Mangelnde Einstellung und Identifikation?

Was erlaube Rangnick?! Leipzig-Coach ätzt gegen Bayern

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Ralf Rangnick liegt mit RB Leipzig an der Tabellenspitze der 2. Bundesliga.

München - Schon als er noch Trainer in Hoffenheim war, blies Ralf Rangnick zur Attacke auf den FC Bayern. Als Verantwortlicher beim Zweitligisten RB Leipzig übt er nun schon mal für den Aufstiegsfall und verteilt böse Seitenhiebe.

Sechs Punkte Vorsprung auf den ersten Verfolger Freiburg, die Meisterschaft in Reichweite, außerdem ein gut gefülltes Portemonnaie, um auf dem Transfermarkt teuer einzukaufen und Abwerbeversuche anderer Klubs zu verhindern: Ralf Rangnick ist mit dem Zweitligisten RB Leipzig derzeit in einer äußerst guten Position - ähnlich wie der FC Bayern eine Liga höher. 

Doch offenbar sieht Rangnick seinen Verein, mit dem er derzeit als Sportdirektor und Trainer stramm in Richtung Bundesliga marschiert, in manchen Bereichen sogar besser aufgestellt als den deutschen Rekordmeister. Oder sind seine aktuellen Aussagen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung schon als Vorgriff auf den Kampf um die Vorherrschaft im deutschen Fußball zu sehen?

Rangnick bezweifelt hundertprozentige Einstellung der Bayern

Zu seiner Motivation nimmt Rangnick zwar keine Stellung, doch seine Seitenhiebe auf den FC Bayern sorgen für einigen Wirbel. Streut der einst als "Fußball-Professor" verschriene Taktikexperte doch jede Menge Salz in Bayerns Wunden. Kostprobe gefällig? Dann los!

Gefragt, was der Grund für die vielen Muskelverletzungen beim deutschen Brancheprimus oder auch bei Real Madrid seien, antwortet Rangnick eindeutig zweideutig. Zwar räumt der 57-jährige Schwabe ein, dass dieser Sachverhalt aus der Ferne zwar schwer zu beurteilen sei. Dennoch könne er aus "fachlicher Distanz" sagen: "Spieler, die sich mit Haut und Haaren ihrem Beruf verschreiben, sind in aller Regel selten verletzt." Wie bitte? Will Herr Rangnick damit etwa die Identifikation der Bayern-Profis mit ihrem Beruf anzweifeln?

In Leipzig habe er dieses Problem mit seinen Spielern nicht. "Wir haben bei RB kaum Muskelverletzungen, obwohl unsere Spielweise hochintensiv ist", tönt Rangnick, der es als Coach der TSG Hoffenheim schaffte, innerhalb von zwei Jahren aus der Drittklassigkeit (damals Regionalliga Süd) in die Bundesliga aufzusteigen und als Neuling dem FC Bayern die Herbstmeisterschaft wegzuschnappen.

Rangnick: Zusammenspiel zwischen Trainer und Stab muss stimmen

Und als wäre die eine Unterstellung mit der mangelnden Berufseinstellung noch nicht genug, diagnostiziert Rangnick aus der Ferne auch den Grund, warum es beim Dosenklub aus Leipzig nur sehr wenige Muskelverletzungen gebe - im Gegensatz zum FC Bayern.

"Entscheidend dabei ist auch das enge Zusammenspiel zwischen dem Trainer und seinem gesamten Stab", glaubt Rangnick. Mehr als nur eine Anspielung auf das mitunter, sagen wir: schwierige Verhältnis zwischen FCB-Coach Pep Guardiola und seinem medizinischen Stab, das unter anderem die Vereinsikone Doktor Müller-Wohlfahrt ihren Job gekostet hatte.

Wohl vergessen hat Rangnick bei seinen Ausführungen, dass die Profis des Rekordmeisters ganz anderen Belastungen ausgesetzt sind als die Kicker von RB Leipzig. Während Lahm, Neuer, Müller und Co. über viele Monate hinweg häufig drei Spiele pro Woche absolvieren müssen, weil sie durch Liga, Champions League, DFB-Pokal und Länderspiele im Dauer-Wettbewerb stehen, haben Rangnicks Profis eigentlich nur am Wochenende Pflichtspieldienst. Im Pokal schieden die Leipziger bereits Ende Oktober in der 2. Runde des Pokals aus - gegen Viertligist Unterhaching.

Denis Huber

Denis Huber

E-Mail:denis.huber@merkur.de

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