Am Samstag mit Werder gegen Ex-Klub FCB

Pizarro im tz-Interview: Vielleicht holt mich Pep zu City? 

Claudio Pizarro
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Claudio Pizarro ist momentan treffsicher.

München - Am Samstag kommt Claudio Pizarro mit Werder Bremen zurück zu alter Wirkungsstätte. Im Interview mit der tz sprach er vor dem Bundesliga-Duell über sein Pferd Karl-Heinz, Lederhosn und einen möglichen Wechsel.

Er trifft und trifft und trifft: Werder-Stürmer Claudio Pizarro, der „beste 37-jährige Fußballer der Welt“ (SZ), will am Samstag auch die Bayern ärgern, obwohl er am Donnerstag das Training abbrechen musste. Wie, das verrät er im tz-Interview:

Herr Pizarro, Sie mussten das Training abbrechen. Was ist passiert?

Claudio Pizarro: Ich habe leichte muskuläre Probleme. Da wollten wir kein Risiko eingehen und müssen abwarten, wie es weitergeht.

Von Ihnen war zu lesen, dass einige Pferde auf Ihrem Gestüt in Peru Namen tragen, die in Verbindung zum FC Bayern stehen. Es gibt einen „Allianz Arena“ und einen „Karl-Heinz“ für Klubchef Rummenigge. Wo sind die Werder-Pferde?

Pizarro: Die meisten Pferde habe ich gekauft, als ich in München war. Deshalb die Bayern-Namen. Aber ich hatte auch einen Jürgen für Jürgen Born (Ex-Werder-Chef).

War Jürgen erfolgreich?

Pizarro: Ich meine, er hat mehr Rennen gewonnen als Karl-Heinz (lacht). Aber ich hatte auch einen Franz Beck und einen Klaus für Klaus Allofs.

Welche Namen würden Sie jetzt vergeben. Skripnik, Eichin?

Pizarro: Ich kaufe jetzt nicht mehr, sondern züchte und verkaufe. Die Pferde bekommen dann sowieso neue Namen, also lasse ich es.

Pep wäre auch ein guter Name für ein Pferd. Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Ex-Trainer beim FC Bayern?

Pizarro: Sehr gut. Ich habe mit vielen guten Trainern zusammengearbeitet, aber für mich ist er der beste der Welt.

Wieso?

Pizarro: Es ist natürlich meine ganz persönliche Meinung. Guardiola hat die gleiche Idee vom Fußball wie ich: Viele Ballkontakte, viel Fußball spielen lassen und im richtigen Moment die Attacke setzen.

Claudio Pizarro im Interview: "War damals nicht in bester Form"

Sie haben in Ihrer letzten Bayern-Saison unter Guardiola kaum gespielt. Tragen Sie ihm das nach?

Pizarro: Nein, natürlich nicht. Ich war damals nicht in meiner besten Form. Und wenn man nicht gut ist, dann spielt man nicht in einer Mannschaft mit so vielen guten Spielern.

Aktuell sind Sie mit neun Toren der erfolgreichste Torjäger der Rückrunde – noch vor Lewandowski (acht), der in München meistens den Vorzug bekam. Jetzt weiß auch Guardiola, dass Sie es noch können.

Pizarro: Er wusste es schon immer, er hat es mir die ganze Zeit gesagt. Ich muss in München auch niemandem mehr etwas beweisen, die kennen mich doch alle.

So gut sogar, dass Arjen Robben offenbar Pizarro gerne wieder bei den Bayern sehen würde. Er sagte, das Team könne Sie noch ganz gut gebrauchen. Das geht runter wie Öl, oder?

Pizarro: Es freut mich sehr, dass er so denkt. Wir hatten ein sehr gutes Verhältnis in München, auch auf dem Platz. Aber jetzt bin ich bei Werder. Wichtig ist nur, dass wir am Samstag wieder eine gute Leistung zeigen und drei Punkte holen.

Sie spekulieren auf einen Sieg?

Pizarro: Das kann passieren. Auch wenn es schwierig ist. Das wissen wir auch. Aber es ist möglich.

Wie denn genau?

Pizarro: Die Mainzer haben es neulich doch gezeigt: Du musst defensiv sehr kompakt sein und dann schnelle Konter spielen. Das ist die einzige Möglichkeit, die Bayern zu schlagen. Wenn du aber wie sie nach vorne spielst, hast du eine große Chance, mit einer großen Kiste an Gegentoren wieder nach Hause zu fahren.

Noch vor zehn Tagen hätte jeder genau das prophezeit.

Pizarro: Da stand uns das Wasser noch bis zum Hals, wir hatten viele Schwierigkeiten. Aber dann haben wir zwei Siege eingefahren (jeweils 4:1 über Leverkusen und Hannover, de. Red.), jetzt ist das Selbstvertrauen wieder da. Das soll auch so bleiben, deshalb ist es wichtig, in München nicht zu verlieren.

Plaudern Sie doch mal aus dem Nähkästchen: Wie ist es bei den Bayern, wenn ein wichtiges Champions-League-Spiel wie das am Mittwoch bei Juventus Turin ansteht und vorher der Bundesliga-13. zu Besuch kommt. Wird dieses Spiel auch mal auf die leichte Schulter genommen?

Pizarro: Bewusst nicht. Aber unbewusst schon. Ich glaube auch nicht, dass die Bayern ihre Bestbesetzung aufbieten werden. Erst gegen Juventus brauchen sie alle Spieler.

Liegt darin eine Chance für ­Werder?

Pizarro: Ja, ich glaube schon.

Obwohl Werder auch auf die gesperrten Clemens Fritz und Zlatko Junuzovic verzichten muss?

Pizarro: Stimmt. Unsere Situation ist auch nicht optimal. Aber warten wir ab, was passiert.

Sind Sie überrascht, dass es bei Ihnen persönlich derzeit so phantastisch läuft?

Pizarro: Ehrlich: nein. Ich hatte im Winter eine Vorbereitung und habe mich sehr gut gefühlt. Ich wusste: Wenn ein paar Tore gelingen, dann kommen viele hinterher. Jetzt bin ich in dieser Phase, und ich hoffe, dass sie noch lange anhält.

Ganz Bremen bejubelt sie, ganz Bremen rätselt aber auch, wie es nach Ablauf Ihres Vertrages am Saisonende weitergeht.

Pizarro: Es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt, darüber zu sprechen. Ich möchte mich jetzt auf meinen Job konzentrieren und dafür sorgen, dass mit Werder alles gut wird.

Wieso sollten Sie sich überhaupt noch mal verpflanzen.

Pizarro: In Bremen zu bleiben, ist natürlich eine Möglichkeit. Aber vielleicht ruft mich ja Pep Guardiola an und will mich zu Manchester City holen (lacht). Andererseits muss man dann auch bedenken, dass ich dort mit 37 sicher nicht so viel spielen würde wie bei Werder. Ich muss eben viele Dinge überlegen. Es ist nicht so einfach zu sagen: Ich werde gehen, ich werde bleiben. Ich weiß es einfach nicht.

Guardiola? Manchester?

Pizarro  (hebt abwehrend die Hände): Es war doch nur ein Beispiel. Es kann so viel passieren. Plötzlich ist man Sportdirektor. Oder Red Bull New York kommt an – oder ein Klub aus Katar und sagt: Komm her, spiel bei uns – und danach wirst du Sportdirektor.

Claudio Pizarro im Interview: "Lederhosn? Hab ich noch!"

Andere Profis in Ihrem Alter haben diesen Schritt längst vollzogen. Sie nicht. Wieso?

Pizarro: Ich habe eigentlich noch zu viel Spaß am Fußball. Deswegen ist das momentan kein Thema für mich.

Gilt eigentlich noch, dass Sie nach dem Ende Ihrer aktiven Karriere mit Ihrer Familie in München leben werden?

Pizarro: Ja, das haben wir so entschieden. Obwohl…

Obwohl was?

Pizarro: Ich will ja weiter im Fußball arbeiten. Dann muss man flexibel sein und dorthin ziehen, woher das Angebot kommt.

Was möchten Sie machen: Trainer, ­Manager, Spielerberater?

Pizarro: Ich habe zwar immer gesagt, dass ich kein Trainer sein möchte. Aber jetzt sage ich: Es kann sein. Wenn etwas Besonderes für mich käme, würde ich überlegen. Und Manager? Kann sein. Spielerberater? Glaube ich nicht.

Zurück zum Wochenende: Sie könnten Ihr 101. Bundesliga-Tor für Werder machen und damit den Vereinsrekord von Marco Bode brechen – das ausgerechnet in München. Würden Sie jubeln?

Pizarro: Ich würde nicht zögern, zu treffen. Das ist mein Job. Aber ich könnte nicht jubeln wie sonst. Dafür ist der Respekt vor dem FC Bayern zu groß – es ist schließlich einer meiner Lieblingsvereine.

Haben Sie eigentlich noch eine Lederhosn im Schrank?

Pizarro: Ja, viele. Aber die trage ich nur auf dem Oktoberfest.

Nicht in Bremen?

Pizarro: Nein, besser nicht.

Interview: Carsten Sander 

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