Mülleriger und seit den E-Junioren fehlerfrei

FC Bayern: Geschichten einer Meistermannschaft

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(Laut-)Sprecher der Mannschaft: Müller, neben Lahm und Neuer die prägende Figur.

München - Neuer lässt neureiche Engländer in die Röhre glotzen, Vidal macht Meuchelmördern Angst – und Götze lebt gefährlich: Wir haben die Meistermannschaft des FC Bayern unter die Lupe genommen.

Update vom 15. Mai 2016: Heute wird die Schale auf dem Marienplatz präsentiert. Wir haben zusammengefasst, wie Sie die Meisterfeier 2016 des FC Bayern München heute live im TV und im Live-Stream sehen können.

Alaba, David: War in Ingolstadt der Allerletzte, der die Kabine verließ. Heißt: Feierte den Titel am ausgelassensten. Hat ja auch viel Grund dazu: Solide Saison, als Links- wie als Innenverteidiger, wo er laut Pep Guardiola das Potenzial hat, „einer der besten der Welt zu werden“. Das will Alaba gar nicht. Aber zumindest diese Meister-Saison hat er auf der ungeliebten Position geprägt.

Alonso, Xabi: Dauerbrenner mit 34 Jahren? Ja, das geht. Durfte lediglich im Schlussspurt etwas langsamer machen, weil ihn Pep Guardiola für die K.o.-Phase schonte. Hatte gute Spiele, mittelmäßige und auch ein paar schlechte. Gab der Defensive meist die Stabilität, die sie (vor allem in der Zeit ohne gelernte Innenverteidiger) brauchte. Und verteilte die Bälle sicher.

Badstuber, Holger: War zwischenzeitlich Mann der Stunde, weil: letzter gesunder Innenverteidiger. Dass „gesund“ und „Badstuber“ aber zwei Worte sind, die selten über einen längeren Zeitraum gemeinsam verwendet werden, ist bekannt. Diesmal war es das Sprunggelenk. Die Bilanz: Lange Verletzung, sieben gute Spiele, lange Verletzung. Und seine stetige Hoffnung: „Come back stronger.“

Benatia, Medhi: Guardiola war früher in Barcelona als Einkäufer gefürchtet. Dmytro Chygrynskiy ließ er etwa einst für 25 Millionen Euro aus Donezk holen. Nach einem Jahr musste der Ukrainer wieder gehen, heute hat er einen Marktwert von einer Million. Bayerns Chygrynskiy heißt Benatia. Kam für 28 Millionen, keiner weiß warum. Ist sauer, weil Mats Hummels kommt. Der ist übrigens kein Guardiola-Kauf.

FCB wird beim FCI Meister: Drei Zweier, zwei Vierer

Bernat, Juan: Stand beim Rückspiel gegen Atletico nicht im Kader. Das hatte zwar keine Auswirkungen auf die Meisterschaft – unterstrich aber die Rolle, die der Spanier in seinem zweiten Jahr eingenommen hat: Einer, der spielt, wenn die anderen eine Pause brauchen (oder Not am Mann ist). Prägte das Spiel aber selten (16 Partien/eine Vorlage).

Boateng, Jerome: Krönte seine überragende Hinrunde als bester Mann beim 5:1 über den BVB. Sorgte für einen Schock, als er beim Rückrundenauftakt verletzt vom Feld musste (und erst vor einer Woche zurückkehrte). Hatte indirekt aber so Anteil daran, dass Joshua Kimmich seine Chance bekam – und nutzte.

Coman, Kingsley: Den 19-Jährigen kannte vor seiner Verpflichtung keiner. Doch die Wundertüte mit dem Rastazopf entpuppte sich als ein Glücksgriff. Sternstunde gegen Juventus Turin, den Klub, dem er noch immer gehört. Macht er so weiter, sollte Bayern dringend am Kaufgeschäft arbeiten – und hoffen, dass man in Turin keine Bayern-Spiele schaut.

Costa, Douglas: Bester Vorlagengeber im Team (bisher 14) – allerdings: Sein Konto schoss vor allem in der Hinrunde nach oben. Das war jene Zeit, in der er sich mit viel Tempo, exzellenter Technik und dem ein oder anderen Kunststückchen in die Herzen der Münchner Fans spielte. Ließ in der zweiten Saisonhälfte nach. Trotzdem immer akribisch, ein Störfeuer – ein wichtiger Meistermacher.

Götze, Mario: Gehörte Recherchen unserer Zeitung zufolge auch diese Saison – wie in den beiden Spielzeiten zuvor – zum Kader der Münchner. Ließ sich aber selten blicken, nicht mal bei der Meisterfeier am Samstag, was auch daran liegen kann, dass Pep Guardiola lieber Neymar gehabt hätte. Götze sorgte zuletzt für Schlagzeilen, als er ein gravierendes Detail der beliebten TV-Serie „Game of Thrones“ verriet. Das macht man nicht, aber unbewusst lieferte er so eine Steilvorlage für eine sinnige Pointe: Bei „Game of Thrones“ kennt man keine Gnade mit großen Namen, es wird leidenschaftlich gemeuchelt. Götze spielt eine gefährdete Rolle. Seine Zeit in München läuft ab.

Kimmich, Joshua: Hatte sich schon einen Namen gemacht, ehe er den ersten Ball trat, indem er auf seiner Einstandspressekonferenz verriet, dass Bastian Schweinsteiger geht. Machte sich später einen Namen als Allzweckwaffe, sogar als Mini-Innenverteidiger, am Ende war sogar seine eigene Mutter verwirrt, weil Guardiola den 21-Jährigen als Sohn bezeichnete. In Ingolstadt hielt er plötzlich eine Papp-Meisterschale in der Hand – man ahnt: Macht er so weiter, wird er das Original nicht nur nächste Woche, sondern noch öfter hochstemmen. Schweinsteiger holte die Schale übrigens achtmal.

Lahm, Philipp: Hat Recherchen unserer Zeitung zufolge das letzte Mal bei den E-Junioren einen Fehler gemacht. Guardiola sagt, Lahm sei einer der besten fünf Spieler in der Geschichte der Bayern. Es würde nicht verwundern, wenn der Fußball-Freak Guardiola Lahm schon seit den E-Junioren beobachtet hat.

Bayern-Feier: Wer sich neben Pep beim Karaoke ins Zeug legte

Lewandowski, Robert: Wird sich immer an die Saison erinnern, in der er fünf Tore in einer Partie schoss. Und die Münchner auch an ihn. Seine beste Saison bei Bayern, die mit der Torjägerkanone gekrönt werden wird. Einziges Manko: Noch ist die 30-Tore-Marke nicht gefallen. Sollte gegen Hannover am Wochenende gelingen. Es gibt Wetten.

Martinez, Javier: Sieht mit seiner Struwwelpeter-Frisur gerne so aus, als sei er gerade erst aufgestanden. Wenn er aber nicht verletzt ist, ist er wirklich eine Bank. Es wird sehr interessant, wie er sich gegen den ausgeschlafenen Mats Hummels behauptet.

Müller, Thomas: Korrespondierte hervorragend mit Robert Lewandowski. 20 Treffer hat er noch nie in einer Spielzeit erzielt (und in der Liga gingen auch sechs von sieben Elfmetern rein). Wird aber trotzdem stinkig, wenn man vom „besten Müller aller Zeiten“ spricht. Superlative sind nichts für ihn. Er macht einfach sein Ding. Ein Lob nach seinem Gusto: War „mülleriger“ als je zuvor.

Neuer, Manuel: Hat Recherchen unserer Zeitung zufolge das letzte Mal bei den E-Junioren einen Fehler gemacht. Ist auch sonst wie Lahm eine zentrale Figur. Verlängerte neulich bis ins Rentenalter, das ist gut, da die neureichen Engländer irgendwann vielleicht doch mal gute Torhüter wollen und sicher Bayern-Spiele schauen – im Gegensatz zu Turin auf Großbildschirmen, sie haben ja das nötige Kleingeld. Glotzen aber so nun dennoch in die Röhre.

Rafinha: Spielte in der Hinrunde eine größere Rolle, vor allem als Linksverteidiger. Bekleidete aber über die ganze Saison hinweg so gut wie jede defensive Position. Stand hinten meist gut, wuselte viel auf der Außenbahn. Und trotzdem hat man das Gefühl, als habe er an anderen Titeln in den letzten fünf Jahren größeren Anteil gehabt.

Ribery, Franck: Meldete sich nach neunmonatiger Verletzungspause standesgemäß mit einem Treffer gegen Gladbach zurück, fiel aber sofort wieder aus. Nicht viele hatten dem Franzosen im fortgeschrittenen Fußballalter zugetraut, danach nochmal so zurückzukommen, wie er es dann tat. Stets ein Aktivposten – einer mit zwei Treffern und fünf Vorlagen.

Robben, Arjen: Gehörte Recherchen unserer Zeitung zufolge auch diese Saison – wie in den sechs Spielzeiten zuvor – zum Kader der Münchner. Ließ sich aber selten blicken, weil seine Krankenakte erweitert wurde. Ähnelt dabei manchen Charakteren bei „Game of Thrones“, da auch dort einige aus dem Spiel genommen werden, die man als Zuschauer wirklich gern hat.

Rode, Sebastian: Netter Kerl, guter Fußballer – idealer Kader-Auffüller. Man würde ihm mehr Einsätze gönnen, doch es gibt auch Spieler, die sich auf der Bank nützlich machen. Verdienter Meister.

Tasci, Serdar: Geht als einer der wenigen Spieler in die Geschichte ein, bei dem sich ein Trainer öffentlich für Missachtung entschuldigte. Obwohl Guardiola – wenn man Tascis Premierenauftritt als Maßstab nimmt – ja gut beraten war, ihn lange nicht zu berücksichtigen (gegen Darmstadt verursachte er den Gegentreffer). Die übrigen beiden Auftritte waren ansehnlich. Er spielte, andere konnten durchschnaufen.

Thiago: „Thiago oder nix“, sagte Pep Guardiola einst, als er seinen Landsmann zu den Bayern lockte. Ein begnadeter Fußballer, aber eben auch der Ziehsohn des scheidenden Trainers. Die Zeitungen in Manchester können schon mal die Titelzeile vorbereiten: „Thiago or nothing!“

Vidal, Arturo: Recherchen unserer Zeitung zufolge hat er seit den E-Junioren zwar tausende Fehler gemacht, auch außerhalb des Platzes, ist aber dennoch eine klare Bereicherung. Spielt, wie er aussieht: Verrucht. Würde selbst den Meuchelmördern bei „Game of Thrones“ Angst einjagen.

Auch dabei: Sven Ulreich, Tom Starke, Dante, Julian Green und Milos Pantovic.

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