Bayern-Kapitän hört wohl bald auf

Lahm-Nachfolger: Fünf Bundesliga-Kicker im Check

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Philipp Lahm fühlt sich langsam, aber sicher nicht mehr fit genug für Profifußball auf Weltklasseniveau. Doch wer wird sein Nachfolger als Rechtsverteidiger beim FC Bayern?

München - Philipp Lahms Karriereende winkt schneller als erwartet und reißt beim FC Bayern eine Riesenlücke in den Kader. Wer könnte den Kapitän als Rechtsverteidiger beerben? Wir analysieren mögliche Kandidaten aus der Bundesliga! 

Der FC Bayern München hat ein Problem: Philipp Lahm hängt nach der aktuellen Saison die Fußballstiefel an den Nagel und beendet seine aktive Karriere. Auf nichts anderes deuten die jüngsten Aussagen des Weltklassekickers hin.

"Ich bin jetzt 33 Jahre alt und man muss sich immer wieder die Frage stellen: Kann ich auf dem Niveau mithalten? Und da spricht man nicht von Monaten oder Jahren, sondern von Wochen. Wir reden hier vom absoluten Top-Niveau", sagte Lahm vergangene Woche bei Sky Sport News HD.  Nur noch Wochen also, das eigentlich erst für 2018 angekündigte Karriereende steht aller Wahrscheinlichkeit nach spätestens im kommenden Sommer bevor.

Die Bosse des Rekordmeisters dürfen sich dann zwar über einen hochkarätigen Neuzugang auf Managementebene freuen, doch Lahms Entschluss, früher Schluss zu machen, hinterlässt im Kader eine Riesenlücke. Mit Rafinha stünde nur noch ein gelernter Rechtsverteidiger zur Auswahl, wenn denn sein 2017 auslaufender Vertrag verlängert wird. Joshua Kimmich, der die Position in der Nationalmannschaft seit der EM 2016 ausfüllt, wäre nur eine Notlösung, ihm fehlt die für Rechtsverteidiger auf Weltklasseniveau notwendige Antrittsstärke und Dynamik. Zudem kommen Kimmichs Stärken wie schnelle Ballan- und -mitnahme, Spielübersicht und -intelligenz in der Zentrale besser zum Tragen.

Wie füllt der FC Bayern also die Lücke, die sich nach Lahms Abgang auftun wird? Kommt ein internationaler Topstar oder vertraut der Rekordmeister auf ein junges Talent aus der Bundesliga? Wir haben den nationalen Markt unter die Lupe genommen und unterziehen fünf Kandidaten dem FC-Bayern-Check:

Benjamin Henrichs (Bayer 04 Leverkusen)

Benjamin Henrichs (r.)

Spätestens seit vergangenen Freitagabend kennt Fußballdeutschland diesen Namen. Denn im zarten Alter von gerade mal 19 Jahren debütierte Henrichs in der deutschen Nationalmannschaft beim 8:0 gegen San Marino. Er hat erst 18 Bundesligapartien und vier Champions-League-Spiele auf dem jungen Buckel, gilt aber als ganz große Zukunftshoffnung auf der Rechtsverteidigerposition. Nicht nur deshalb wurde ihm im August die Fritz-Walter-Medaille in Gold verliehen als bestem Nachwuchsspieler seines Jahrgangs. Henrichs ist 1,83 Meter groß, beidfüßig, tritt robust und selbstbewusst auf und kann auch den Linksverteidiger geben - eine nicht zu unterschätzende Fähigkeit im Fußballprofigeschäft. Vertraglich ist der Deutsch-Ghaner noch bis 2020 an Bayer Leverkusen gebunden.

Einschätzung: Sollte sich der FC Bayern trauen, die Nachfolge Lahms in junge, noch unerfahrene, aber hoch talentierte Hände zu legen, ist Henrichs Topkandidat Nummer eins.

Lukas Klostermann (RB Leipzig)

Lukas Klostermann (M.).

Klostermann hat sämtliche DFB-Jugendmannschaften durchlaufen und gewann im Sommer mit der deutschen Auswahl die Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Rio. Sein Talent ist nicht unverborgen geblieben, Klostermann wurde während der vergangenen Transferperiode bereits mit dem FC Arsenal in Verbindung gebracht. Der 20-Jährige, der 2014 vom VfL Bochum nach Leipzig wechselte und  als Stammspieler gehörigen Anteil am Bundesliga-Aufstieg hatte, kann in der Abwehr auch Innen oder auf Links eingesetzt werden. Als Rechtsverteidiger überzeugte er aber bislang am stärksten. Ein im September erlittener Kreuzbandriss stoppte Klostermanns rasante Karriere vorerst, bislang hat er nur ein Bundesligaspiel absolviert. Doch bei RB Leipzig weiß man, welches Juwel man da auf der Gehaltsliste stehen hat und verlängerte trotz Verletzung Klostermanns Vertrag vorzeitig bis 2021. Bundestrainer Löw hat Klostermann natürlich längst schon auf dem Zettel und auch den Scouts des FC Bayern dürfte der körperlich robuste Abwehrspieler (1,89 Meter groß, 83 Kilo schwer) schon vor längerer Zeit aufgefallen sein.

Einschätzung: Vor seiner Kreuzbandverletzung war Klostermann wohl ganz oben auf der Merkliste des FC Bayern, derzeit ist ein Kauf des Youngsters aber nicht realistisch. Die Bosse werden seine weitere Entwicklung abwarten, zudem erschwert die langfristige Vertragssituation mögliche Verhandlungen.

Mitchell Weiser (Hertha BSC)

Mitchell Weiser.

Fragt man Sebastian Langkamp nach den Vorzügen seines Hertha-Kollegen Weiser, gerät der förmlich ins Schwärmen: "Seine Dribblings nach vorne, sein Offensiv-Drang – das ist eine große Qualität. Es gibt wenige deutsche Rechtsverteidiger auf einem guten Niveau." Weisers Leistungen sind Teil des aktuellen Erfolgs der Berliner. In seinem zweiten Jahr bei den Hauptstädtern entwickelt sich der 22-Jährige zum absoluten Leistungsträger und Führungsspieler. Eine Entwicklung, die man ihm noch vor kurzem beim FC Bayern nicht zugetraut wurde. Denn Weiser war von 2012 bis 2015 Angestellter des Rekordmeisters, kam aber im mit Superstars gespickten Kader nicht zum Zug und wurde schließlich von Pep Guardiola im vergangenen Jahr aussortiert. Weiser wurde der letzte Biss abgesprochen, zu schnell verfalle er in Zufriedenheit und rufe sein Talent zu selten ab. In Berlin ist der schnelle Blondschopf allerdings gereift, setzt seine Schnelligkeit, Zweikampfstärke und seinen Offensivdrang immer häufiger erfolgreich ein. Ein Anruf des Bundestrainers wird eigentlich seit längerer Zeit erwartet in Berlin, wo Weiser noch bis 2020 vertraglich gebunden ist.

Einschätzung: Holen die Bayern den verlorenen Sohn tatsächlich wieder zurück? Nur sehr schwer vorstellbar, man trennte sich 2015 nicht gerade im Einverständnis. Zudem fühlt sich Weiser im Berliner Umfeld sichtlich wohl und blüht auf, eine Rückkehr nach München scheint ausgeschlossen.

Felix Passlack (Borussia Dortmund)

Felix Passlack (l.).

Passlack gilt beim BVB als Hochbegabter, dem eine große Zukunft attestiert wird. Ursprünglich im rechten offensiven Mittelfeld beheimatet, bauen die Borussen Passlack mittlerweile als Nachfolger des jahrelangen Stamm-Rechtsverteidigers Lukasz Piszczek auf. Im Supercup im Sommer gegen den FC Bayern debütierte er auf dieser Position und brachte mit seiner Beharrlichkeit und Kompromisslosigkeit Franck Ribéry dermaßen in Rage, dass sich der Franzose zu einer Tätlichkeit hinreißen ließ. In Sachen Körpergröße kommt er mit 1,70 Metern Philipp Lahms Statur am nähesten, Passlack wirkt mit 74 Kilogramm aber bulliger und robuster als der FCB-Kapitän. 2015 bekam er die goldene Fritz-Walter-Medaille im Jahrgang U17, gewann mit Dortmunds B- und A-Jugend insgesamt drei deutsche Meisterschaften. Passlack ist einer, der trotz seiner 18 Jahre die Verantwortung nicht scheut: „Ich versuche voranzugehen. Und wenn es sein muss, haue ich dazwischen“, sagte er mal über sich selbst. Neun Mal durfte Passlack bislang in der Bundesliga ran, sein Vertrag mit dem BVB gilt bis Sommer 2019. 

Einschätzung: Das Potenzial, um beim FC Bayern zu bestehen, hat Passlack ohne Zweifel. Andererseits spricht wenig bis nichts dafür, dass die Borussia eines ihrer überragenden Talente nach München abgibt. Zudem trägt Passlack die schwarz-gelbe DNA in sich, ein Wechsel zum nationalen Erzfeind nach München verbietet sich daher eigentlich von selbst.

Jeremy Toljan (1899 Hoffenheim)

Jeremy Toljan (l.).

Der 22-jährige gebürtige Stuttgarter war als Stammspieler ebenfalls am Gewinn der Silbermedaille in Rio beteiligt, seine Vielseitigkeit - Toljan kann in der Defensive so gut wie jede Position bekleiden - und seine körperliche Verfassung sind sein großes Plus. Im Spiel nach vorne, im schnellen Passspiel und bei der Genauigkeit seiner Flanken hat der Hoffenheimer allerdings noch viel Luft nach oben. Mit 40 absolvierten Bundesligapartien kann Toljan auf zumindest einige Erfahrung im Profifußball verweisen, sein Vertrag mit Hoffenheim gilt bis 2018. Bereits im vergangenen Sommer gab es Gerüchte, wonach der FC Bayern die Fühler nach Toljan ausgestreckt habe.

Einschätzung: Toljan hat zwar in den letzten Jahren einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht, für eine Anstellung beim Rekordmeister reicht seine Qualität allerdings (noch) nicht aus.

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