Kaderplaner plaudert aus dem Nähkästchen

Reschke verrät: "Pep wollte Tuchel als seinen Nachfolger"

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Michael Reschke (r.) und Pep Guardiola funkten auf einer Wellenlänge.

München - Er hat den Job des Kaderplaners quasi erfunden: Michael Reschke ist einer der wichtigsten Männer beim FC Bayern. Im Interview gibt er Einblicke in seine Arbeit, verrät, wie er Renato Sanches entdeckte und warum Pep Guardiola ihn veränderte.

In England braucht es dazu die Queen, im deutschen Fußball reicht das Urteil von Karl-Heinz Rummenigge, um den Ritterschlag zu erlangen: "Der FC Bayern braucht Michael Reschke in der Rolle, die er perfekt beherrscht, und das ist das Scouting", erklärte der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, als nach der Trennung von Sportvorstand Matthias Sammer die Frage aufkam, ob Reschke nicht eventuell dessen Nachfolger werden könnte.

Reschke sieht rund 150 Spiele live pro Jahr

Der 58 Jahre alte Reschke arbeitet seit zwei Jahren höchst erfolgreich für den FC Bayern. Davor war er lange als Manager für Bayer Leverkusen tätig. „Er hat dazu beigetragen, dass wir gute, glückliche Entscheidungen getroffen haben“, sagte Rummenigge zu den Transfers, an denen Reschke maßgeblich beteiligt war, etwa bei den Jungstars Kingsley Coman, Joshua Kimmich und dem Portugiesen Renato Sanches.

Ansonsten weiß man wenig über den Kaderplaner des Rekordmeisters. Im Interview mit dem Fußballmagazin 11Freunde hat der Schattenmann nun aber einige interessante Details aus seiner Arbeit verraten, unter anderem, warum er gerne so wenig Öffentlichkeit wie möglich haben möchte. "Es ist mir einfach angenehm, wenn ich im Stadion nicht erkannt werde, das erleichtert meine Arbeit", sagt Reschke.

Rund 150 Spiele pro Jahr sieht der Ex-Leverkusener pro Jahr live, immer auf der Suche nach Verstärkungen für den deutschen Rekordmeister. Drei Fragen bestimmen dabei den Entscheidungsprozess für oder gegen eine Verpflichtung, erklärt Reschke: "Wer von den sechs, sieben Topspielern, die es auf der Welt für eine bestimmte Position gibt, passt am besten zum FCB? Wen davon können wir überhaupt verpflichten? Und ganz wichtig: Wo ist vielleicht noch ein Juwel, das zu uns passt?"

Reschke: So kamen wir Sanches auf die Spur

Dabei ist es nicht immer nur der Spürnase Reschkes zu verdanken, dass hochkarätige Youngster wie Sanches oder Coman den Weg an die Säbener Straße gefunden haben. Der Technische Direktor des FC Bayern betont die Wichtigkeit von Bayern-Scout Marco Neppe. Der habe beispielsweise Sanches bereits im September 2015 in Benfica Lissabons U19 entdeckt "und war total begeistert". Auch Coman habe man gemeinsam beobachtet und für gut befunden.

Reschke ist sich allerdings bewusst, dass seine aktuelle Trefferquote, was Transfers angeht, keine Garantie für die Zukunft sei: "Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es auch mal einen Riesenflop gibt." Niemand könne alle Faktoren rund um einen Transfer kontrollieren, daher seien Fehler unvermeidbar.

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Besonders beeindruckt ist Reschke nach wie vor von Ex-Bayern-Trainer Pep Guardiola. "Es gibt niemanden, der meinen Blick auf den Fußball so verändert hat", schwärmt er vom Spanier: "Wie intensiv er Details bei Spielern wahrnimmt, ist außergewöhnlich. Die Blickrichtung und Spieloptionen beim ersten Ballkontakt etwa. Wie gut ein Spieler Räume erkennt und damit umgeht." Dennoch war es offensichtlich nie ein Thema für Reschke, Guardiola zu dessen neuem Arbeitgeber Manchester City nachzufolgen: "Für uns beide war klar, dass ich in München bleibe. Pep hätte nie gefragt."

Thomas Tuchel (r.) geht bei Borussia Dortmund in seine zweite Saison.

Apropos Nachfolger: Guardiola hatte offenbar einen Trainerkollegen ganz speziell im Visier, der irgendwann mal seine Arbeit beim FCB fortsetzen sollte, wie Reschke aus dem Nähkästchen plaudert: Thomas Tuchel. Während des ersten Treffens zwischen Tuchel und Guardiola in einem Restaurant in München, das der Kaderplaner angebahnt hatte, hatte Guardiola laut Reschke offenbar gesagt: "Thomas muss einmal mein Nachfolger in München werden." Reschke war allerdings anderer Meinung: "Ich habe Pep und Thomas prophezeit, dass der BVB-Trainer ab der Saison 2015/16 Thomas Tuchel heißen würde." Nicht nur in dieser Angelegenheit hat Reschke also gezeigt, wie viel Fußballsachverstand er besitzt.

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