Alles nur auf Englisch

Nach Kritik an Teampräsentation: Das sagen die FCB-Fanklubs

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Thomas Müller durfte (oder musste?) während der Präsentation mit einer Wahrsager-Glaskugel hantieren.

München - Viele Anhänger fragten sich während der auf Englisch gehaltenen und nur im Internet verfolgbaren Teampräsentation des FC Bayern: San mia no mia? Oder besser: Are we still we? Wir haben die Fanklubs zu ihrer Meinung befragt.

Mia san mia! Mit diesem Selbstverständnis wurde der FC Bayern groß. Und er demonstrierte den Fans trotz aller nationalen und internationalen Erfolge stets seine Heimatverbundenheit. Bei der Mannschaftspräsentation des FCB am Samstag war von einem Münchner Heimatgefühl wenig zu spüren. Das lag zum einen daran, dass die Mannschaftspräsentation nicht wie gewöhnlich im Stadion stattfand – für eingefleischte FCB-Fans so etwas wie das zweite Wohnzimmer –, sondern in einer Art TV-Studio und per Facebook-Livestream in die ganze Welt übertragen wurde.

"Wir sind doch ein bayerischer Verein"

Zum anderen hatte es mit der Sprache zu tun: Die Mannschaftsvorstellung wurde im Stile einer Late-Night-Talkshow aufgezogen und sämtliche Protagonisten sprachen ausschließlich Englisch. Die beiden schrillen Moderatoren Poet & Vuj unterhielten sich während der 120-minütigen Sendung mit Kapitän Philipp Lahm, Spaßvogel Thomas Müller, Neuzugang Mats Hummels und Trainer Carlo Ancelotti in englischer Sprache über den FC Bayern. „Bayern is more than a football club. For me it is like a family“, meinte Lahm in vorsichtigem Englisch. Müller entschuldigte sich bereits im Vorfeld für sein „schlechtes Englisch“. Einige FCB-Fans aus Deutschland fragten sich angesichts dieser Szenen: San mia no mia? Oder auf Neu-Rekordmeisterisch: „Are we still we?“

 Nicht nur in den sozialen Medien, auch bei den Bayern-Fanclubs sah man die Mannschaftsvorstellung mit gemischten Gefühlen. „Ich habe diese Sendung nicht gesehen, daher bin ich mit einer Vorverurteilung vorsichtig. Ich verstehe es, wenn der FCB im Ausland noch bekannter werden möchte. Ich glaube aber nicht, dass es den deutschen Fans gefällt, wenn die alle plötzlich Englisch sprechen. Wir sind doch ein bayerischer Verein“, so Bernd Hofmann, Präsident beim Fanklub Nabburg, zur tz. Ähnlich sieht es Hans Fischer von den Pomperlbuam Bad Griesbach: „Ob das so förderlich ist, eine Mannschaftspräsentation nur auf Englisch durchzuführen, glaube ich nicht. Einige deutsche Fans werden dieses Vorgehen nicht verstehen.“

Fakt ist, dass der FCB in Sachen Internationalisierung zu Mannschaften wie Real Madrid, Manchester United oder dem FC Barcelona aufschließen möchte. Die kürzliche USA-Reise hatte für die Verantwortlichen um FCB-Boss Karl-Heinz-Rummenigge die Erwartungen übertroffen. Darum hat sich der FCB auch zu dieser neuen Form der Mannschaftspräsentation entschieden. Aus dem Ausland waren die Reaktionen zum FCBday1 durchaus positiv. „Big hug from Hungary“, schrieb beispielsweise eine Userin aus Ungarn, eine andere aus Rumänien: „This is so good, I like it“. Den größten Applaus erntete Ancelotti vom Studiopublikum, als er plötzlich das Englische ablegte und auf Deutsch sagte: „Ich kann Deutsch sprechen, aber ich brauche mehr Zeit.“

Manuel Bonke

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