Red-Bull-Nachwuchsleiter Tanner im Gespräch

tz-Interview: Kann Leipzig Bayern irgendwann gefährlich werden?

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"Mindestens ein einstelliger Tabellenplatz" sei drin für RB Leipzig, findet Ernst Tanner.

München - Im tz-Interview erklärt Ernst Tanner, der Leiter Akademie und Nachwuchs von RB Salzburg, warum Leipzig durchstartet und dass sich bei RB nicht alles nur ums Geld dreht.

Herr Tanner, wann greift RB Leipzig den FCB an?

Ernst Tanner.

Tanner: Den FC Bayern? Das ist noch ein weiter Weg. Alleine was den Umsatz betrifft, bewegt sich der FC Bayern in anderen Sphären. Bis Leipzig in diese Regionen verstößt, wird es noch einige Zeit dauern. Den über Jahrzehnte lang erarbeiteten Vorsprung des FCB kann man nicht mal eben so aufholen. Es wäre auch schlimm, wenn das funktionieren würde. Eine Sache ist bei RB aber bemerkenswert.

Welche?

Tanner: Der unglaubliche Zuspruch der Zuschauer. In der Zweiten Liga lag der Schnitt bei fast 30 000 Besuchern pro Spiel, in dieser Saison wird das Stadion ziemlich oft ausverkauft sein. Das zeigt, dass die Leute sich mit dem Verein identifizieren. Die Basis ist da, die Leute stehen hinter RB. Und das musste sich der Verein erarbeiten.

Ebenso wie den Aufstieg. Hat Sie der starke Saisonstart überrascht?

Tanner: Nein, hat er nicht. Denn ich weiß, dass die Verantwortlichen einen Plan haben. Der hat vor einigen Jahren in der vierten Liga begonnen – und ist mit dem Aufstieg in die Bundesliga noch lange nicht beendet. In Leipzig plant man langfristig. Und was mich als Nachwuchsleiter besonders freut: Der Weg wird mit jungen Spielern gegangen, die eine Top-Perspektive haben.

Wenn man RB Leipzig hört, denken viele aber zuerst an das Geld von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz…

Tanner: …und leider weniger daran, dass wir es sinnvoll und nachhaltig investieren. Es wirft keiner das Geld zum Fenster raus, weder in Leipzig noch in Salzburg. Bei den RB-Vereinen gibt es klare Vorstellungen, wenn es um das Finanzielle geht. Und genauso wie alle anderen Vereine halten wir uns an das Financial Fairplay. Das ist wichtig.

Gerade bei Traditionsvereinen stößt das Projekt RB auf wenig Gegenliebe.

Tanner: Ich kann diese Vergleiche mit den Traditionsvereinen nicht mehr hören. Viele zeigen auf uns, um von eigenen Schwächen abzulenken. Schauen Sie doch mal nach England, in das Mutterland der Fußball-Tradition. Wie viele Investoren gibt es da? Und wenn Tradition das einzige Argument ist, um auf sich aufmerksam zu machen, dann ist bei diesen Vereinen jahrelang geschlafen worden. Fußball ist Tagesgeschäft, da muss man erfolgreich sein. Und das ist man nur, wenn man einen Plan hat und ihn auch nachhaltig verfolgt.

Was läuft in Leipzig besser als bei anderen Vereinen?

Tanner: Der Klub verfügt über ein großes Know-how in allen Bereichen. Die RB-Vereine sind gut miteinander vernetzt, auf fast allen Posten sind Leute mit viel Erfahrung. Das macht sicher auch einen Teil des Erfolgs aus – nicht immer nur das Geld. Bevor ich zu RB gekommen bin, war ich in Hoffenheim tätig. Auch gegen diesen Verein gab es damals viele Proteste und 1899 wurde anfangs nur über das Geld von Dietmar Hopp definiert. Aber ab dem Moment, in dem die Leute merken, dass ein Verein gute Arbeit leistet, dass dort etwas Nachhaltiges und Gutes aufgebaut wird, ebbt der Protest ab. Dann wird man akzeptiert. So wird es bei RB Leipzig auch passieren.

Was ist in dieser Saison zu erwarten?

Tanner: Mindestens ein einstelliger Tabellenplatz. Sicher wird die Mannschaft auch mal ein paar Spiele verlieren, aber das ist für einen Aufsteiger ja völlig normal. Leipzig hat viele Kritiker verstummen lassen und ich bin mir sicher, dass diese Truppe weiter für Furore sorgen wird. Denn sie hat eine Menge Potenzial und wird sich noch weiterentwickeln.

Interview: Sven Westerschulze

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