Kampf im Bayern-Mittelfeld

Doppelpacker Kimmich: Wohin mit dem Alleskönner?

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Joshua Kimmich brüllt seine Freude heraus.

München - Es wird eng im Bayern-Mittelfeld. Ancelotti sieht drei zentrale Positionen vor. Auf diese Plätze bewerben sich sechs Spieler. Einer davon ist spätestens nach vier Toren in neun Tagen auch Joshua Kimmich. Doch wohin mit ihm?

Enges Gedränge, ein Kader, der alle Positionen doppelt besetzt - beim FC Bayern ist das seit Jahren gang und gäbe. In diesem Jahr kommt hinzu, das junge Spieler nicht nur still und leise von den arrivierten Stars lernen möchten. Sie wollen ihre Plätze in der Startelf.

Joshua Kimmich gehört dazu. Im ersten Jahr noch Lehrjunge von Xabi Alonso, Thiago oder Arturo Vidal, will er in diesem Jahr mehr Einsatzzeiten. Er untermauert das mit vier Toren in neun Tagen für den DFB und die Bayern und vor allem mit äußerst souveränen Auftritten auf verschiedenen Positionen. Der 21-Jährige spielt für Deutschland als Rechtsverteidiger, lief für die Münchner in der vergangenen Saison bereits als Innenverteidiger auf und übt nun auf den Mittelfeldpositionen Druck aus - spätestens seit seinem Doppelpack beim Champions-League-Auftakt am Dienstagabend gegen Rostow (5:0).

133 Ballkontakte gegen Rostow - ein Alonso-Wert

"Ich habe schon auf Dauer den Anspruch, dass ich mich im Mittelfeld durchsetze", sagte Kimmich kürzlich dem Münchner Merkur und sieht sich weiter als in der Vorsaison: "Letztes Jahr hatte ich zu diesem Zeitpunkt viel weniger Spiele, jetzt bin ich in jedem Spiel reingekommen oder stand in der Startelf." 

Der ursprüngliche Plan der Bayern mit Kimmich ist nicht ganz klar. Soll er einmal Alonso beerben oder doch ab 2018 Philipp Lahm als Außenverteidiger, wenn der Kapitän in den Ruhestand geht? Derzeit hat man den Eindruck er könne beides schaffen. Doch nachdem es bis 2018 noch lange hin ist, klingt erstere Variante realistischer. Alonso wird im November 35 und nicht schneller. Kimmich ist zudem zweikampfstärker, hatte gegen Rostow 133 Ballkontakte, was nicht nur der Bestwert der Partie war, sondern ein Alonso-Wert ist. Allerdings: Den Spielaufbau inklusive der Spielverlagerung mit punktgenauen Diagonalbällen hat Alonso exklusiv in der Isarmetropole. Der Jungspund darf sich beim Altmeister noch einiges abschauen.

Kehrt Martinez ins Mittelfeld zurück?

Spielt Kimmich nicht für Alonso auf der Sechs, bleibt noch die Achter-Position im System von Carlo Ancelotti. "Er ist ein glücklicher Spieler", sagte der neue Bayern-Coach dieser Tage über Kimmich, "denn er kann viele verschiedene Positionen spielen." Anführer Vidal wird dort gesetzt sein. Der andere Platzhirsch ist derzeit der wenig inspirierende Thiago, der seine alte Klasse sucht. Warum also nicht? Kimmich wird offensiv immer mutiger. Thiago dagegen marschiert kaum in den torgefährlichen Sechzehner. Symbolisch Kimmichs erstes Tor gegen Rostow als er den Ball aus zwei Metern über die Linie drückte.

Bilder und Noten: Einmal die Eins, sechsmal die Zwei

"Er hat wirklich gut gespielt. Joshua ist in sehr guter Verfassung und sehr fokussiert", lobt Ancelotti. Wenn er das bleibt, dürfte das auch beim anderen Youngster Renato Sanches Eindruck hinterlassen. Der 19-Jährige war Kimmich für 35 Millionen vor die Nase gesetzt worden, wirkt aber nach seiner Verletzungspause noch etwas fahrig. Er wird sich in München noch eingewöhnen müssen, wird aber kommen. Bleibt noch die Frage: Was passiert mit dem seit Wochen in Hochform spielenden Javi Martinez? Rückt er ins Mittelfeld sobald Jerome Boateng wieder die Innenverteidigung besetzt? Dort hat er Bayern zum Triple 2013 geführt. Man wird es sehen. So oder so, es sind Luxusprobleme, die Ancelotti für seine drei zentralen Mittelfeldpositionen hat.

Kimmichs Vorteil aber dürfte sein Charakter sein. Er nimmt selbst die Bank klaglos hin. "Ich sitze nicht draußen und heule rum oder verbreite schlechte Stimmung", sagt er. Das kommt gut und wird ihm weitere Einsätze garantieren.

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