Wird das Trauma aus dem Vorjahr besiegt

Experte: So kann Bayern das Atlético-Bollwerk knacken

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Lewandowskis Tor im Rückspiel des letztjährigen Champions-League-Halbfinals reichte dem FCB nicht, am Ende stand Atlético im Finale.

München - Der FC Bayern will bei Atlético Madrid das Halbfinal-Aus der vergangenen Saison vergessen machen. Ein Taktik-Experte erklärt in der tz, wie das gelingen könnte.

Das Halbfinal-Aus der vergangenen CL-Saison? Längst vergessen. Revanchegelüste gegen über Atlético Madrid? Auf keinen Fall. In Dauerschleife versuchten die Bayern, das Duell heute Abend (20.45 Uhr, Sky) gegen die Rojiblancos nicht emotional aufzuladen. Vor dem Abflug am Dienstagmorgen gab Thomas Müller dann aber doch zu: „Da haben wir sicherlich noch eine Rechnung offen.“ Unter Pep Guardiola gab es für die Münchner in Spanien nie etwas zu holen. Drei Spiele, drei Niederlagen. Doch jetzt ist Carlo Ancelotti da und reist mit der Empfehlung von acht Siegen aus acht Spielen seit seinem Amtsantritt nach Madrid. „Auffällig ist, dass unter Ancelotti schneller und riskanter in die Spitze gespielt wird“, sagt Alexander Schmalhofer, Leiter des Fachbereichs Spiel- und Taktikanalyse des Instituts für Fußballmanagement, im Gespräch mit der tz. „Somit wirkt der letzte Pass umgezwungener, anstatt ausschließlich lange Ballzirkulationen zu forcieren.“ Die Ancelotti-Bayern gegen Atlético: Mehr Risiko – auch mehr Erfolg? Die tz zeigt, wie die Roten mit der Philosophie ihres neuen Trainers heute Abend im Vicente Calderon erfolgreich sein können.

Kreativität in der Offensive: „Die Bayern werden kreative Lösungen und taktische Mittel benötigen, um Atléticos Abwehrpressingzu knacken. Dabei gibt es mehrere Varianten. Steht Atlético tief, ist es kaum möglich, durch das Zentrum Torchancen zu erspielen“, analysiert Schmalhofer und zeigt Möglichkeiten auf. „Die Flügel und die Halbräume müssen besetzt sein.“ Unter Ancelotti agieren die Außenverteidiger Lahm und Alaba im Angriff sehr offensiv und unterstützen die Flügelstürmer – gute Chancen, um auf den Außen Überzahl zu erzeugen und so das Bollwerk der Madrilenen zu knacken.

Taktikexperte: Bayern mit mehr Risiko zum Erfolg?

Die Grafik zeigt, wie die Bayern heute die Defensive der Spanier knacken können.

Sicherheit im Spielaufbau: „Die Bayern hatten zuletzt erkennbare Probleme in der Spieleröffnung, wenn der Gegner mit Angriffspressing und sehr mannorientiert agiert“, hat Schmalhofer festgestellt. Auch Atlético attackiert manchmal gerne früh. „Sie wollen den Gegner nicht zur Entfaltung kommen lassen und zielen auf einen unkontrollierten Spielaufbau oder sogar einen direkten Ballgewinn ab“, erklärt der Taktikexperte des Ismaninger Instituts. „Hier fehlt Ancelotti noch das taktische Mittel“, meint Schmalhofer und betont deshalb, dass „Fehler in der Spieleröffnung unbedingt zu vermeiden sind“. Daher wird Ancelotti wieder auf Xabi Alonso setzen, der mit seiner Ruhe und Erfahrung das Spiel aufbauen soll.

Aggressivität in der Abwehr: „Nach einem eigenen Ballverlust brauchen die Bayern eine klare Strategie“, betont Schmalhofer, der auch die offensiven Stärken Atléticos analysiert hat. „Vor allem nach einer Balleroberung ist das Team extrem gefährlich, deshalb ist die defensive Ordnung des FCB nach einem Ballverlust elementar“, erklärt er und zeigt zwei mögliche Varianten auf. „Entweder gehen sie entschlossen ins Gegenpressing oder lassen sich geschlossen fallen.“ Wie wichtig Aggressivität und Zweikampfhärte gegen die bissigen Spanier sind, wissen die Roten aus der vergangenen Saison bereits. Dafür setzt Ancelotti auf Jerome Boateng – Guardiola verzichtete damals im Hinspiel freiwillig auf den Abwehrboss.

Griezmann in den Griff kriegen: Das Tor im Rückspiel von Antoine Griezmann ließ die Finalträume des FCB platzen. Der Franzose ist für Schmalhofer „der absolute Schlüsselspieler. Ihn muss Bayern im Griff haben“. Wenn er aufdrehen kann, wird es für die Münchner gefährlich. Schmalhofer verrät, wie Griezmann tickt: „Meist spielt er einen Pass in die Tiefe, in den Lauf eines einschneidenden Mitspielers.“

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