Zum 65. Geburtstag des Markenbotschafters

Breitner im tz-Interview: "So lange will ich noch aktiv sein"

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Erfolgreich als Spieler wie als Funktionär: Paul Breitner durfte in fast 65 Jahren schon so einige Trophäen stemmen.

München - Paul Breitner wird 65! Die Feier der FCB-Legende wird nicht so groß ausfallen. Dafür hat er mit den Roten noch eine Menge vor.

Disziplin, Verantwortung und Fleiß. Tugenden, die Paul Breitner immer ausgezeichnet haben. Und da macht der Weltmeister von 1974 keine Ausnahme. Auch nicht an seinem Geburtstag. Wenn der ehemalige Star und heutige Markenbotschafter des FC Bayern am Montag seinen 65. Geburtstag feiert, sieht er sich nicht im Mittelpunkt. Mittags wird er - wie jeden Montag, sofern er nicht für den FCB auf Reisen ist - an der Essensausgabe der Münchner Tafel stehen und Bedürftigen helfen. Danach wird gefeiert. Davor gab Breitner der tz ein Geburtstags-Interview.

Herr Breitner, am Montag werden Sie 65 Jahre alt. Wie feiern Sie?

Paul Breitner: So wie jeden anderen auch. Im Kreise der Familie, soweit sie am Montag zur Verfügung steht. Das halten wir bei den Geburtstagen unserer Kinder und Enkel auch so. Vielleicht kommen noch ein paar Freunde dazu, das war es dann aber auch.

Nicht wenige Arbeitnehmer gehen mit 65 in Rente. Bei Ihnen undenkbar, oder?

Breitner: Solange ich noch mobil bin und geistig funktioniere, werde ich auch aktiv sein und arbeiten. So, wie ich es jetzt als Markenbotschafter für den FC Bayern tue. Wenn das irgendwann nicht mehr geht, werde ich das akzeptieren müssen. Aber bis dahin werde ich noch weiter unterwegs sein. Nur zu Hause rumsitzen, das ist nicht mein Ding.

Und so alt sind Sie ja auch noch gar nicht...

Breitner (lacht): Das sagen Sie. Als ich damals noch ein Kind war, da war ein 65-Jähriger schon uralt. Aber ich kann damit umgehen und sage Ihnen auch warum. Ich wollte schon als 40-Jährige nicht mehr noch einmal 20 oder 30 sein. Dann hätte ich irgendwas versäumt. Aber das habe ich nicht. Bis hierher hatte ich ein wunderbares Leben. Und ich genieße es, 65 zu werden. Und soweit ich das selbst beurteilen kann, fühle ich mich noch gut und fit.

Aber als 25-Jähriger und mit Ihrer fußballerischen Klasse würden Sie heute ein Vielfaches verdienen.

Breitner: Das wurde zu meiner aktiven Zeit den Spielern aus den 50er- und 60er-Jahren genauso gesagt. Und die heutige Generation wird das in 15, 20 Jahren wohl auch zu hören bekommen. Daran wird sich nichts ändern. Aber ich habe nie daran gedacht, meine Fußball-Karriere in einer anderen Zeit gehabt zu haben. Die war wunderbar, genauso wie alles andere.

Die Spieler waren selbstständiger, die Vereine nicht von Marketing getrieben...

Breitner: Ja, aber was bei diesen Vergleichen von früher und heute meist zu kurz kommt, ist eines: Es war auch damals alles zeitgemäß. Das vergessen viele Leute. Deshalb gefällt es mir nicht, wenn immer alles als modern beschrieben wird. Zeitgemäß trifft es viel besser. Ich habe meinen Beruf als Profi-Fußballer in zeitgemäß optimalen Verhältnissen spielen können. Heute sind die zeitgemäßen Umstände andere. Ein zeitgemäßes Auto sieht auch anders aus als vor 40 Jahren.

Wie sehr bestimmt der Fußball heute noch Ihr Leben?

Breitner: Fußball wird mein Leben mitbeherrschen - bis zum letzten Atemzug. Früher kam mir mal die Idee, dass ich nach meinem Karriereende für zwei, drei Jahre aus der Öffentlichkeit verschwinde, um anschließend ein relativ normales Leben führen zu können. Als ich meiner Frau Hildegard von diesem Plan erzählte, schaute sie mich ungläubig an und fragte, ob ich in eine Höhle gehen wolle und mich danach etwa niemand mehr erkennen würde. "Spinnst du?", waren damals ihre Worte, glaube ich. Und dann habe ich ziemlich schnell eingesehen, dass sie recht hat. Es war ein kluger Einspruch meiner Frau. Auch wenn ich älter werde, wissen die Leute, was ich früher gemacht habe. Ich weiß, dass ich in erster Linie als Fußballer gesehen werde. Und das ist gut so.

Weiß Ihre Frau, was Geschenke angeht, auch so gut Bescheid?

Breitner: Nein. Wir kennen uns jetzt seit fast 50 Jahren, aber wir haben uns nie speziell zum Geburtstag etwas geschenkt. Wenn meine Frau mir etwas schenken will, darf sie es heute machen oder morgen. Oder auch im nächsten Monat, jederzeit. Und wenn ich ihr etwas schenken möchte, kann ich das auch völlig losgelöst und unabhängig von irgendeinem Datum machen. Bei unseren Kindern und unseren Enkeln machen wir da natürlich Ausnahmen (lacht).

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Interview: Sven Westerschulze

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