Absage an Kimmich

Rafinhas Ansage: "Wir sind die Rechtsverteidiger"

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Kleiner Mann, feste Größe: Auf Rafinha war auch auf der USA-Reise Verlass. Er kämpft darum, dass seine sechste Bayern-Saison nicht seine letzte wird.

München - Bei der EM trumpfte Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger auf. Rafinha lässt sich auch davon nicht irritieren und sendet eine Kampfansage.

Für jüngere Semester mag das wohl sonderbar klingen, denn zuletzt hat da eine gewisse Verschiebung stattgefunden. Aber viele, viele Jahrzehnte galt der Brasilianer im Fußball als Maß aller Dinge. Sobald einer in hiesigen Breiten mal ansehnlich kicken konnte, wurde er sofort der Zuckerhutfraktion zugerechnet, ein Ehrentitel ist das gewesen. Ansgar Brinkmann etwa nannten sie den „Weißen Brasilianer“, dabei brachte er die meiste Zeit seiner Karriere in der Provinz zu (Münster, Verl, Cloppenburg) und flüchtete unter anderem mal bei einer Alkoholkontrolle vor der Polizei, um Stunden später auf dem Präsidium zu erscheinen, weil er seinen Autoschlüssel zurückwollte.

Die Branche war schon immer fasziniert von diesem Mix aus Samba auf und neben dem Platz. Brasilianer waren berüchtigt dafür, den Trainingsstart zu versäumen (vor allem im Winter, da sorgten sich die deutschen Klubchefs oft, ob ihre Stars überhaupt wieder aus dem Heimaturlaub zurückkehrten). Aber sie waren eben auch berühmt für die Fußballkultur, mit der sie die Landschaft bereicherten.

Brasilianische Ballzauberer eher selten

Heute stechen die brasilianischen Ballzauberer seltener hervor, in der Bundesliga sind eher grobschlächtige Typen wie Dante, Luiz Gustavo, Roger oder Naldo aktiv. Es gibt zwar Douglas Costa und Raffael, aber diesen echten Super-Brasilianer wie einst trifft man nicht mehr an. Spielerische Akzente setzen Franzosen, Niederländer, Spanier, ja, sogar Armenier, Südkoreaner, Japaner – und irgendwo landet man bei der Betrachtung des Gesamtbilds dann auch noch bei einem ganz eigenen Typus: Dem deutschen Brasilianer, der unter dem Namen Marcio Rafael Ferreira de Souza geboren wurde. Er ist als Rafinha bekannt.

Der Wahl-Münchner zählt wahrlich auch nicht zu den Spielern, die die Fans mit Kabinettstückchen verzaubern. Aber er ist verlässlich. Immer da. Arbeiter, Kämpfer, Spaßvogel – bisher hat er jeden seiner Trainer bei Bayern überzeugt. Rafinha geht in seine sechste Münchner Saison.

Sein Vertrag läuft aus, und er hat sich auf der PR-Reise in den USA bereits wie eh und je ins Zeug gelegt. Natürlich sei er für eine Verlängerung offen, sagte er unserer Zeitung, seine Familie fühlt sich wohl, dieses Jahr erhielt er sogar einen deutschen Pass. Längst ist der Mann aus Londrina in der Isar-Metropole heimisch geworden. „Ich bin gut drauf, bin fit und ich bin da, wenn unser Trainer mich braucht“, sagt er.

Heynckes musste immer lachen

Jupp Heynckes musste immer lachen, wenn er von „Raffa“ sprach, Pep Guardiola schätzte ihn trotz spielerischer Engpässe als verlässlichen Außenbahnspieler – bei Carlo Ancelotti hat der stets top gelaunte Südamerikaner ein gutes Gefühl: „Du musst Spaß haben, und bei diesem Trainer hast du Spaß.“ Zwar hat der Italiener schon gesagt, er sehe Philipp Lahm künftig eher wieder als rechten Verteidiger und nicht als Mittelfeldmann, doch Rafinha hat das schon oft erlebt, dass er vor einem Saisonstart nicht zur Ideal-Elf zählte. „Ich habe über 170 Pflichtspiele für den FC Bayern, das ist super und zeigt auf jeden Fall, dass ich ein Teil dieses Klubs bin“, sagt er, „ich habe keine Sorgen wegen meiner Zukunft.“

Auch dass der 21-jährige Joshua Kimmich bei der EM plötzlich als rechter Verteidiger auf sich aufmerksam gemacht hat, irritiert den Brasilianer, der Anfang September 31 wird, nicht. „Er hat das sehr gut gemacht – aber rechte Verteidiger beim FC Bayern sind Philipp Lahm und Rafinha.“ Alternativen suchen die Münchner schon seit Jahren. Erfolglos. Es wäre wohl nicht verkehrt, Rafinha zu halten. Auch weil die Zeiten, als er sich typisch brasilianische Eskapaden geleistet hat (einst bei Schalke war auch er mal berüchtigt, seine Münchner Akte ist aber leer) hinter ihm liegen. Er hat Disziplin längst verinnerlicht. Er ist: Der deutsche Brasilianer.

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