Carlo, die Vaterfigur

So bekämpft Ancelotti die Playstation-Sucht der FCB-Profis

+
In Lauerstellung: Renato Sanches ist fit, muss sich seinen Platz in Ancelottis Startelf aber noch erarbeiten.

München – Mit einer Auswärtspartie beim FC Schalke 04 bricht der FC Bayern am Freitag auf in die erste heiße Phase der Saison. „Wir sind bereit“, sagt der neue Coach Carlo Ancelotti. 

Es sind Kleinigkeiten, an denen man merkt, was die Spieler des FC Bayern meinen, wenn sie von Carlo Ancelottis vergleichsweise lockerem Führungsstil berichten. Das beste Beispiel vor dem Trip nach Gelsenkirchen, wo heute Abend (20.30 Uhr, bei uns im Live-Ticker) die Auswärtspartie beim FC Schalke 04 ansteht: Der Tross des Rekordmeisters startet erst am Spieltag in Richtung Westen. Nicht wie üblich nach dem Abschlusstraining am Vortag, sondern erst heute, nach einem Frühstück an der Säbener Straße, geht es für Ancelotti und sein Team in die unmittelbare Spielvorbereitung. Noch ein paar Stunden im Hotel, kurz ruhen, dann wartet auch schon der Bus in Richtung Stadion. Und die simple Begründung des Trainers für diesen unüblichen Reiseplan: „Ich will nicht, dass die Spieler so viel Playstation spielen.“

Carlo, die Vaterfigur

Ancelotti sagte das gestern mit einem Grinsen im Gesicht, seine Worte waren natürlich nicht ganz ernst gemeint. Aber man merkte ihm in diesem Moment mal wieder an, dass er auch im Umgang mit seinen Spielern durchaus regelmäßig Sinn für Humor beweist. Es wirkt, als habe der Italiener in seinen ersten Wochen in München wenig Sorgen gehabt, als könne er immer noch vollkommen entspannt nach vorne blicken, obwohl mit dem Spiel auf Schalke eine „sehr wichtige Periode“ startet. Sieben Spiele in 20 Tagen, englische Wochen mit wenig Zeit zur Regeneration. Aber Ancelotti ist sich eben einfach sicher, wenn er sagt: „Wir sind bereit für diese Periode.“

Diese Länderspielpausen zu Beginn der Saison sind den meisten Trainern ein Dorn im Auge; gerade hat man begonnen, wird man schon wieder unterbrochen. Ancelotti aber hat versucht, das Beste daraus zu machen. Es gab knackige Trainingseinheiten, aber auch Zeit zur Regeneration in den vergangenen beiden Wochen. Und alle Nationalspieler seien „in guter Verfassung“ zurückgekehrt. Das einzige Fragezeichen steht hinter dem Einsatz von Arturo Vidal, der erst gestern aus Chile eintraf ist und einen langen Flug in den Knochen hat. Als Ersatz stünde Joshua Kimmich bereit, den Ancelotti allerdings vor alllem als Optionfür die kommenden Wochen herausstellte: „Ich werde viel rotieren, weil ich meine Spieler nicht zu früh in der Saison fertigmachen will. Er wird seinen Platz und seine Spielzeit bekommen.“

Müller, Ribery und Lewandowski in Startelf

Der Einstand vor zwei Wochen gegen Bremen ist geglückt – erst jetzt aber geht es so richtig los. Heute erwartet Ancelotti, der sowohl mit Real Madrid als auch mit dem AC Mailand „sehr gute Erinnerungen“ an Gelsenkirchen hat, eine enge Partie. Die Mannschaft von Markus Weinzierl verfüge nach dem Fehlstart in Frankfurt (0:1) über „eine sehr gute Motivation“. Es sei aber vor allem wichtig, „wie wir spielen“.

Ancelotti gab überraschend viele Einblicke in die Elf, die er heute Abend auf den Rasen schicken wird. In der Offensive legte er sich schon gestern auf Thomas Müller, Franck Ribery und Robert Lewandowski fest, der schon gegen Bremen in Top-Verfassung war. Als Alternativen stünden immerhin auch Renato Sanches und Douglas Costa nach überstandenen Verletzungen wieder bereit.

Boateng und Robben vor Einstieg ins Teamtraining

Sanches sei „bei 100 Prozent. Er kann ohne Probleme und mit Vollgas spielen“, sagte der Trainer, auch Costa habe „sehr gut trainiert“. Die beiden werden aber wohl erst mal auf der Bank sitzen.

Dort übrigens dürfte ab kommender Woche, vielleicht schon beim Champions League-Auftakt am Dienstag gegen Rostow, noch mehr Konkurrenzkampf herrschen. Denn sowohl Arjen Robben als auch Jerome Boateng sollen laut Ancelotti „am Sonntag ins Teamtraining einsteigen“. Eine konkrete Angabe, wie man sie in den letzten drei Jahren nie gehört hat. Die Standardantwort von Pep Guardiola auf dementsprechende Fragen: „Frag den Arzt!“ Von Ancelotti kriegt man eine Antwort. Wieder eines dieser kleinen Details.

Hanna Raif und Lukas Schwimmbeck

auch interessant

Meistgelesen

FCB ohne Chef-Stratege nach Mainz - Vidal dabei
FCB ohne Chef-Stratege nach Mainz - Vidal dabei
Das sagt Lewandowski über seine neue Freistoß-Gabe
Das sagt Lewandowski über seine neue Freistoß-Gabe
So endete 1. FSV Mainz 05 gegen FC Bayern
So endete 1. FSV Mainz 05 gegen FC Bayern
Baby-News überraschte FCB-Stars - Müller sorgt für Lacher
Baby-News überraschte FCB-Stars - Müller sorgt für Lacher

Kommentare