Verletzter Superstar

Robben im Merkur-Interview über die neuen Bayern, seine Reha und die CL

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„Wenn es noch vier Wochen dauert, ist es eben so“: Arjen Robben.

München - Arjen Robben spricht im Merkur-Interview über die neuen Bayern, seine Reha, die Champions League und das Schicksal.

Arjen Robben (32) muss sich mal wieder in Geduld üben, während seine Bayern-Kollegen unmittelbar vor dem Saisonstart stehen. Der Niederländer erlitt gleich im ersten Testspiel in der Vorbereitung eine Adduktorenverletzung. Seit zehn Tagen ist er im Lauftraining, aber es dauert noch, ehe der Niederländer wieder ganz fit ist. Im Interview spricht er über seine Ziele und seine neue Gelassenheit in Reha-Zeiten.

Herr Robben, auf Bayerns PR-Trip in den USA sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, er habe mit Ihnen im Krankenstand zuhause telefoniert – Sie würden ungeduldig herumlaufen „wie der Tiger von Eschnapur“. Nun startet die Saison ohne Sie. Wie ungeduldig sind Sie?

Es ist das Schlimmste, was es gibt: Verletzt zu sein und nicht bei der Mannschaft sein zu können. Die Verletzung war ein Schock. Gleich im ersten Freundschaftsspiel so ein Nackenschlag – damit hatte ich nicht gerechnet. Ich hatte den Sommer über für mich selber viel trainiert, war eigentlich topfit, als wir wieder angefangen haben. Und dann passiert so etwas. Aber es ist nun so, und vielleicht ist das Schicksal. Ich sehe das als Chance, jetzt noch einmal alles genau zu analysieren, anzuschauen, zu perfektionieren. Es gibt immer Dinge, die man verbessern kann.

„Es geht mir darum, gesund zu bleiben“

Sie klingen gar nicht so ungeduldig . . .

Ich bin nicht ungeduldig, das darf ich nicht sein, das bringt nichts. Die Reha dauert jetzt fünf Wochen, und ich habe täglich ein besseres Gefühl. Ich bin in besten Händen, das weiß ich, und ich trainiere sehr konzentriert. Es geht mir nicht um Zeit. Wenn es drei Wochen bis zum Comeback dauert, sind es drei Wochen. Wenn es vier sind, sind es eben vier. Man muss sich sagen: Wenn es so kommt, dann ist es eben so. Die Saison ist noch sehr, sehr lange, wir hatten jetzt noch nicht einmal das erste Ligaspiel, und es steht auch nicht schon in drei Wochen das Halbfinale in der Champions League an.

Früher musste man Sie immer bremsen – haben Sie gelernt, die Reha ruhiger zu durchlaufen?

Es geht mir nicht darum, gesund zu werden – sondern darum, gesund zu bleiben. Es muss perfekt sein. Das heißt jetzt nicht, dass ich mir alle Zeit der Welt lasse. Aber es sollte nicht zu schnell gehen. Wenn es nicht gut ist, dann ist es nicht gut. Oder noch nicht gut genug. Mein Ziel ist ja, bis zur Winterpause durchzuspielen – und in der Rückrunde alles machen zu können.

Am Donnerstag steht die Auslosung der Champions League an. Müssen die anderen zittern vor einem Duell mit den Bayern?

Ach, ich weiß nicht. Wir sind in Topf 1 und sicher da eine dieser Mannschaften, die die anderen nicht so gerne zugelost bekommen. Aber ob sie jetzt Angst haben? Im Fußball freust du dich ja auch auf solche Top-Aufgaben. Wir stehen natürlich sehr gut da in Europa und gehen diesen Wettbewerb mit viel Selbstvertrauen an. Aber es geht für alle bei Null los. Wir freuen uns, bei mir kribbelt es da noch immer, auch nach so vielen Jahren, so eine Auslosung ist immer interessant. Mal sehen, welche drei wir bekommen. Ob sie dann zittern – mal schauen (lacht).

Sind die aktuellen Bayern das beste Team, in dem Sie je gespielt haben? Es kamen Weltmeister Mats Hummels und Europameister Renato Sanches hinzu, nennenswerte Abgänge gab es nicht.

Es ist immer schwer, so etwas zu vergleichen. Ich habe beim FC Bayern immer in tollen Mannschaften gespielt, und was soll man dann über das Team sagen, das das Triple geholt hat? Am Ende ist es im Sport doch so: Die Titel entscheiden darüber, ob du eine große Mannschaft hast. Über die Qualität in unserem Team brauchen wir nicht zu reden, die ist grandios. Aber wir wollen Titel holen. Das ist unser Maßstab, und erst, wenn wir sie geholt haben, können wir sagen: Wir sind groß.

Zum Saisonstart gegen Bremen fehlen Sie – aber was ist Ihre Meinung: Werder hat sich im Pokal bis auf die Knochen blamiert. Ist das nun gut oder schlecht für den FC Bayern?

Wir müssen immer auf uns selber schauen. Das Ziel ist, mit einem Sieg zu starten. Wir haben noch ein paar sehr wichtige Spieler, die erst spät von der EM gekommen sind – die deutschen Nationalspieler, dazu Sanches und Kingsley Coman. Wir sind noch nicht in Top-Verfassung.

„Wir brauchen noch ein paar Wochen“

Wie lange wird es dauern, bis man den wahren FC Bayern 2016/17 sieht?

Wir brauchen noch ein paar Wochen. Aber das darf keine Ausrede sein. Wir dürfen von Beginn an keine Schwäche zeigen. Die Konkurrenten – vor allem die Dortmunder – lauern auf unsere Fehler.

Letztes Jahr wurde ständig davon gesprochen, das große sei die vierte Meisterschaft in Serie. Diesmal wird nicht so plakativ die „5“ proklamiert. Hat die Champions League heuer Priorität?

Wir haben immer mehrere Ziele. Die muss man voneinander trennen. Natürlich ist die Champions League der große Traum von uns. Ich war mit Bayern drei Mal im Finale, seit ich hier bin . . .

 . . . wird mal wieder höchste Zeit mit dem Sieg?

(lacht) Das haben Sie gesagt. Aber ja, das ist das Ziel. Nur: Es wird nicht einfach.

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