Ihnen kommt's auf die Länge an

Neuer Zoff zwischen Pep und Mourinho

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Zwei Top-Trainer mit unterschiedlichem Stil: Pep Guardiola (r.) und Jose Mourinho.

München - Dass Pep Guardiola und Jose Mourinho keine Freunde sind, ist schon länger bekannt. Auf der Trainertagung in Nyon gerieten die beiden Top-Trainer wieder mal aneinander - und das nur wegen eineinhalb Zentimetern.

Die in der vergangenen Woche im schweizerischen Nyon abgehaltene Tagung der europäischen Top-Trainer war offenbar eine alles in allem stimmige Veranstaltung. "Ein paar nette Kerle", wollte beispielsweise Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp bei dem Meeting kennengelernt haben.

Doch nicht immer verlief die Tagung harmonisch. Wie die spanische Zeitung "AS" berichtet, soll das ohnehin nicht einfache Verhältnis zwischen Pep Guardiola und Jose Mourinho neue Spannungen erhalten haben. Hintergrund ist das Thema Rasenlänge, das bei der Tagung unter anderem auf dem Programm stand. Angeblich regte Guardiola an, dass die Uefa eine Regelung in Kraft setzt, wonach bei internationalen Spielen der Stadionrasen auf 1,5 Zentimeter (bislang drei Zentimeter) gestutzt und verpflichtend vor den Spielen gewässert wird. Das Spiel werde damit schneller und schöner gemacht, argumentierte der Bayern-Coach.

Mourinho, der für weniger schnelles und technisch versiertes Spiel steht, sondern seine Mannschaften lieber mit cleverer Defensiv-Strategie verteidigen lässt, grätschte prompt dazwischen. "Jeder hat seine Spielweise, die respektiert werden sollte. Fußball kann auf mehrere Arten spektakulär sein."

Guardiola soll daraufhin recht ungehalten reagiert haben. "Die Schönheit des Fußballs ist abhängig vom Trainer. Es scheint mir, dass Mourinho das Ergebnis dem Spektakel vorzieht."

"Ich kenne ihn, das ist aber auch alles"

Bereits zu Zeiten, als Guardiola noch den FC Barcelona trainierte und Mourinho bei Real Madrid unter Vertrag stand, gab es Streit um die Länge des Rasens. Vor dem Pokal-Finale 2011, das im neutralen Valencia ausgetragen wurde, war das Thema Rasenlänge vorher tagelang öffentlich diskutiert worden. Am Ende wurde das Grün gestutzt und gewässert - trotzdem mauerte sich Real damals zu einem 1:0-Sieg nach Verlängerung.

Der aktuelle Zoff ist ein neues Kapitel in der seit langer Zeit andauernden Rivalität der beiden Coaches. Als Mourinho 1996, noch am Anfang seiner großen Trainerkarriere, als Assistent zum FC Barcelona stieß, war Guardiola dort Profi. "Wir haben vier Jahre zusammengearbeitet. Er kennt mich, ich kenne ihn - das ist aber auch alles", sagte Guardiola im April 2011 über sein da schon gestörtes Verhältnis zu "Mou".

Der Coach von Real Madrid hatte ihn im Vorfeld des Halbfinals der Champions League zwischen Real und Guardiolas FC Barcelona attackiert. „Es hinterlässt einen bitteren Nachgeschmack, wenn jemand, den du gut kennst, so etwas tut“, sagte Guardiola damals angewidert. Seither versucht er mehr oder weniger erfolgreich, Mourinhos Angriffe zu ertragen.

Und davon gab es reichlich. 2010 bereitete es Mourinho diebische Freude, als er Barcelona - die damals anerkannt beste Mannschaft der Welt - mit Inter Mailand auf dem Weg zum Triumph in der Königsklasse im Halbfinale erfolgreich einmauerte. In Spanien lagen Guardiola und Mourinho zwischen 2010 und 2012 im Dauer-Clinch. Und immer war es der Portugiese, der provozierte.

Die Streitigkeiten vor, während und nach den Clasicos erreichten einen negativen Höhepunkt beim Supercup-Duell 2011, als Mourinho dem damaligen Guardiola-Assistenten Tito Vilanova einen Finger ins Auge drückte. Als bekannt wurde, dass Guardiola zu den Bayern wechselt, stichelte Mourinho: "Hat er bewusst eine Liga gewählt, mit der ich nichts zu tun habe?"

Nur einmal verlor Guardiola angesichts der fortdauernden Angriffe wirklich die Fassung - vor eben jenem Treffen im April 2011. "Hier", sagte er damals im Bauch des Estadio Bernabeu in Madrid, "ist er der verdammte Chef, der verdammte Mann! Derjenige, der alles über die Welt weiß - und ich will es überhaupt nicht mit ihm aufnehmen, weil ich nicht weiß, wie man diese Spielchen spielt. Mourinho aber ist ein Meister der 'mind games'".

Guardiola, stänkerte Mourinho einmal, habe die Champions League zweimal auf eine Art gewonnen, "für die ich mich geschämt hätte". Dass Mourinho im Sommer 2008 bei der Neu-Besetzung des Trainer-Postens in Barcelona gegen Guardiola den Kürzeren zog, soll den Portugiesen schwer gekränkt haben. In jenem Sommer soll die Fehde begründet liegen.

wi/sid

Gregory Straub

Gregory Straub

E-Mail:gregory.straub@tz.de

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