tz-Interview mit Erich Beer

Seit 1977 beim FC Bayern sieglos! Hier spricht Herthas damaliger Kapitän

+
Handschlag vor dem historischen Hertha-Sieg: Erich Beer (l.) und Gerd Müller im Oktober 1977.

München - Viele Herthaner wissen gar nicht, wie sich ein Sieg beim FC Bayern anfühlt. Erich Beer schon. Im tz-Interview spricht der ehemalige Kapitän über ein Stück Geschichte.

Bayern gegen die Hertha. Das ist schon längst keine Erfolgsgeschichte mehr. Für die Berliner. Fast 39 Jahre ist es her, dass sich die Kapitäne Gerd Müller und Erich Beer vor dem letzten Bundesliga-Sieg der Hertha in München, jedenfalls was die Roten anbetrifft, die Hände geschüttelt haben. Am 29. Oktober 1977 trafen Gerhard Grau und Bernd Gersdorff zu einem 2:0-Sieg, das war's dann - bis heute. Der damalige Nationalspieler Erich Beer, Lenker und Denker im Mittelfeld der Hertha, wohnt schon seit vielen Jahren in München und drückt natürlich seinem Ex-Verein auch an diesem Mittwoch (20 Uhr, hier im Liveticker) wieder mal fest die Daumen. Damit die Sieglosserie endlich reißt. Die tz sprach mit Beer.

Herr Beer, wussten Sie, dass der letzte Sieg, damals noch im Olympiastadion, schon so lange her ist.

Beer: Ja, weil ich kürzlich mal nachgeschaut habe. 39 Jahre - das ist schon sehr bitter.

Wie gewinnt man denn bei den Bayern? Sie müssen es ja wissen!

Erich Beer.

Beer: Ach, damals war das insgesamt eine alles andere als gute Saison für den FC Bayern. Franz Beckenbauer hatte sich gerade nach New York verabschiedet, und es lief einfach nicht mehr. Ein paar Wochen nach unserem Erfolg haben sie auch gegen die Löwen verloren. Es war der erste Saisonsieg für den Aufsteiger 1860. Im November…

Zuletzt gab es neun mehr oder weniger deutliche Niederlagen am Stück für die Hertha in der Allianz Arena. Sie waren immer dabei. Wie weh tut das?

Beer: Es war fast immer enttäuschend. Trotzdem bin ich am Mittwoch natürlich wieder draußen. Meine Frau allerdings nicht mehr. Die hat die Nase schon seit zwei Jahren voll…

Aber die Hertha hat neben dem FC Bayern als einzige Mannschaft die ersten drei Saisonspiele gewonnen und kommt als Tabellenzweiter. Kein Mutmacher?

Beer: Doch. Ich hoffe schon, dass Hertha endlich mal wieder wenigstens einen Punkt holt. Wichtig ist aber auch, dass sich die Mannschaft nicht, wie so oft, von den Bayern vorführen lässt. Die drei Siege sind schön, das sagt aber noch nicht viel aus.

Waren Sie trotzdem überrascht?

Beer: Natürlich. Vor allem, weil die Hertha in der Qualifikation zur Europa League so enttäuscht hat und gegen Bröndby Kopenhagen rausgeflogen ist. Dazu das glückliche Weiterkommen im Pokal gegen den Drittliga-Aufsteiger Jahn Regensburg im Elferschießen - zu erwarten war dieser Bundesliga-Start sicherlich nicht.

Was sind die Gründe?

Beer: Lauffreudige Spieler, ein System, an das sich alle halten, mit Rune Jarstein besitzt man einen Torhüter, der unheimlich viel Ruhe ausstrahlt, und die Mannschaft ist eingespielt. Von den Neuzugängen spielt nur selten einer. Allerdings fallen in München mit Brooks und Darida zwei ganz wichtige Spieler aus.

Als Vater des Erfolgs gilt Trainer Pal Dardai. Wie schätzen Sie ihn ein?

Beer: Er macht schlaue Sachen. Zum Beispiel, dass er Vedad Ibisevic in dieser Saison zum Kapitän ernannt hat. Ibisevic ist ja sehr heißblütig und diskutiert gern mit den Schiedsrichtern. Das kann er als Spielführer jetzt eher machen, ohne gleich eine Gelbe Karte zu riskieren. Dazu kommt, dass das System der Hertha eindeutig Dardais Handschrift trägt. Wie als Spieler stellt er die Sicherheit in den Vordergrund. Leider tat er das auch vor einem halben Jahr im Pokalhalbfinale beim 0:3 gegen Borussia Dortmund. Da hätte ich mir einfach mehr Risiko gewünscht. Aber als junger Trainer muss man auch noch lernen. Das weiß Dardai selbst.

Wer wird Meister? Bayern oder die Hertha?

Beer (lacht): Ist schon gut. Der einzige ernsthafte Gegner für die Bayern werden die Dortmunder sein. Ich wäre für die Hertha mit einem Platz zwischen sechs und zehn zufrieden.

Das war 1977

Helmut Schmidt ist Bundeskanzler, Jimmy Carter neuer US-Präsident.

Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer wird von der RAF am 18. Oktober ermordet, nachdem die Entführung des Lufthansa-Fliegers Landshut ein relativ glimpfliches Ende gefunden hat.

Elvis Presley stirbt am 16. August im Alter von 42 Jahren.

Die Mass Bier auf dem Münchner Oktoberfest kostet 4,10 Mark.

WhatsApp-News zum FC Bayern gratis aufs Handy: tz.de bietet einen besonderen Service für FCB-Fans an. Sie bekommen regelmäßig die neuesten Nachrichten zu den Roten direkt per WhatsApp auf Ihr Smartphone. Und das kostenlos: Hier anmelden!

Claudius Mayer

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Arjen Robben gesteht: „Ich war froh, dass er drin war“
Arjen Robben gesteht: „Ich war froh, dass er drin war“
Nach Gala in Mainz: Das sagt Robben zu seiner Zukunft
Nach Gala in Mainz: Das sagt Robben zu seiner Zukunft
Doppelpacker Lewandowski schreibt in Mainz Bundesliga-Geschichte
Doppelpacker Lewandowski schreibt in Mainz Bundesliga-Geschichte
FCB ohne Chef-Stratege nach Mainz - Vidal dabei
FCB ohne Chef-Stratege nach Mainz - Vidal dabei

Kommentare