Lob für Rummenigges Verhandlungsgeschick

Lahm gegen Superliga: "Zum Fußball gehören solche Spiele dazu"

+
Klares Nein zur Superliga: Philipp Lahm will weiter gegen Teams wie den FK Rostow spielen.

München - Philipp Lahm positioniert sich klar zum Thema Superliga. Für den Kapitän des FC Bayern kommt das mittlerweile öffentlich diskutierte Modell so nicht in Frage.

Es war eher der Kampf David gegen Goliath, nicht das Duell zweier Champions. Ebenso eindeutig wie das Ergebnis beim 5:0-Sieg des FC Bayern zum Auftakt der Königsklasse gegen den FK Rostow war auch der Spielverlauf. Die Münchner kümmerten sich um den Fußball, die Russen ums Handwerk. Mauern war angesagt. Es sind Partien wie diese, die die Verantwortlichen der großen Klubs - neben der Verlockung des Geldes - über eine eigene Liga, eine Art Superliga, nachdenken lassen.

Mehr Topspiele, größere Spannung, bessere Vermarktung. Doch mit der jüngsten UEFA-Reform ab der Saison 2018/19 sind diese Gedankenspiele vorerst vom Tisch. Und wenn es nach dem Kapitän des FC Bayern geht, sollten sie auch nicht wieder hervorgeholt werden. "Ich denke, es ist wichtig, dass es Spiele wie diese gibt", sagte Philipp Lahm nach dem klaren Erfolg der Roten über den russischen Vertreter. "Das gehört zum Fußball dazu."

Bilder und Noten: Einmal die Eins, sechsmal die Zwei

Vier feste Startplätze für die Topländer

Die neuen Rahmenbedingungen für die UEFA-Klubwettbewerbe ab der übernächsten Saison hatten in der vergangenen Woche für mächtig Wirbel gesorgt. Die vier europäischen Topligen erhalten jeweils vier feste Startplätze in der Königsklasse, die künftig auch deutlich mehr Geld generieren wird als bisher. Profiteure der neuen Regelung sind in erster Linie die großen Vereine wie der FCB, die ihre jährlichen Einnahmen aus der Champions League bald auf rund 100 Millionen Euro verdoppeln können.

Vor allem FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge musste dafür als Vorsitzender der Klub-Vereinigung ECA, die als treibende Kraft der Reform gilt, viel Kritik einstecken. In der Sport Bild antwortete er am Mittwoch aber gelassen: "Kritik stellt grundsätzlich kein Problem dar."

Kleinere Vereine und die EPFL, der Verband europäischer professioneller Fußballligen, fühlen sich benachteiligt und fürchten eine Zwei-Klassen-Gesellschaft - obwohl auch sie durch die höheren Einnahmen profitieren. Auch bei den FCB-Fans stößt die Reform nicht auf volle Zustimmung, wie gegen Rostow zu sehen war. Sie bezeichneten die Lösung auf einem Banner als "Überleben der Reichsten".

Pressestimmen: "Genussvoll durch die blaue Hecke"

Superliga durch Reform abgewendet

Karl-Heinz Rummenigge.

Was bei der Diskussion aber nicht vergessen werden darf: Durch die neue Reform wurde die Gründung einer Superliga (vorerst) abgewendet. "Der UEFA und der ECA ist ein Kompromiss gelungen, der eine noch gravierendere Umverteilung verhindert hat", sprang zuletzt auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke dem FCB-Boss zur Seite. Der sagte über den Beschluss: "Es ist eine Evolution, die dafür sorgt, dass der europäische Vereinsfußball weiter geschlossen zusammensteht."

Auch die Meister aus den kleinen Fußballländern können künftig weiter im Konzert der Großen mitspielen, nur der Weg dahin gestaltet sich dann schwieriger. Für Lahm aber eine wichtige Entscheidung. "Ich glaube, dass es das richtige Zeichen ist", lobt der 32-Jährige seinen Boss für dessen Verhandlungsgeschick. "Alle Mannschaften sollten die Möglichkeit haben, dabei zu sein. Ob sie sich auch qualifizieren, ist wieder etwas anderes. Aber die Gelegenheit muss gegeben sein", betont der CL-Sieger von 2013.

Von einer Superliga hält er dagegen gar nichts. "Dass nur noch ein paar Mannschaften in einer Liga zusammen spielen und der Rest sich um irgendetwas anderes streiten kann - das ist nicht mein Verständnis von Fußball." Auch mit Rummenigge hat er sich ausgetauscht. Lahm: "Wir haben da kurz drüber gesprochen, aber nicht ausgiebig."

WhatsApp-News zum FC Bayern gratis aufs Handy: tz.de bietet einen besonderen Service für FCB-Fans an. Sie bekommen regelmäßig die neuesten Nachrichten zu den Roten direkt per WhatsApp auf Ihr Smartphone. Und das kostenlos: Hier anmelden!

Sven Westerschulze, Manuel Bonke

Mehr zum Thema:

auch interessant

Meistgelesen

Arjen Robben gesteht: „Ich war froh, dass er drin war“
Arjen Robben gesteht: „Ich war froh, dass er drin war“
FCB ohne Chef-Stratege nach Mainz - Vidal dabei
FCB ohne Chef-Stratege nach Mainz - Vidal dabei
RB Leipzig? Hoeneß sendet Kampfansage
RB Leipzig? Hoeneß sendet Kampfansage
Schimmel-Streit: Bayern-Star beim Hauskauf belogen?
Schimmel-Streit: Bayern-Star beim Hauskauf belogen?

Kommentare