dienstreise führt ihn nach Dortmund.

Die Sprache von Sportlern ist bekanntlich speziell, so bildhaft und prägnant, und darum spielt auch Sebastian Prödl an diesem Samstag beim FC Bayern eine kleine Rolle. Der Österreicher, der früher in Bremen kickte und heute in England, hat vor Jahren den schönen Satz formuliert, ein Gastspiel in München sei wie ein Besuch beim Zahnarzt: „Muss jeder mal hin. Kann ziemlich wehtun. Kann aber auch glimpflich ausgehen.“ Mats Hummels hat das Bonmot bei seiner Vorstellung aufgenommen. Er hofft, dass es den Gegnern auch in der neuen Saison schwer fällt, bei den Bayern zu bestehen. Und dass sie „möglichst selten, möglichst gar nicht einen Punkt mitnehmen“.

Den Fakt, dass seine eigene Bilanz als Gast der Bayern in Wahrheit gar nicht so schlecht ist, hat Hummels bei seinem ersten Auftritt vornehm verschwiegen. Mit Borussia Dortmund hat er mehr als einmal in München gewonnen, was unter anderem zwei Meistertitel zur Folge hatte, die die Bayern so schmerzten wie eine Wurzelbehandlung. Aber der BVB spielt an diesem Tag, an dem der Weltmeister sowie der zweite Neuzugang Renato Sanches aufs Podium gebeten werden, keine viel größere Rolle als Sebastian Prödl. In dem Einspielfilm über Hummels tauchen die Farben Schwarz und Gelb nur kurz auf, und später sagt Karl-Heinz Rummenigge, der seit 1. Juli der oberste Boss des Weltmeisters ist, beiläufig, dass der Innenverteidiger „aus den bekannten Gründen ein paar Jahre in Dortmund gespielt hat“.

Streng genommen waren es achteinhalb, und der Hauptgrund war, dass die Bayern für den jungen Mats keine rechte Verwendung hatten. Aber diese Einschätzung ist ja nun korrigiert, und wenn man bedenkt, dass Manchester United für Paul Pogba, den man einst ablösefrei ziehen ließ, nun bis zu 120 Millionen überweisen will, sind die Münchner halbwegs glimpflich davongekommen. Zumal Rummenigge Wert auf die Feststellung legt, die kolportierte Ablöse von 38 Millionen sei falsch: „Die Summe ist zu hoch, sie stimmt nicht.“ Leider nennt er den tatsächlichen Preis nicht. Vielleicht waren es 37,9 Millionen, vielleicht 30, vielleicht drei.

Das Geld war unter all den Argumenten, die Hummels angeblich zur Rückkehr in seinen Heimatverein bewogen, wohl das unwichtigste. Aus seinem nächsten Umfeld hört man, das Bayern-Gehalt habe er auch in Dortmund bekommen können. Aber die Heimatstadt, die alten Freunde, die Familie, die zwischenzeitlich drohenden Auflösungserscheinungen beim BVB – diese Faktoren hatten ganz offensichtlich Gewicht. Am schwersten, so klingt es zumindest jetzt, wog letztlich die Titel-Aussicht: „Bayern ist eine der drei besten Mannschaften der Welt. Zu wissen, dass man jedes Jahr drei Titel gewinnen kann, ist ein großer Reiz.“ Der einzige Pokal, den er als BVB-Kapitän in den letzten vier Jahren gewann, war der Supercup.

Der wird auch am kommenden Sonntag wieder ausgespielt. Hummels’ erste Dienstreise wird ihn charmanterweise in eben jenes Stadion führen, in dem er als Kopf einer verschworenen Gemeinschaft verehrt wurde und wo er nach Bekanntwerden seines Wechsels bereits die ersten Anfeindungen zu überstehen hatte. Er weiß, was ihn erwartet. Sicher werde es „einige Leute geben, die mich nicht so gut empfangen werden“, sagt er in bewusster Untertreibung.

Tatsächlich werden es wohl eine ganze Menge Menschen sein, darauf hat er sich am Saisonende schon einstellen dürfen. Er kennt das „sehr laute Nebengeräusch, wenn man den Ball kriegt“ und die Pfiffe werden schrill. „Das ist aber auch nachvollziehbar“, sagt Hummels, „Fußball ist eine sehr emotionale Angelegenheit.“ Die Wiedersehensfreude werden ihm solche Misstöne nicht verderben. „Ich werde die Zeit dort immer wertschätzen, auch wenn ich die nächsten 15 Male ausgepfiffen werde.“ Wohler als beim Zahnarzt wird er sich in dieser vertrauten Umgebung allemal fühlen.

Marc Beyer, Sina Ojo

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