Brasiliens früherer Kapitän

Cafu im tz-Interview: So wird Costa einer der Besten

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Douglas Costa.

München - Brasiliens früherer Kapitän Cafu schwärmt im tz-Interview von Bayerns Douglas Costa und erklärt, warum Münchens Bald-Coach Carlo Ancelotti ein außergewöhnlicher Trainer ist.

Er ist einer der wenigen Spieler, die zweimal den WM-Pokal in die Höhe recken konnten: Cafu! Der Kapitän von Brasiliens Seleçao wurde 1994 in den USA und 2002 in Japan und Südkorea Weltmeister. Heute setzt sich der 45-jährige Ex-Spieler von São Paulo, Rom und Milan in seiner Rolle als Laureus-Botschafter für benachteiligte Kinder in seiner Heimat ein. „Diesen Jungs durch die Werte des Sports zu helfen, ist fantastisch“, so Cafu zur tz. Im tz-Interview spricht er über Douglas Costa, seinen Ex-Trainer Carlo Ancelotti und Ex-Bayer Breno.

Cafu, ein paar Jahre sind mittlerweile vergangenen seit jener Nacht in Belo Horizonte. Haben Ihre Landsleute die vernichtende 1:7-Niederlage gegen Deutschland verdaut?

Cafu: Ich denke, dass genug Zeit vergangen ist. Das Kapitel ist vorbei. Die Seleçao steckt aktuell mitten in der Qualifikation für die WM, Deutschland bereitet sich derweil auf die EM in Frankreich vor und wird danach ebenfalls die Quali für die WM angehen. Zwei Jahre ist eine Menge Zeit, und wie sagt man so schön: Die Zeit heilt alle Wunden. Für uns Brasilianer heißt es jetzt, weiterhin hart zu arbeiten, die nötigen Resultate zu erzielen und in zwei Jahren dann erneut den Titel in Angriff zu nehmen.

Einer der Leistungsträger wird dann neben Barças Neymar auch Douglas Costa sein. Was halten Sie von seiner ersten Saison beim FC Bayern?

Cafu: Douglas ist ein wunderbarer Spieler. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass er in nicht allzu ferner Zukunft einer der besten Spieler der Welt sein wird. Vorausgesetzt natürlich, dass er so weitermacht und sich nicht schwer verletzt. Aber gerade nach seiner ersten Spielzeit bei einem Klub wie Bayern München, der ja noch mal ein anderes Kaliber darstellt als sein ehemaliger Klub Schachtjor Donezk, lässt uns voller Hoffnung in die Zukunft blicken.

Sehen Sie ihn demnächst auf einer Stufe mit Spielern wie Messi oder Ronaldo?

Brasiliens Doppel-­Weltmeister ­Cafu schwärmt von Douglas Costa und Bald-FCB-Trainer Carlo Ancelotti.

Cafu: Er hat das Zeug dazu, keine Frage. Douglas bewegt sich ja bereits jetzt schon in einer Sphäre mit ihnen, auch wenn er vielleicht noch ein, zwei Jahre mehr bei einem Topklub wie den Bayern braucht. Aber genauso wie Neymar, der ja schon in einem Atemzug mit diesen beiden genannt wird, bringt auch Douglas die Qualitäten mit, um als einer der besten Spieler der Welt in die Geschichte einzugehen.

Es wird auch an Carlo Ancelotti liegen, die letzten Prozente aus ihm herauszukitzeln. Sie haben fünf Jahre lang unter dem Italiener bei AC Mailand trainiert, was kommt da nun für ein Kaliber zu auf die Bayern?

Cafu: Carlo kann ich nur in den höchsten Tönen loben, er ist ein ganz und gar fantastischer Trainer. Wissen Sie, jeder Coach verfolgt irgendwo seinen ganz eigenen Stil, seine Philosophie, die ihn von anderen unterscheidet, und genau seine Idee vom Fußball macht Carlo zu einem komplett außergewöhnlichen Trainer. Seine Titelsammlung beweist das. Das soll aber nicht heißen, dass der Weg von Carlo der richtige und der von Pep Guardiola falsch ist. Guardiola hat auch alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt – nur eben auf seine Art und Weise. Fest steht, dass der FC Bayern in Ancelotti einen sensationellen Menschen und Fachmann gewinnt.

Sie durften unter ihm arbeiten. Was zeichnet Ancelotti aus, was macht ihn zu einem besonderen Trainer?

Cafu: Freundlich, familiär, nah – alles schön und gut. Im Grunde ist Ancelotti aber ein Siegertyp wie Guardiola auch, nur das hat ihn mit der Aura umgeben, die große Klubs wie AC Mailand, Real Madrid oder jetzt eben die Bayern aufs Papier ruft. Die Leute haben schon recht, wenn sie ihn als eher ruhigen und umgänglichen Typen bezeichnen, diese innere Ausgeglichenheit lebt Carlo auch wie kein Zweiter. Und genau dadurch schafft er es, seine Mannschaft vom ersten Augenblick an um sich zu scharen und jeden einzelnen Spieler besser zu machen, in jeder Trainingseinheit.

Nun kommt Ancelotti zu einem Klub, der ebenfalls Wert auf Familiarität und Originalität legt. Kann in dieser Kombination das Erfolgsrezept seiner Ära in München liegen?

Cafu: Ich bin mir sicher, dass es so kommen wird. Am wichtigsten wird aber sein, dass seine Spieler von Tag eins an seine Philosophie annehmen und auch direkt umzusetzen versuchen. Es ist nie einfach, sich von der Idee eines Trainers zu lösen und direkt auf den neuen zu schalten, den Bayern-Spielern traue ich das aber zweifelsohne zu. Nur darauf wird es ankommen: Wenn Carlo den Spieler seine Botschaft vermitteln kann und diese sie direkt annehmen, stehen die Bayern mit Ancelotti vor einer sehr erfolgreichen Ära – zumal die Weichen von Heynckes und Guardiola bereits gestellt und optimal sind.

Ein Relikt des FC Bayern ist auch ein weiterer Landsmann von Ihnen: Breno. Wie geht es ihm in der Heimat, hat er den Anschluss geschafft?

Cafu: Langsam, aber sicher erholt er sich von der ganzen Geschichte, bei diesem Ausmaß geht das aber auch nicht von heute auf morgen. Er ist von den Bayern zu Sao Paulo gekommen, hatte sich dann verletzt, ist aber mittlerweile wieder voll drin. Wenn man knapp drei Jahre quasi von der Außenwelt und vom Fußball abgekapselt war, kostet es einen danach umso mehr, wieder hineinzufinden. Für Breno ist das Ganze nun ein neuer Anpassungsprozess, in den er sich Tag für Tag erneut voll reinschmeißen muss. Im Grunde hat er aber ein gutes Herz, und dadurch, dass er jetzt auch nicht alt ist, hat er noch einige Jahre im Fußball vor sich. Ich wünsche ihm von Herzen, dass der Fußball nur noch positive Erlebnisse für ihn parat hält und er eine erfolgreiche Zeit bei Sao Paulo erleben darf. Verdient hätte er das allemal.

Interview: J. Carlos Menzel López

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