Ex-Münchner kehrt in die Arena hoam

Wagner: "Man kann gegen die Bayern nicht mit etwas rechnen"

Sandro Wagner kehrt am Samstag mit dem SV Darmstadt 98 in die Allianz Arena zurück.
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Sandro Wagner kehrt am Samstag mit dem SV Darmstadt 98 in die Allianz Arena zurück.

München - Über zehn Jahre spielte Sandro Wagner in verschiedenen Jugendmannschaften des FC Bayern. Am Samstag kehrt er heim. Die tz traf ihn zum Interview.

Herr Wagner, es ist nicht Ihre erste Rückkehr nach München. Aber zum ersten Mal stehen Sie richtig im Fokus – ist das ein besonderes Gefühl? Ein schönes?

Wagner: Ich bin Bayer, ein Münchner Lokal-Patriot. Und für mich bedeutet Heimat extrem viel. Ich spiele immer sehr gern zu Hause – auch wenn ich, egal mit wem, meistens dort verloren habe (grinst).

2007 mit 19 Jahren Debüt beim FC Bayern, zwei Jahre später U21-Europameister mit zwei Treffern im Finale – warum erhielt die Karriere dann einen Knick?

Wagner: Das ist schwer zu sagen. Aber der Kreuzbandriss im Jahr 2009 hat mich schon ein Stück zurückgeworfen. Es war eine schwierige Zeit damals als junger Spieler nach so einer Verletzung. Aber ich schaue auch gar nicht mehr groß zurück und überlege, was hätte sein können. Ich bin ein positiver Mensch und richte meinen Blick viel lieber nach vorn.

Würden Sie im Nachgang etwas anders machen?

Wagner: Nein, überhaupt nichts. Jede Erfahrung in meinem Leben hat mich geprägt und mich zu dem Menschen gemacht, der ich jetzt bin. Ich bin glücklich. Ich habe eine tolle Familie mit zwei unglaublichen Kindern, habe sportlich gesehen mehr als 100 Bundesliga-Spiele gemacht, Champions League gespielt und gute Verträge in den vergangenen acht Jahren unterschrieben. Dazu habe ich noch richtig gute Jahre vor mir.

Vergangenen Sommer waren Sie bei Hertha BSC außen vor, jetzt explodieren Sie in Darmstadt förmlich! Können Sie uns erklären, wie das geht?

Wagner: Ja, das ist recht einfach. Ich habe einen Top-Trainer, bekomme das Vertrauen und spiele von Anfang an in einem guten Team. Das war‘s.

Wo Bayerns Top-Talente heute spielen

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Darmstadt wird von anderen Vereinen immer wieder für die Infrastruktur belächelt, wurde mit Mini-Etat vor der Saison als Absteiger Nr 1 gehandelt. Warum sind Sie trotzdem dorthin gewechselt? Wer/was hat Sie überzeugt?

Wagner: Ich hatte von Anfang an ein super Gefühl. Die Gespräche mit dem Trainerteam waren top, und ich wollte einfach nur wieder spielen. Bis jetzt ist alles super aufgegangen.

Spätestens seit dem 1. Spieltag unterschätzt keiner mehr den SVD – oder manchmal vielleicht doch?

Wagner: Weiß ich nicht. Aber ich denke, wenn uns noch jemand unterschätzen würde, wäre es vorsichtig ausgedrückt nicht das klügste (grinst).

Was macht Ihr Team so stark?

Wagner: Wir stehen defensiv gut, fungieren als Einheit auf dem Platz und sind deshalb schwer zu bespielen. Viele Spieler haben ein richtig gutes Niveau erreicht - und bilden ein echtes Team. Keiner nimmt sich wichtiger, als er ist. Und wir haben im Gegensatz zu anderen Mannschaften keinen Druck.

Was macht Sie so stark?

Wagner: Ich fühle mich körperlich sehr gut, bin gesund – also insgesamt in einer richtig guten Verfassung. Dazu kommt, dass der Trainer mir Vertrauen schenkt und ich mich im besten Fußballer-Alter befinde.

Ist es geil, für Darmstadt zu spielen? Es ist ja schon eine Erfolgsstory, die Sie und Ihr Team seit Saisonbeginn hinlegen…

Wagner: Definitiv, ja. Es macht Spaß in diesem Team. Weil es auch den gewissen Reiz ausmacht, mit diesen kleinen Mitteln den sogenannten großen Mannschaften Paroli zu bieten.

Was rechnen sich die Lilien sich am Samstag beim FC Bayern aus?

Wagner: Man kann gegen diese Bayern nicht unbedingt mit etwas rechnen. Sicher ist aber, dass wir keine Angst haben und voll dagegenhalten werden.

Gibt es noch Spieler/Verantwortliche beim FCB mit denen Sie in Kontakt stehen?

Wagner: Ich war mehr als zehn Jahre an der Säbener Straße, das prägt natürlich. Und ich hatte dort eine tolle Zeit und kenne noch den einen oder anderen Mitarbeiter. Mich interessiert heute noch sehr die Jugendabteilung, und mich freut es von ganzem Herzen, dass dort inzwischen Heiko Vogel das Sagen hat. Er ist ein Top-Mann mit überragendem Charakter.

Im Winter soll es ein 10-Millionen-Angebot aus der Premier League für Sie gegeben haben? Stimmt das wirklich – wenn ja, was haben Sie gedacht?

Wagner: Unabhängig von einer Summe hat mich das Interesse natürlich gefreut. Aber für mich war von Anfang an klar, dass ich bis mindestens Sommer in Darmstadt bleibe. Ich möchte die Saison jetzt erst einmal so zu Ende spielen, dass wir wenn nur irgendwie möglich die Klasse halten. Das wäre für alle Beteiligten eine riesige Sache. Im Sommer muss man dann sehen, was passiert. Ich werde auf jeden Fall immer alles offen und ehrlich mit Dirk Schuster besprechen.

Was macht der SVD, wenn der Klassenerhalt gelingt? Gibt es schon Pläne, falls nicht?

Wagner: Nee, das weiß ich nicht.

Was macht der SVD, wenn er in München nicht verliert?

Wagner: Ich denke, in den Bus steigen und nach Darmstadt fahren. Und ich fahre mit der U-Bahn nach Hause (lacht).

Sven Westerschulze

Sven Westerschulze

Sven Westerschulze

E-Mail:Sven.Westerschulze@tz.de

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