Bayerns Problemzone aufgedeckt

Daran hapert es noch beim FC Bayern

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Zu viel Spielraum ließen Javi Martinez und die Bayern-Defensive gestern den Stürmern von Madrid. 

Madrid - Bayerns Defensive um Boateng und Martinez wird von Atletico zu oft entblößt. Ancelotti sucht noch die Idealformation.

Einblicke wie jene, die man in der Amtszeit von Carlo Ancelotti vom Innenleben des FC Bayern bekommt, hat es in diesem Verein schon lange nicht gegeben. Die Aufstellung ist kein Rätselraten mehr, kein Geheimnis, sondern wird relativ offen kommuniziert. Und gestern konnte man im vereinseigenen TV-Kanal auch sehen, wie sich die Spieler auf die bisher kniffligste Partie der Saison vorbereiten.

Im Mannschaftshotel im Zentrum von Madrid wurde ein Zimmer zur Verfügung gestellt. Ein kleiner Raum mit Teppichboden. Es sah ulkig aus, wie die im Sportdress bekleideten Profis sich darauf dehnten und Gymnastik machten. Man sah sie alle lachen, scherzen; vor allem Javi Martinez hatte beste Laune. Es wirkte ein bisschen wie die Ruhe vor dem Sturm, den man von Atletico erwartet hatte – und der nicht mal zehn Stunden nach diesen Aufnahmen auch kam. Beim Abpfiff des 0:1 im Estadio Vicente Calderón waren Martinez und seinen Abwehrkollegen nicht mehr so guter Stimmung.

Atlético für Bayern-Abwehr zu schnell

Wenn man von Atletico Madrid spricht, sind die prominentesten Stichworte: Abwehrbollwerk, Spiel-Zerstörer. Dass das Team von Trainer Diego Simeone aber auch ganz anders kann, wissen vor allem die Bayern nur zu gut. Am Mittwochabend stand auch Saúl Niguez auf dem Platz, der Mann, der ihnen im Halbfinal-Hinspiel der Vorsaison ein großes Stück Hoffnung auf den Einzug ins Endspiel genommen hatte. Er hatte die Abwehrreihe des deutschen Rekordmeisters damals ziemlich alt aussehen, sie stehen lassen wie Slalom-Stangen. Die gute Nachricht: Das machte er diesmal nicht. Dafür aber entwickelten zahlreiche seiner Mitspieler mehr Zug und Tempo zum Tor als die bisher in dieser Spielzeit wenig geprüfte Defensiv-Kette der Bayern in der Lage war, abzuwehren. Es ging ihr schlichtweg manchmal zu schnell.

Der erste Warnschuss kam nach zehn Sekunden von Yannick Ferreira-Carrasco, den späteren Torschützen zum 1:0. Jerome Boateng, nach zehnwöchiger Verletzungspause erst zum zweiten Mal in der Startelf, konnte da noch blocken, überhaupt hatten er und sein Nebenmann Javi Martinez nicht nur schlechte Momente in diesem Spiel. Aber sie hatten eben auch welche, in denen man ihnen ansah, dass die Feinabstimmung fehlt und sich technische Fehler einschlichen, die man sich auf diesem Niveau nicht leisten kann.

Martinez mit wenig Fortune

Vor allem aber Martinez, bisher in dieser Saison fast fehlerlos, agierte oftmals unglücklich. Als ihm in der 12. Minute ein Ball vom Fuß sprang, weil Antoine Griezmann ihn bedrängte, und der Franzose dann auf das Tor zulief, ahnte man Schlimmstes. Die verdiente Führung für Atletico fiel aber erst, als die Gastgeber die Bayern und insbesondere deren Abwehr mit ihren schnellen Angriffen schon müde gespielt hatte. Boateng lief Carrasco letztlich hinterher, war aber nicht schuld. In dem Fall hatten die Mittelfeld-Kollegen gepennt.

Boateng und Martinez – das ist eines von drei möglichen Duos, die Ancelotti auf den Platz schicken kann. Atletico hatte aber auch später, als Mats Hummels für den müden Boateng kam, noch Chancen. Zumindest der erste Härtetest der Saison dürfte den Trainer daher an seinem Plan, auch auf dieser Position zu rotieren, zweifeln lassen. Noch ging es gegen Atletico nicht um Alles oder Nichts. Wenn aber die Spiele kommen, in denen auch das Anschwitzen geheim ist, wäre ein routiniertes Pärchen in der Zentrale von Vorteil.

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