Er bringt eigentlich alles mit

Sammer-Nachfolger: Warum holt Bayern nicht diesen Mann?

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Max Eberl hat Borussia Mönchengladbach kontinuierlich nach oben gebracht.

München - Der Rückzug von Matthias Sammer vom Amt des Sportvorstands beim FC Bayern hat alle überrascht. Holt der Rekordmeister jetzt Ersatz? Falls ja, wir hätten da einen Vorschlag!

Es war nur eine kurze Meldung, die am Sonntag aber wie eine Bombe einschlug. Sportvorstand Matthias Sammer hat den FC Bayern um eine Vertragsauflösung gebeten. Sammer fühlte sich nach eigenen Angaben mit dem Job  beim Rekordmeister überlastet. Aus Rücksicht auf seine Familie wolle er beruflich kürzer treten.

Bleibt natürlich die Frage, wer Sammer nun ersetzen soll? Zur Erinnerung: 2012 war für Sammer eigens der Posten des Sportvorstands neu geschaffen worden, zu seinen Aufgabengebieten gehörten die Lizenzspielermannschaft, das Trainerteam, die Nachwuchsabteilung und das Scouting.

Reschke bleibt Scout

Im Nachwuchsbereich gab zuletzt Uli Hoeneß als Freigänger wieder den Ton an, im Scouting zog und zieht Michael Reschke höchst erfolgreich die Fäden und auch manche Transfer-Strippe im Hintergrund. "Wir werden das bis auf Weiteres so weitermachen, wie wir das in den letzten Monaten schon machen mussten. Wir haben das auf mehrere Schultern verteilt. Wir werden in Ruhe eine Entscheidung treffen", kündigte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Montag beim offiziellen Trainingsauftakt und der Vorstellung von Neu-Trainer Carlo Ancelotti an. Mit seinen Italienischkenntnissen dürfte Rummenigge für Ancelotti Ansprechpartner Nummer eins im Klub sein.

Bleibt also noch das eigentliche Hauptaufgabengebiet: die Lizenzspielermannschaft. Wer wäre ein geeigneter Mann, um die hochbezahlten Superstars bei Laune zu halten, den Kader weiter zu entwickeln, den Profis auch mal in den Hintern zu treten, wie man in der Fußballersprache sagt, oder sich auch mal schützend vor das Team zu stellen?

Lahm wäre ein Kandidat - spielt aber noch zwei Jahre

Vor der Ära Sammer war Hoeneß derjenige im Verein, der diese Rolle ausfüllte. Noch ist, zumindest öffentlich, unklar, wie er seine Zukunft im Verein sieht. Allgemein wird aber davon ausgegangen, dass Hoeneß auf der Mitgliederversammlung im kommenden Herbst wieder als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender zurückkehrt.

Direkter Nachfolger Sammers wird Hoeneß also aller Wahrscheinlichkeit nicht. Klar ist aber: Falls die Position neu besetzt wird, müsste der Kandidat mit Hoeneß auf einer Wellenlänge funken. Ein verlässliches, möglichst weltweites Netzwerk sowie ein Händchen für Spielerverpflichtungen würden sicher nicht schaden, Erfahrung im Nachwuchsbereich wäre von Vorteil, sicheres Krisenmanagement wird immer gern genommen - und ein wenig Stallgeruch darf's beim FC Bayern bekanntlich immer sein.

Der Kreis der möglichen Bewerber ist damit extrem klein. Ein potenzieller Kandidat wäre Philipp Lahm. Rummenigge schwärmte im kicker: "Philipp ist ein Gigant, nicht nur mit seiner fußballerischen Qualität, sondern auch außerhalb des Platzes. Philipp hat die Qualität, nach seiner Fußballer-Karriere eine große und wichtige Rolle in diesem Klub zu spielen." Kleines Problem: Der Kapitän wird aber erst 2018 seine Karriere beenden.

Max Eberl agiert bei Gladbach höchst erfolgreich

Aus der Reihe der in der Bundesliga aktiven Funktionäre kommt eigentlich nur einer in Frage: Max Eberl. Der 42-Jährige ist Sportdirektor und Geschäftsführer bei Borussia Mönchengladbach und so etwas wie der heimliche Star unter den Bundesliga-Managern. Zwar gibt es offiziell überhaupt keine Verbindung zwischen Eberl und dem FC Bayern, doch der gebürtige Niederbayer kann beachtliche Erfolge vorweisen, die ihn auch für ein Amt beim Branchenprimus empfehlen.

Eberl kickte im Nachwuchs des FC Bayern, schaffte den Sprung zu den FCB-Amateuren und absolvierte auch eine Bundesliga-Partie im roten Dress. Er war bei der Borussia nach dem Ende seiner Profilaufbahn vier Jahre lang Nachwuchskoordinator und rückte 2008 in die Position des Sportdirektors auf. Sein aktueller Vertrag läuft noch bis 2020. Mit Eberl arbeitete sich die Borussia vom Abstiegskandidaten zum Dauergast in der Champions League empor. Er bewies sein Geschick im Umgang mit "schwierigen" Trainern wie Hans Meyer und Lucien Favre.

Noch beeindruckender ist seine Transferbilanz: Immer wieder schaffte es Eberl, den Abgang von Leistungsträgern mit relativ unbekannten Spielern aufzufangen, die ihrerseits wieder zu Leistungsträgern wurden. Eine kleine Auswahl von Spielern, die Eberl für kleines Geld ein- und für großes Geld verkaufte: Marco Reus, Dante, Max Kruse oder Granit Xhaka, der 2012 für 8,5 Millionen Euro vom FC Basel verpflichtet und nun für über 40 Millionen Euro an den FC Arsenal weitertransferiert wurde. Die Borussia steht auch dank Eberl finanziell so gut da wie noch nie.

Sie bringen die Würze: Reizfiguren des Fußballs

Auch mit Hoeneß hätte Eberl kein Problem, ganz im Gegenteil: "Jeder Mensch hat Vorbilder. Bei mir ist es Uli Hoeneß, eine sehr große Persönlichkeit. Ich habe als Jugendspieler des FC Bayern hautnah verfolgen dürfen, wie sich das alles dort entwickelt hat. Wahrscheinlich ist Bayern München der stabilste Klub der Welt mit der stärksten Basis für die nächsten Jahre, vielleicht sogar Jahrzehnte. Das ist das Lebenswerk von Uli Hoeneß", schwärmte Eberl im April 2015 in einem Interview mit der FAZ: "Beeindruckt hat mich aber auch die herzliche, offene Art, mit der er mir später begegnet ist, obwohl ich kein Bayern-Profi geworden bin, sondern nur ganz normal in der Bundesliga gespielt habe."

Eberl ist zwar kein Lautsprecher wie Sammer und hat trotz seiner 215 Profieinsätze nie ein Pflichtspieltor geschossen, bringt ansonsten aber alles mit für einen Posten als Sportvorstand beim FC Bayern. Vielleicht greifen Rummenigge oder Hoeneß ja demnächst mal zum Hörer ...

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