Ständige Kritik an Guardiola

Warum darf Ribéry das?

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Franck Ribéry und Pep Guardiola.

München - Franck Ribéry verteilt mehr als nur Seitenhiebe gegen Ex-Coach Guardiola. Zurückgepfiffen wird er nicht. Es fehlt ein Sammer - oder ein Hoeneß. Schlicht: Es klafft ein Vakuum beim Rekordmeister. Eine Einordnung.

Wer Franck Ribéry dieser Tage zuhört, der merkt, wie sehr er in den vergangenen drei Jahren gelitten haben muss. Der Franzose braucht von seinen Trainern viel Zuwendung und noch mehr Streicheleinheiten. Und der 33-Jährige ist eitel. Europas Fußballer des Jahres weiß, dass er ein großer Spieler ist, aber er will das bitteschön auch gerne von seinem Trainer hören. Pep Guardiola hat ihm das offenbar nicht oft genug gesagt, denn Ribéry konnte sich vor wenigen Tagen beim Abflug in die USA am Münchner Flughafen einen ersten versteckten Seitenhieb nicht verkneifen.

Befragt nach den ersten Eindrücken von Neu-Trainer Carlo Ancelotti setzte Ribéry zu einer Lobeshymne auf den Italiener an: "Carlo ist eine große Person, ein großer Trainer. Er redet viel mit mir. Wenn ich mich mit einem Trainer gut fühle, gebe ich hundert Prozent für ihn." Wer zwischen den Zeilen las, ahnte: Das war's noch nicht.

Ribery: "Du musst große Namen auf dem Platz haben"

Und tatsächlich. Im Kicker folgte kurz später Statement Nummer zwei: "Unter Ancelotti spüre ich endlich wieder Vertrauen. Ich brauche Menschen wie ihn, Jupp Heynckes oder Ottmar Hitzfeld." Der Name Guardiolas kam ihm dabei nicht über die Lippen. Nur die Genannten wüssten in den Augen Ribérys nämlich, "wie man mit großen Spielern umgeht". Für die Bayern-Verantwortlichen um Präsident Karl Hopfner oder Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge offenbar noch immer kein Grund einzuschreiten. 

Stattdessen lederte Ribéry zum Dritten. Diesmal gänzlich ohne Zurückhaltung auf der Pressekonferenz in Chicago: "Pep hat noch keine lange Karriere als Trainer gehabt. Er ist ein junger Trainer, mit wenig Erfahrung." Das habe dann auch zum Halbfinal-Aus in der Champions League gegen Atlético Madrid geführt. "Du musst große Namen, die Besten auf dem Platz haben", sagte er und meinte damit das verlorene Hinspiel gegen die Spanier (0:1), bei dem er selbst neben Thomas Müller zunächst auf der Bank saß.

Guardiola lachte die Kritik auf Nachfrage weg, doch es stellt sich schon die Frage, wann ein Bayern-Spieler jemals so ungeniert über einen Ex-Coach herziehen durfte, ohne gemaßregelt zu werden? Noch dazu gegen einen Trainer, der mit den Münchnern nahezu alles erreicht hat. Drei Meisterschaften in drei Jahren, zwei Siege im DFB-Pokal, dazu drei Halbfinals in der Königsklasse sprechen für sich. Noch dazu gegen einen Trainer, den Kapitän Philipp Lahm und Rummenigge noch im Frühjahr von einem Verbleib in München überzeugen wollten. Warum darf Ribéry das?

Sammer, Hörwick weg - Es klafft ein Vakuum

Dass der Franzose der Fan-Liebling schlechthin ist, kann nicht als Argument gelten. Ribéry ist für's "Nachkarten", wie man in München sagt, bekannt. "Der Trainer Louis van Gaal war ein schlechter Mensch. Unsere Beziehung war total zerrüttet", sagte er einst nach dem Aus des Niederländers bei Bayern. Damals hatte er Hoeneß hinter sich, der selbst mit van Gaal nicht gut konnte. Diesmal dürfte er dessen Rückendeckung nicht spüren, auch wenn sich beide gut verstehen. Denn, Hoeneß war von Guardiola überzeugt. Der Spanier gilt als sein großer Coup, nachdem er die Verpflichtung im Winter 2012/2013 in New York eingetütet hatte. 

Doch der einstige Klub-Patron hat derzeit noch kein Amt, um die Wogen zu glätten und den Franzosen einzufangen. Ob er zurückkehrt, entscheidet sich in den kommenden Tagen. Ein Comeback gilt als wahrscheinlich. Er wäre auch genau der richtige Mann, um ein entstandenes Vakuum im Verein zu füllen, das Matthias Sammer hinterlassen hat und Rummenigge nicht auch noch zu füllen vermag. Sammers Aufgabenbereich war den Beobachtern stets ein großes Rätsel. Doch nun wird die Lücke, die er hinterlässt, sichtbar. Sammer hatte das Gespür für die Mannschaft und den Trainer. Er besänftigte, wurde auch laut und deutlich, wenn es sein musste. Über Gräben zwischen Guardiola und dem Team wurde berichtet, doch als gesichert galt das nie. Öffentliche Kritik seitens der Spieler gab es zu seiner Zeit praktisch nicht. 

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Doch "der Mahner" ist nun weg, genau wie PR-Chef Markus Hörwick. Während es Sammers Wunsch war und nachvollziehbar ist, wurde Hörwicks Abschied völlig überraschend verkündet - offiziell auf eigenen Wunsch. Aber: Am Nachmittag des Spiels Deutschland gegen Frankreich, an dem diese Meldung in der Großnachrichtenlage unterging. 

Ob es Vorstöße in der Häufigkeit wie Ribéry's auch unter ihm gegeben hätte? Es ist jedenfalls nicht die feine Art und wirft kein gutes Bild auf den Rekordmeister. Es gehört sich schlicht nicht.

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