Bayern-Trainer

Nach dem Hertha-Spiel geht Ancelotti aufs Oktoberfest

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Am Donnerstag geht Carlo Ancelotti mit seinem Trainerstab gemütlich auf die Wiesn.

München - Spitzenspiel, genesene Profis, Wiesn-Besuch: Die Perspektiven für den FC Bayern München sind vielversprechend.

Einige der typischen Debatten, die ein Trainer des FC Bayern überstehen muss, hat Carlo Ancelotti schon hinter sich. Da wäre das Sprachthema. Seit Giovanni Trapattonis Zeiten an der Säbener Straße weiß man um die Tücken des deutschen und speziell des bayerischen Zungenschlages. Pep Guardiola hat früh mit Vokabelbüffeln angefangen, doch irgendwann hatte man den Eindruck, dass die Lernkurve dramatisch abflachte.

Bei Ancelotti hat sich nun ein Muster entwickelt. Die ersten paar Fragen auf Pressekonferenzen beantwortet er in sehr passablem Deutsch, dann gleitet er hinüber ins Englische. Seinem Dolmetscher ergeht es wie Manuel Neuer im Bayern-Tor. Oft wird er nicht gefordert. Aber wenn es so weit ist, kann man sich auf ihn verlassen.

Auch die Wiesndebatte hat der Trainer souverän und charmant gemeistert. Vor einigen Tagen berichtete er von seiner feucht-fröhlichen Premiere und gestand bei dieser Gelegenheit, dass ihm Rotwein mehr munde als Bier. Eine Prognose, wieviele Mass er sich unfallfrei genehmigen könne, lehnte er ab, aber „ein paar Flaschen“ Roten vertrage er als bekennender Genussmensch schon.

Nun bricht beim FC Bayern langsam die Zeit an für die gute, alte Dominanzdebatte. Unter Ancelotti sind die Münchner ja ähnlich unangefochten wie unter Guardiola, sie haben neun Punkte aus drei Liga-Partien geholt und in insgesamt fünf Pflichtspielen nicht mehr als ein Gegentörchen kassiert. Am Mittwochabend kommt das punktgleiche Hertha BSC Berlin in die Arena, auf dem Papier ist es das Duell zwischen den beiden besten Teams. Werden die unbesiegbaren Bayern nun also ernsthaft geprüft?

Ancelotti: FC Bayern muss gegen Hertha „100 Prozent“ liefern

Ancelotti wäre ein schlechter Trainer, wenn er die Gelegenheit, gut über die Hertha zu sprechen, nicht nutzen würde. Den 2:0-Sieg gegen Schalke 04 hat er am Sonntag vor dem Fernseher verfolgt (und dafür auf einen Wiesn-Besuch verzichtet). Sein Lob kommt so flott und schnörkellos wie ein Angriff über Franck Ribery: „Sie sind dynamisch, kompakt, aggressiv, spielen schnell nach vorne und haben eine gute individuelle Qualität.“ Eine Überraschung, darauf legt Ancelotti Wert, ist der Berliner Siegeszug nicht. Seine Mannschaft müsse gegen die Hertha „100 Prozent“ liefern.

Abgesehen davon, dass Lob und Warnung vollkommen berechtigt sind: So sprechen Trainer, wenn die Spannung gehalten werden muss, und das muss sie bei den Bayern ja eigentlich ständig. Sie befinden sich gerade mitten in einer Serie aus englischen Wochen. Weil in diesen Zeiten die Beine schon mal schwer werden können und das Immunsystem im Frühherbst auch nicht immer das Stabilste ist, hat Ancelotti gute Gründe, die Sinne seiner Mannschaft zu schärfen. Wie schnell etwas passieren kann, hat er am vergangenen Samstag gesehen.

Das Spiel gegen den FC Ingolstadt war eines von der seltenen Sorte, die für den Rekordmeister auch mal mit einem Punktverlust enden kann, manchmal sogar einem dreifachen. Zur allgemein fahrigen und wenig strukturierten Vorstellung kam erschwerend hinzu, dass mehrere Stammspieler wegen Infekten fehlten, die um diese Jahreszeit eben vorkommen. Als Erster kehrte zu Wochenbeginn nun Thomas Müller ins Mannschaftstraining zurück, gestern folgten Philipp Lahm, David Alaba und Mats Hummels.

Die ganz große Entspannung muss das noch nicht bedeuten. Müller wird zwar wieder fit sein und seinen Platz zurückerhalten, bei dem anderen Trio aber hütet sich Ancelotti davor, sich auf einen Einsatz festzulegen. Im Gegenteil: Hummels, der anders als die Magen-Darm-Patienten unter einer Erkältung litt, wird gegen die Hertha definitiv erst mal auf der Bank sitzen. Jerome Boateng sei nach seinem Kurzauftritt gegen Ingolstadt „in guter Verfassung“, berichtet sein Trainer. Bedeutet: „Er beginnt.“ Später wird dann Hummels unverzichtbar sein, denn Boateng hat bereits klargestellt: „90 Minuten schaffe ich noch nicht.“ Für Arjen Robben gilt das Gleiche. Den Flügelstürmer will der Trainer nach der Pause einwechseln: „45 Minuten, vielleicht auch nur 30.“

Das plant Ancelotti füs Wochenende

In seiner kurzen Zeit in München hat Ancelotti mit seinen verbindlichen Aussagen zu Aufstellungen schon für allerhand Aufsehen gesorgt. So viel Transparenz kannte man von Pep Guardiola nicht. Auch die Pläne fürs Wochenende zeichnen sich bereits ab. Während am Mittwichabend Boateng und Javi Martinez die Innenverteidigung bilden, wird am Samstag in Hamburg Mats Hummels in die Startelf zurückkehren.

Weil selbst Holger Badstuber, der fast vergessene Klasseverteidiger, in zwei Wochen ins Mannschaftstraining einsteigt und Douglas Costa schon früher so weit ist, haben die Bayern schon bald die volle Auswahl. Es sind ziemlich erfreuliche Perspektiven für Carlo Ancelotti, trotz der Wetterkapriolen und der Virus-Turbulenzen. Und es kommt ja noch besser: Am Donnerstag, auch das hat er bereitwillig erzählt, geht er mit seinem Trainerstab gemütlich auf die Wiesn.

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