Atlético-Legende im tz-Interview

Miguel Reina: Das erzählte mein Sohn Pepe über Bayern

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Miguel Reina (Mitte) im Duell mit Franz "Bulle" Roth.

Madrid - Miguel Reina, Papa von Ex-FCB-Keeper Pepe Reina, spricht im tz-Interview über das legendäre Finale des Europacup der Landesmeister 1974, über Schwarzenbeck und seinen Sohn.

Finale des Europacup der Landesmeister 1974, der FC Bayern duellierte sich mit Atletico Madrid und gewann dank eines 4:0 im Wiederholungsspiel den Henkelpott. Im ersten Aufeinandertreffen rettete Georg „Katsche“ Schwarzenbeck dem FCB in der Verlängerung in der 120. Minute ein 1:1-Unentschieden. Im Madrider Tor stand Miguel Reina, Papa von Ex-FCB-Keeper Pepe Reina. Das tz-Interview.

Señor Reina, das Ganze ist über 40 Jahre her, haben Sie noch Albträume von Katsche Schwarzenbeck?

Reina: Respekt für die Aussprache, die kriege ich als Spanier nicht so hin. Nein, ich empfinde nach wie vor tiefen Respekt und Dankbarkeit ihm gegenüber, denn dank seines Tores haben die Leute auch mich in Erinnerung behalten. (lacht) Im Ernst: Mein Respekt für ihn ist riesig, nicht nur wegen dieses einen Tores, sondern weil er Teil dieser legendären Bayern-Mannschaft war.

Haben Sie dieses Endspiel noch im Kopf?

Reina: Das Spiel nicht ganz, aber diese eine Szene kurz vor Schluss wird mir wohl für mein ganzes Leben bleiben. Ich glaube, ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass das einer der verfluchtesten und unglücklichsten Momente war, die wir in der Geschichte von Atlético de Madrid gehabt haben. Dass wir nur Sekunden vor Schluss dieses Tor fangen, wo ich doch im ganzen Wettbewerb noch keines kassiert hatte, und wir kurz vor Schluss unseren Traum vom Europapokal der Landesmeister begraben müssen... Versuchen Sie mal, sich das vor Augen zu führen. Jedes Mal, wenn ich es tue, tut sich ein Loch im Boden auf und ich falle hinein.

Zumal Atlético das Finale die meiste Zeit im Griff hatte.

Reina: So ist es, und das gegen eine der besten Mannschaften, die der europäische Fußball in all den Jahren hervorgebracht hat. Ich bin aber auch heute noch der Meinung, dass wir ein würdiger Sieger gewesen wären, hätte dieser Schuss nicht seinen Weg in meinen Kasten gefunden.

Man erzählt sich, Sie hätten vor Schwarzenbecks Schuss Ihre Handschuhe ausgezogen, um für einen Fotografen zu posieren.

Reina: Aber welche Handschuhe denn?

Sie wissen schon, die Torwarthandschuhe. 

Reina: Ach, zu dieser Zeit hatten wir doch noch keine Handschuhe. (lacht)

Schwarzenbeck meinte neulich in der tz, dass Sie seinen Schuss auch nicht mit Handschuhen gehalten hätten.

Reina: Da kann er schon recht haben, das war schon ein feines Ding.

Das Wiederholungsspiel zwei Tage später war eine klare Kiste. 4:0 für die Bayern.

Reina: Wissen Sie, kaum hatte der Junge mit dem unaussprechlichen Namen das Tor erzielt, sind wir innerhalb von Sekunden in eine tiefe Depression gefallen. Und zwar körperlich wie mental, wir waren wandelnde Leichen. Da war es ein Leichtes für die Münchner.

Beim FC Bayern sieht man diesen Triumph als den Startschuss für die späteren Erfolge an, Atlético hingegen stürzte die Niederlage in ein Trauma, das es auch heute noch nicht überwunden zu haben scheint.

Reina: Ich sehe das anders. Ich bin mir bewusst, dass das Spiel sinnbildlich für die ein oder andere unglückliche Niederlage danach steht, aber für uns war es etwas Einzigartiges, zumal wir hernach auch noch Weltpokalsieger wurden. Dank den Bayern, die aus Termingründen verzichteten. Und das gelang uns nur, weil wir es zuvor in dieses Finale geschafft hatten. Die Lotterie haben wir damals zwar nicht gewonnen, dafür hatten wir die Superzahl. (lacht)

Am Mittwoch können sich Simeones Männer für 1974 rächen. Was ging Ihnen durch den Kopf, als Atlético und die Bayern zugelost wurden?

Reina: Dass ich keine Revanche will, sondern nur einen Sieg. Das genügt mir völlig. Aber es wird nicht einfach, da die Bayern nicht nur über einen außergewöhnlichen Kader und Trainer verfügen, sondern zudem einen wunderbaren Stiefel spielen. Klar, Atlético hat sich auch entwickelt und spielt bis dato eine starke Saison, schwer wird es für uns colchoneros aber trotzdem.

Javi Martínez meinte, Atlético sei die Mannschaft, die er am wenigstens wollte.

Reina: Wir wollten die Bayern auch nicht. Wir wollten Manchester City. Die Bayern auch, stimmt’s? Am Ende wollten doch alle Manchester. (lacht) Nein, wenn du am Ende das Ding in Händen halten willst, musst du alle schlagen.

Wäre es nicht kurios gewesen, dass gut 40 Jahre später bei Bayern gegen Atlético wieder ein Reina im Tor steht, diesmal aber bei den Münchnern?

Reina: Fast hätte es geklappt. Aber Pepe hat die richtige Entscheidung getroffen. In diesem Beruf ist es wichtig, dass einer das macht, was ihm Spaß bereitet. Für Pepe war das der Fußball selbst, im Tor stehen zu können. Daher empfinde ich es nur als richtig, dass er nach einem Jahr bei den Bayern den Schritt zurück zu Neapel gegangen ist.

Was hat Pepe Ihnen denn von seiner Zeit in München erzählt?

Reina: Er hat geschwärmt, und zwar in den höchsten Tönen. Von der Stadt, vom Verein und von all seinen Mitspielern. Die Entscheidung ist aber absolut nachvollziehbar, denn beim FC Bayern steht ein gewisser Manuel Neuer im Kasten, im Moment der beste Torwart der Welt.

Ob er Schwarzenbecks Schuss gehalten hätte?

Reina (lacht): Nicht mal dann, wenn ihm spontan Flügel gewachsen wären. 

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