Der Bayern-Coach und die Mediziner

Kommentar: Guardiolas Grenzen der Menschlichkeit

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Merkur-Autorin Hanna Schmalenbach

München - Man hat bei Pep Guardiola Menschlichkeit vermisst – nicht nur als Mediziner, meint Merkur-Autorin Hanna Schmalenbach und zieht ihre Bilanz zum Bayern-Coach.

Ja, vielleicht haben einige geglaubt, dass es besser werden würde, wenn anstatt einer Koryphäe wie Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ein No Name wie Volker Braun die Geschäfte führt. Aber es ist vollkommen egal, ob der Mann mit dem wallenden Haar und dem federnden Schritt zu den Spielern aufs Feld sprintet oder eben der mit vergleichsweise lichtem Haar und durchschnittlicher Renn-Geschwindigkeit. Pep Guardiola verfährt in seinem Urteil Personen-unabhängig. Ganz einfach (und überspitzt gesagt): Jeder, der seinen Erfolg gefährdet, liegt falsch. Es muss einen Weg geben.

Ein Grundsatz, der leicht zu verstehen ist und in Guardiolas Zeit beim FC Barcelona auch respektiert wurde. In München jedoch ist eine Klub-Trainer-Symbiose vor allem deshalb nie zustande gekommen, weil sich nicht alle unterworfen haben. Es wurde viel gemacht für den Trainer, mehr als es dem ein oder anderen internen Beobachter als gut erschien. Aber die Mediziner sind stur geblieben. Streit für Streit.

Das Unmögliche möglich machen

Grenzen des menschlichen Körpers kann man nicht missachten, selbst dann nicht, wenn einem einen Mann wie Guardiola im Nacken sitzt. Einer, der es als Sport ansieht, Prognosen über mögliche Ausfallzeiten stets so weit wie möglich zu unterbieten. Das ist sein Verständnis von akribischer Arbeit. Das Unmögliche möglich machen. Dieser Linie ist er in München treu geblieben. Weil sie ist ohne Frage eine ist, die man wählen kann, um im Weltfußball Erfolg zu haben. Aber – und das sieht man im Endspurt immer deutlicher – sie war nie die richtige für den FC Bayern. Dem Klub, bei dem eigene Identität als höchstes Gut gilt.

Man wird Guardiola noch lange bewundern für den attraktiven Fußball, den er so oft hat spielen lassen. Für taktische Raffinessen. Und man muss ihn auch nicht als gescheitert ansehen, weil ihm der ganz große Triumph nicht hat gelingen wollen. Trotzdem werden ihm die wenigsten nachweinen. Herzen hat er in München kaum berührt, weder bei Mitarbeitern (wie den stets über mangelnde Kommunikation klagenden Physios) noch bei seinen Spielern (die von seinem Wechsel aus der Presse erfuhren). Man hat Menschlichkeit vermisst – nicht nur als Mediziner.

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