Franzose watscht Guardiola ab

Franck Ribéry verkörpert die Anarchie bei den Bayern

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Auch im zehnten Jahr bei Bayern mit der 7 verwachsen: Ribéry will sich für eine Vertragsverlängerung empfehlen.

München - Der Franzose braucht die väterliche Ansprache – deshalb zieht er Ancelotti Guardiola vor. Jedes Wort in Chicago, das ein Lob für den Italiener war, war auch eine Kritik an Guardiola.

Um zu erkennen, dass Franck Ribéry auch im fortgeschrittenen Fußballeralter von nun 33 Jahren in seinem Inneren noch immer ein Kindskopf ist, reicht in diesen Tagen in Chicago bereits ein flüchtiger Blick. Er hat sich die Schläfen raspelkurz scheren lassen, und dort, wo Menschen wie Bastian Schweinsteiger langsam ergrauen, bilden ein paar akkurat getrimmte Haar-Reste nun eine stilisierte „7“. Bisschen kindisch, so ein Look. Aber Filou kann’s tragen.

Zumal die Zahl sieben mehr als nur die Nummer darstellt, die Ribéry nun in sein zehntes Dienstjahr beim FC Bayern trägt. Die „Zehn“ wäre in diesem Zusammenhang übrigens auch eine Option gewesen, denn eine Dekade für den deutschen Rekordmeister aufzulaufen, das ist an sich schon eine Größe. Aber Ribéry war nie eine „Zehn“, wollte er auch nie sein. „Die Sieben, das ist meine Welt“, sagt er. Zehner waren stets aufs Zentrum spezialisiert, ihre Stelle wurde im modernen Fußball eigentlich gestrichen, um sie auf Achter und Sechser umzuverteilen. Die „Sieben“ steht noch immer für die Anarchie des Sports. Ribéry verkörpert das.

Auf dem Platz ein Kindskopf

Er ist ja auch auf dem Platz ein Kindskopf, und in seinen Augen macht ihn genau das stark. Er brauche niemanden, der ihm auf einer Taktiktafel permanent Laufwege aufzeige, sagte er in Chicago. Es war ein kaum verhülltes Nachtreten gegen den detailverliebten ehemaligen Coach Pep Guardiola. Schon mit Louis van Gaal, der ebenfalls gerne den Lehrmeister gibt, nur noch vangaaliger, hatte Ribéry seine Probleme. Auch mit Guardiola fand er keinen gemeinsamen Nenner. Im Verein heißt es, Männer wie er wären für den großväterlichen Vorgänger Jupp Heynckes bis zum Kilimandscharo gerannt. Für Guardiola ging Ribéry die Wege, die der Coach ihm zuteilte. Keinen Meter mehr.

Ribéry braucht eine väterliche Ansprache, und in Carlo Ancelotti hat er nun wieder einen Vorgesetzten, der nach seinem Geschmack ist. Jedes Wort in Chicago, das ein Lob für den Italiener war, war auch eine Kritik an Guardiola. Und Ribéry erzählte auch, er erinnere sich gerne an die Zeiten unter Heynckes oder Ottmar Hitzfeld: „Da hast du mal einen Klaps bekommen, das war Kommunikation.“

Ribéry möchte bei Bayern bleiben

Ribéry steht vor einem besonderen Jahr. Sein Vertrag läuft aus. Diese Konstellation, sich für eine Weiterführung empfehlen zu müssen, ist neu für den Mann, den die Münchner seit seinem Dienstantritt aufgrund seiner Extraklasse stets besonders hofiert haben. Er möchte bleiben, das ist kein Geheimnis („ich hatte meine schönste Zeit hier“), aber in Kingsley Coman und Douglas Costa steht die nächste Generation bereit. Freilich muss die erst beweisen, ob sie wirklich von Format ist.

Beim Test gegen den AC Mailand (3:4 im Elfmeterschießen) zeigte der Franzose jedenfalls schon mal, dass er seine gute Form aus der Rückrunde mitgenommen hat. „Er war einer der Besten“, lobte Ancelotti den Mittelfeldmann, der das 1:1 und das 3:3 (per Foulelfmeter, zudem traf noch David Alaba) erzielt hatte.

"Es ist schön, dass er jetzt nachgekommen ist"

Der Coach wollte ihn einst schon zu Chelsea holen, die beiden haben darüber geflachst, als der 57-Jährige nun in München anfing. „Ich habe mich entschuldigt, dass ich damals hier noch etwas zu tun hatte“, witzelte Ribéry, „aber es ist ja schön, dass er jetzt nachgekommen ist. Ich habe eine gute Beziehung zu ihm.“ Für Heynckes und Hitzfeld „habe ich immer alles gegeben, immer gekämpft“. Für Ancelotti könnte es wieder so sein. Sieben Tage, sieben Nächte, immer. Alles Kopfsache.

Die „Sieben“ wird da obenauf jeden Fall bis auf Weiteres stehen bleiben, sagt Ribéry. Eigentlich war es nur eine Blödelei im Urlaub mit seinem Sohn, der nun den gleichen Look trägt. „Aber ich lasse das jetzt einmal so – so bin ich süßer“, sagte er und lachte laut. Kindskopf.

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