Neue Spielweise des Rekordmeisters

Der Ancelotti-Stil: So viel Pep steckt noch in Bayern

+
Gegen FK Rostow benötigten die Bayern den berühmten "Dosenöffner" - doch dann lief es rund.

München - Mit Carlo Ancelotti hat der FCB einen Weltklasse-Trainer als Nachfolger für Pep Guardiola verpflichtet. Und die Spielweise des Rekordmeisters hat sich schon sichtbar verändert.

Carlo Ancelotti verzeichnet den besten Start eines FCB-Trainers seit 18 Jahren. Damaliger Trainer der Bayern: Ottmar Hitzfeld. Die bisherige Bilanz der Bayern in dieser Saison: Fünf Pflichtspiele, fünf Siege und 20:0 Tore. 

Mit Pep Guardiola hatte Ancelotti bei den Bayern einen Vorgänger, der den Ballbesitzfußball im modernen Fußball wie kaum ein anderer geprägt hat. Auf diesem Grundgerüst baut der Italiener nun auf - er ist dafür bekannt, für jede Mannschaft die passende Spielweise zu finden. Und das zeigt sich auch beim Rekordmeister - die Handschrift Ancelottis ist mehr und mehr zu erkennen.

"Wir wollen vertikaler spielen"

Er selbst hatte bereits die Parole für die neue Saison ausgerufen: "Etwas mehr vertikal spielen. Die Defensive des Gegners mehr attackieren, denn wir haben die Spieler, die uns genau das erlauben," so "Carletto".

Kleinere Veränderungen sah man schon beim Bundesliga-Auftakt gegen Werder Bremen, als die Bayern den Verein von der Weser mit 6:0 abschossen. Ancelotti hatte gegen die Werderaner in seinem Lieblingssystem 4-3-3 begonnen. 

Mehr Freiheiten für die Flügelspieler

Auffällig hier: Vor allem Ribéry spielte sehr beweglich, ließ sich ins Zentrum abkippen oder bot sich gar im defensiven Mittelfeld an. Gleichzeitig zog Müller immer wieder in den Strafraum, so dass sich das System eher in Richtung 4-4-2 verschob. Was sich im Vergleich zu Guardiolas Zeiten aber kaum veränderte: die Spielkontrolle in Verbindung mit einem hohen Ballbesitz und einer kontrollierten Ballzirkulation.

Auch die Außenverteidiger Lahm und Alaba nahmen leicht veränderte Rollen ein. Beide agierten sehr offensiv und deutlich geradliniger, als dies noch unter Guardiola der Fall gewesen war. Festzuhalten blieb hier aber, dass der Fokus weiter auf der Spielkontrolle, sicherem Passspiel und dem Flügelspiel lag. Neu: Die großen Freiheiten für die Außenspieler, allen voran für Ribéry.

Prost, ihr Bayern! Die Roten kleiden sich für die Wiesn ein

Königsblauer Druck stellt Bayern vor Probleme

Mit dem FC Schalke 04 hatten die Bayern am zweiten Bundesliga-Spieltag dann gleich eine deutlich härtere Nuss zu knacken. Hier gelang es den "Königsblauen" gut, Alonso komplett aus dem Spiel zu nehmen und so die Ballzirkulation gar nicht erst ins Rollen kommen zu lassen. Die Bayern hatten mit dem aggressiven Pressing der Schalker ihre liebe Mühe. Dennoch ließ sich auch hier beobachten, dass Ribéry sich immer wieder fallen ließ und versuchte, das Spiel von hinten anzukurbeln.

Auch die Bewegungen von Müller gestalteten sich wie gegen Bremen: Oft zog er so in die Mitte, dass sich eine Doppelspitze mit Lewandowski bildete - der rechte Raum musste dann aber von Renato Sanches besetzt werden, der in seinem ersten Bundesliga-Spiel noch reichlich nervös wirkte und einige Ballverluste und Ungenauigkeiten zeigte. 

Stürmer lauern an der Abseitslinie

Als Joshua Kimmich für Sanches in die Partie kam, wurde das Bayern-Spiel deutlich ruhiger und koordinierter. Auch der aggressive und zweikampfstarke Vidal war gerade gegen müde Schalker dann das probate Mittel. Außerdem auffällig: der direkte Steilpass von Martinez auf Lewandowski, der von Naldo in dieser Partie zwar mehrere Male abgefangen wurde, aber beim Gegentor eben durchkam. 

Müller und Lewandowski lauerten ein ums andere Mal auf Höhe der Abseitslinie auf den Flachpass der Innenverteidiger - wie Lewandowski im Interview nach dem Spiel durchsickern ließ: eine Vorgabe des Trainers.

Flügelspiel fast nur über links

Beim ersten Champions League Spiel der Bayern gegen FK Rostow entwickelte sich in der ersten Halbzeit dann ein Spiel, wie es auch unter Pep Guardiola gegen defensiv eingestellte Mannschaften kaum anders ausgesehen hätte. Rostow verteidigte mit allen Spielern in der eigenen Hälfte und ließ dem Rekordmeister kaum Raum für Kombinationen. Das Flügelspiel der Münchner war zwar auffällig und, im Gegensatz zu Guardiolas Zeiten, geprägt vom Hinterlaufen durch die Außenverteidiger, doch die Flanken in den Strafraum blieben lange Zeit wirkungslos - den großen Innenverteidigern Rostows war mit hohen Bällen nicht beizukommen.

Bilder und Noten: Einmal die Eins, sechsmal die Zwei

Erst nach dem Elfmetertor durch Robert Lewandowski wurde das Spiel der Bayern etwas lebhafter. Auffällig: Ancelotti agierte trotz der defensiven 5-3-2-Formation der Rostower im 4-3-3 und verzichtete auf eine vierte Offensivkraft, wie man sie unter Pep Guardiola des Öfteren bereits gesehen hatte. Da Thomas Müller wie gewohnt von der rechten Seite nach innen zog, lag der rechte Flügel immer wieder brach - gerade gegen fünf Verteidiger natürlich ein Problem. Joshua Kimmich versuchte diese Asymmetrie zwar auszugleichen und hinterlief immer wieder Rafinha, dieser entschied sich aber meist für den hohen Ball in den Strafraum, anstatt auf Außen durchzustecken.

Pressestimmen: "Genussvoll durch die blaue Hecke"

Folgerichtig entstanden die Tore über links: die Ecke vor Lewandowskis Elfmeter, das 2:0 nach der Flanke von Alaba, das 3:0 nach der Costa-Flanke, das 4:0 von Kimmich nach Vorarbeit von Juan Bernat und das 5:0 durch Bernat selbst. Vor allem in der zweiten Hälfte griff aber auch die Umstellung von hohen Flanken auf die flache Variante. Nicht zu verachten ist dabei natürlich, dass Rostow selbst deutlich offensiver agierte und so bei Ballverlusten deutlich ungeordneter stand. So bot sich dem Rekordmeister deutlich mehr Platz als in Halbzeit eins.

Fazit: 50 Prozent Pep, 50 Prozent Ancelotti

Müsste man es in Zahlen ausdrücken, so betrüge das Verhältnis zwischen der Pepschen Spielweise und der neuen Ausrichtung durch Ancelotti etwa 50:50. Gegen defensive Gegner wird der Fußball der Bayern wohl auch in Zukunft dem unter Guardiola ähneln - steht der Gegner mit elf Mann um den eigenen Sechzehner, bleibt keine Wahl, außer den Ball so lange laufen zu lassen, bis sich die Lücke auftut.

Wie das gegen die besten Teams der Welt aussehen wird, muss sich erst noch zeigen. Die erste absolute Härteprüfung erwartet Ancelotti am 28. September auswärts bei Atlético Madrid. Dann wird etwas klarer werden, welche Lösungen die Ancelotti-Bayern gegen die extrem defensiv-starken Mannen von Coach Diego Simeone anbieten können.

WhatsApp-News zum FC Bayern gratis aufs Handy: tz.de bietet einen besonderen Service für FCB-Fans an. Sie bekommen regelmäßig die neuesten Nachrichten zu den Roten direkt per WhatsApp auf Ihr Smartphone. Und das kostenlos: Hier anmelden!

sdm

   

auch interessant

Meistgelesen

Gute Nachrichten von Boateng - schlechte von Hummels 
Gute Nachrichten von Boateng - schlechte von Hummels 
Das sagt Lewandowski über seine neue Freistoß-Gabe
Das sagt Lewandowski über seine neue Freistoß-Gabe
FC Bayern legt den Fokus jetzt voll auf die Liga
FC Bayern legt den Fokus jetzt voll auf die Liga
So endete FC Bayern gegen Atletico Madrid
So endete FC Bayern gegen Atletico Madrid

Kommentare