Nach Kantersieg über Bremen

Liga-Langeweile? Mats Hummels grinst über eigene Aussage 

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Mats Hummels

München - Seit wenigen Wochen erst ist Carlo Ancelotti der Trainer des FC Bayern. Doch seine Handschrift tut den Münchnern gut – sie befeuert aber auch die Diskussion um Liga-Langeweile.

Normalerweise hat der FC Bayern ja wenigstens die Beletage des deutschen Fußballs hinter sich, wenn es um die obligatorische Langweile-Frage in der Liga geht. Am Freitag aber fielen sowohl Joachim Löw als auch Reinhard Rauball aus ihrem Muster. 

Der Bundestrainer hatte schon zur Halbzeit des 6:0 der Bayern im Eröffnungsspiel gegen Werder Bremen von einem „Trainingsspiel“ für den Rekordmeister gesprochen. Und Rauball zu diesem Zeitpunkt bereits Gedanken im Kopf, wie man es kommendes Jahr anders, ja womöglich besser machen könnte.

Wer außer Borussia Dortmund ist ein ebenbürtiger Gegner für den FC Bayern? Gibt es überhaupt noch einen? Diese Fragen begleiteten viele neutrale Beobachter am Wochenende. Natürlich vor allem, weil Werder Bremen sich unfassbar schwach präsentiert und seinem Schicksal in der Allianz Arena einfach hingegeben hatte (Torhüter Felix Wiedwald: „Eine Frechheit“). Zu einem anderen Teil aber auch, weil die Bayern einfach stark gespielt hatten. Der höchste Sieg, den es je in einem Bundesliga-Eröffnungsspiel gegeben hat, hat dem Team von Carlo Ancelotti noch mehr Rückenwind für die Spielzeit gegeben – aber auch eine Kehrseite: Vom Start weg muss man nun Diskussionen um Rekorde, die Meisterschaft und ungeliebte Formulierungen wie „beste Bayern aller Zeiten“ moderieren.

Manuel Neuer nach Sieg über Bremen: "Signal an Konkurrenz"

Manch ein Spieler hätte so manch einen überschwänglich fragenden Medienvertreter in der Nacht zum Samstag am liebsten einmal kräftig durchgeschüttelt, das konnte man in zahlreichen Gesichtern sehen. Irgendwo zwischen Stolz, Erleichterung, aber vor allem dem Einwand, dass gerade mal ein einziges (zugegeben starkes) Spiel gespielt worden ist, schwirrten die Gedanken der Profis, als sie die Allianz Arena verließen und sich in Richtung Nationalmannschaften verabschiedeten. Kapitän Philipp Lahm sprach stellvertretend: „Ich sehe es als drei Punkte und ein gutes Spiel, das uns Sicherheit gibt. Aber es sollte uns nicht abheben lassen.“ Manuel Neuer hatte den Auftritt mit drei Toren von Robert Lewandowski sowie Treffern von Xabi Alonso, Franck Ribery und Lahm als „Signal an die Konkurrenz“ gesehen. Ancelotti nannte die Leistung seiner Mannschaft „sehr gut“, ließ aber nicht unerwähnt, dass „wir natürlich noch besser spielen können“.

Der Italiener hatte sein erstes Bundesliga-Spiel vollkommen ruhig und tiefenentspannt verfolgt. Er hatte schnell gemerkt, dass es auf dem Rasen läuft, deshalb ließ er die Jungs mal machen. „Wir haben Spaß unter Carlo“, sagte Thomas Müller und fasste somit zusammen, was 75.000 Zuschauer gesehen hatten. Ein Team, das vom Gegner zweifelsohne zu viele Freiräume bekam, aber Spielfreude und Variantenreichtum verkörperte. Liegt das jetzt alles an Ancelotti?

TV-Experte Mehmet Scholl sprach von „abgestreiften Pep-Ketten“ und ging sogar noch weiter: „Ancelotti hat die Bayern freigelassen.“ Den Seitenhieb in Richtung Vorgänger Guardiola wollte außer ihm aber niemand hören. Vergangenheit ist Vergangenheit, es ist eine neue Zeit angebrochen beim FC Bayern. Eine, in der Ancelottis Handschrift schon zu erkennen ist, es aber – wie von Alonso gesagt – „zu früh ist, diese zu bewerten“.

Hat Cathy Hummels schon neue beste Freundinnen gefunden?

Erste Ansätze – schnelleres, vertikaleres Spiel, mehr Freiräume für jeden Einzelnen – lassen erahnen, in welche Richtung das Spiel gehen soll. Und sie lassen auch erahnen, dass diese Idee des Fußballs durchaus zum FC Bayern und seinen Spielern passt. Neuer lobte Ancelotti dafür, dass „er versucht, uns mit seiner ruhigen Art das Vertrauen zu geben und wir Entscheidungen selbst auf dem Platz treffen“. Auch Mats Hummels hob die „Freiräume auf und neben dem Platz“ hervor. Dolce Vita an der Seitenlinie – das gefällt den Stars.

Der Neuzugang übrigens sagte selbstbewusst: „Ich rechne damit, dass wir die Meisterschaft gewinnen.“ So viel zur Liga-Langeweile? Hummels kratzte sich am Kopf, überlegte kurz und schüttelte sich: „Mein Gott – jetzt habe ich eine Überschrift geliefert.“ Er grinste.

Alles nicht so gemeint? Übelnehmen kann man ihm diese Aussage nach diesem Abend nicht.

Hanna Raif

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