Bayern-Boss Rummenigge

"Manchmal gibt es bei Bayern München ein Wunder"

Karl-Heinz Rummenigge
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Karl-Heinz Rummenigge will nicht lamentieren, dem FC Bayern hilft nur noch ein Fußball-Wunder.

Barcelona - Für Bayern München ist nach dem 0:3 beim FC Barcelona der Traum vom Finale in Berlin fast schon geplatzt. An ein Fußball-Wunder glaubt keiner so richtig.

Pep Guardiola hatte Tochter Maria an der Hand und die ganze Familie an seiner Seite, als er am Donnerstagnachmittag mit einem gequälten Lächeln den Münchner Flughafen verließ. Der Trainer des FC Bayern hatte Trost und Unterstützung nötig, nachdem das Rendezvous mit seiner „alten Liebe“ völlig missglückt war und er ausgerechnet in seiner Heimat einen der bittersten Momente seiner Karriere erlebt hatte. Das denkwürdige 0:3 (0:0) beim FC Barcelona hatte jedoch nicht nur Guardiola, sondern den ganzen FC Bayern ins Mark getroffen.

An eine Sternstunde am kommenden Dienstag (20.45 Uhr/Sky und ZDF) beim Rückspiel in München wollte nach der Gala des überragenden Lionel Messi keiner mehr so recht glauben - auch wenn Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge bei seiner obligatorischen Bankettrede trotz einer schlimmen 17-Minuten-Lektion verzweifelt bemüht war, mit Blick auf das ersehnte Finale in Berlin am 6. Juni Zuversicht zu verbreiten.

„Es hilft kein lamentieren, wir haben noch ein Spiel und wir heißen Bayern München - und manchmal gibt es bei Bayern München so etwas wie ein Fußball-Wunder“, sagte der Bayern-Boss kurz nach Mitternacht - und rund 500 Edelfans applaudierten im „Salon Catalunya“ des noblen Hotels Princessa Sofia in Barcelona spontan. Die Blicke der frustrierten Spieler gingen dabei ins Leere.

Die Bayern klammerten sich nach der höchsten Auswärtspleite in der Champions League seit dem 0:4 im April 2009, damals auch im Camp Nou, an den letzten Strohhalm und vor allem an das Viertelfinale gegen den FC Porto. „Unser letzter Tropfen Hoffnung ist Porto“, meinte der tief enttäuschte Torhüter Manuel Neuer.

Der überragende Weltmeister hatte nach einigen Weltklasse-Paraden am Ende auch nichts mehr gegen den genialen Messi ausrichten können, der in der 77. und 80. Minute traf und das 3:0 durch Neymar (90.+4) vorbereitete. Dennoch schob er tapfer hinterher: „Sag niemals nie!“ Gegen Porto hatten die Bayern einem 1: 3 eine 6:1-Gala in der Allianz Arena folgen lassen.

Barcelona mit dem 111-Tore-Wundersturm Messi, Luis Suarez und Neymar sei zwar „eine andere Qualität“, merkte Rummenigge an, „aber auch gegen Porto waren nicht viele Optimisten im Stadion. Wir haben die Verpflichtung, noch mal alles zu geben. Ich weiß nicht, ob es reicht. Aber wir sind stolz und werden noch einmal alles reinlegen.` Im Moment deutet allerdings alles auf eine ähnliche Pleite hin wie im Vorjahr im Halbfinale gegen Real Madrid (0:1/0:4).

Erst einmal überhaupt gelang es einer Mannschaft in der Königsklasse, einen derartigen Rückstand noch zu drehen: 2004 gewann La Coruna nach einem 1:4 beim AC Mailand daheim noch 4:0. `Das Ding noch zu drehen, wäre eine Sensation“, betonte deshalb auch Thomas Müller.

Zumal die Bayern im Camp Nou zwar bis zum Rückstand „heldenhaft verteidigten“ (Rummenigge), ansonsten aber ohne die verletzten Superstars Arjen Robben und Franck Ribery, die auch am Dienstag fehlen werden, herzlich wenig zu bieten hatten. Vor allem das Mittelfeld um die Auslaufmodelle Xabi Alonso und Bastian Schweinsteiger bekam das Geschehen nicht in den Griff. Guardiola fehlen aber die Alternativen.

Zudem hinterließ die Schlussphase, in der der FC Bayern wie eine Schülermannschaft auftrat, tiefe Spuren. „Man muss das als Mannschaft weiter verteidigen und darf sich nicht so auflösen“, sagte Jerome Boateng, den Messi beim 0:2 vorgeführt hatte. Sportvorstand Matthias Sammer ärgerte vor allem, „dass es nicht das erste Mal passiert ist. Wir haben es gegen Porto und gegen Dortmund gehabt. Da müssen wir uns cleverer und ruhiger anstellen.“

Guardiola ist stolz auf seine Spieler

Sammer wollte trotzdem „keine Kritik an die Mannschaft“ richten: „Das hat sie nicht verdient.“ Selbst Guardiola behauptete eisern, „sehr stolz“ auf seine Spieler zu sein. „Wir hatten in den letzten Monaten viele Probleme, aber wir haben es trotzdem geschafft, ins Halbfinale vorzudringen und hervorragende Spiele auf hohem Niveau zu spielen. Ich kann meinen Spielern wirklich keinen Vorwurf machen - im Gegenteil: sie bekommen ein ganz, ganz dickes Lob.“

Es klang schon wie das Fazit auf eine Saison, die statt des erträumten Triples nach dem Aus im DFB-Pokal wohl „nur“ die deutsche Meisterschaft einbringt. Doch noch steht das Halbfinal-Rückspiel an.

Während Sammer „im Fußball immer an alles glaubt“, aber in Barcelona nicht bereit war, „irgendwelche Parolen rauszuhauen“, versprach Kapitän Philipp Lahm zumindest, „dass die Mannschaft alles daran setzt, das Spiel zu gewinnen.“

Auch ein Rezept hatte sich der Weltmeister unmittelbar nach Spielschluss schon zurecht gelegt. „Eins ist klar: Wir dürfen nicht alles nach vorne werfen, sonst werden wir so ausgekontert wie hier. Es ist wieder alles auf Null.“ Naja, nicht ganz.

SID

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