Reporter im Interview

TV-Legende über Ancelotti: "Im Herzen der Sohn eines Bauern"

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Carlo Ancelotti, der neue Trainer des FC Bayern München.

München - TV-Reporter Carlo Pellegatti kennt Carlo Ancelotti seit über 30 Jahren. Er sagt über den neuen Trainer des FC Bayern München: "Er hat sich nie verändert."

Carlo Pellegatti arbeitet seit Jahrzehnten für das italienische Fernsehen. Die Karriere von Carlo Ancelotti verfolgt der Mailänder wie kaum ein anderer, er besuchte den Bayern-Coach sogar während dessen Auszeit vergangenes Jahr in Kanada. Vor dem zweiten Testspiel in den USA gegen ein italienisches Team (Inter Mailand) erklärt der Journalist, warum Ancelotti so besonders ist.

Herr Pellegatti, wenn Sie Carlo Ancelotti nun hier in den USA so als Trainer des FC Bayern sehen – hat er sich verändert im Laufe der vielen Jahre, die Sie ihn kennen?

Nah dran an Ancelotti über Jahrzehnte: Der italienische TV-Reporter Pellegatti.

Nein, überhaupt nicht. Ich kenne ihn seit über 30 Jahren und ich versichere Ihnen: Alles, was Sie über ihn bisher gelesen oder gehört haben, stimmt. Er ist ein immer ruhig, auch wenn ein Sturm aufzieht. Alle Spieler lieben ihn. Sie l-i-e-b-e-n ihn, man muss das genau so betonen. Und das überall, in Italien, Frankreich, England, Spanien. Sprechen Sie mit Zlatan Ibrahimovic über Carlo, und das Herz wird Ihnen aufgehen! Auch bei Thiago Silva – oder auch Cristiano Ronaldo. Ronaldo liebt ihn besonders. Als Carlo das Jahr in Kanada gewesen ist, haben die beiden noch immer regelmäßig telefoniert. So eine Verbundenheit gibt es sehr selten.

Woher kommt diese Menschlichkeit in Ancelotti, das ist ja doch selten in der harten Fußball-Branche?

Von seinem Elternhaus. Im Herzen ist er noch immer der Sohn eines Bauern, und das meine ich absolut positiv. Diese Mentalität hat er sich erhalten, auch wenn er inzwischen natürlich in höheren Kreisen unterwegs ist. Er kann das genau einschätzen, was ihm der Fußball ermöglicht hat, er genießt das – natürlich, Carlo ist ein Genussmensch! –, aber er blieb immer normal. Er hat das nicht in sich, arrogant zu werden.

Genussmensch, ein gutes Stichwort. Ist das wirklich so ein zentrales Thema, wie man immer hört?

Ja, absolutes Ja! Eines der ersten Dinge, die Ancelotti in München machen wird, das ist sicher: Er wird ein sehr gutes italienisches Restaurant finden wollen. Besser noch: ein parmigianisches. Mt Parmgiano Reggiano. Als ich ihn in Kanada besucht habe, hat er mich sofort in ein spezielles Restaurant geführt. Er ist da wie ein Kind, das Süßigkeiten liebt. Das ist ihm sehr, sehr wichtig. Wenn er in München ein solches Lokal findet, wird es dort, als sei das seine Familie.

Diese wichtigen Voraussetzungen für Ancelotti erfüllt der FC Bayern

Beim AC Mailand hatte Ancelotti seine sportliche Heimat – auch der FC Bayern inszeniert sich gerne als Familie...

Bei Milan wurde er wie der verlorene Sohn empfangen, als er als Trainer zurückgekehrt ist. Es war eine grandiose Verbindung. Wenn das bei Bayern mit der Familie ehrlich gemeint ist, wird das auch sehr gut zusammenpassen. Ich glaube, der Klub erfüllt zwei ganz zentrale Dinge, die Carlo wichtig sind: Zusammenhalt wie bei einer Familie – und auch eine gute Organisation. Bayern ist top. Man hört nie etwas Schlechtes über diesen Verein. Und Carlo braucht dieses Familiengefühl, um perfekt zu arbeiten. Es kann eine wundervolle Zeit werden hier.

Manche sagen, er sei zu nett – selbst er sagt das ab und zu. Ist das ein Problem?

Nein, und ich denke auch, dass das so nicht ganz richtig ist. Er ist nett, wenn er nett sein muss. Aber er ist auch streng, wenn er streng sein muss. Er findet immer die richtige Mischung.

So sehr prägt Arrigo Sacchi auch heute noch Carlo Ancelotti

Sein Mentor war Arrigo Sacchi. Wie sehr prägt ihn sein Ex-Coach bis heute?

Sacchi war Carlos Lehrmeister, ganz eindeutig. Aber ich habe letzte Woche mit Mauro Tassotti gesprochen, und er sagt, es gibt schon einen großen Unterschied. Sacchi spricht 24 Stunden am Tag über Fußball. Carlo nicht. Am Abend, nach dem Training, lässt er die Spieler in Ruhe. Das danken sie ihm.

Pep Guardiola war da anders, auch ihm reichten 24 Stunden am Tag nicht aus, um über Fußball zu grübeln. Die Bayern hatten sich von ihm den Sieg in der Champions League erhofft, das ist bei Ancelotti nun genauso. Wie stehen die Chancen?

Das ist schwer zu sagen. Wir Italiener sagen: In Frankreich und Deutschland ist die Meisterschaft auf jeden Fall schon entschieden: Paris und Bayern. Wenn man international schaut, bin ich gespannt. Auch auf Juventus Turin. Und wissen Sie was? Ich würde Carlo wünschen, dass er Juve in einem großen Spiel besiegt. Das ist ein bisschen ein Trauma von ihm, und er würde endgültig zu einer Legende werden.

Interview: Andreas Werner

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