Supercup-Duell

Müller zur Causa Hummels: BVB-Fans sollten "Dankbarkeit zeigen"

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Alle Mann an Bord: Mit Thomas Müller (l.), Robert Lewandowski und den anderen Nationalspielern reist der FC Bayern nach Dortmund.

München - Die Bayern treffen im Supercup auf den ewigen Rivalen Dortmund – es winkt der unwichtigste Titel der Saison. Thomas Müller spricht über die Rückkehr von Mats Hummels.

Es ist in diesen Tagen, da der FC Bayern endlich fast alle Spieler im Training hat und ausnahmslos jeder den neuen Trainer Carlo Ancelotti lobt, gar nicht so leicht, einen Kritikpunkt zu finden. Aber Thomas Müller hat es natürlich trotzdem geschafft. Gestern wies er aus gegebenem Anlass auf die „verfehlte Transferpolitik“ hin, die zuletzt alarmierende Ausmaße erreicht habe. Nachdem von den Leistungsträgern „einer nach dem anderen abhanden gekommen“ sei, habe der Verein diesen Sommer mit einem Kraftakt nachrüsten müssen. Also kam Mats Hummels aus Dortmund. Endlich hat die Schafkopfrunde Verstärkung.

Eine Woche vor dem ersten Pflichtspiel der Saison (Pokal in Jena) und zwei vor dem Bundesliga-Auftakt (gegen Bremen) ist beim FC Bayern noch jede Menge Zeit zum Blödeln. Dass am Sonntag ein offizieller Pokal zu gewinnen ist und das ausgerechnet beim nationalen Lieblingsrivalen Borussia Dortmund, ändert daran nichts. Die Tatsache, dass es um einen Titel geht, verleiht dieser Begegnung nur eine sehr eingeschränkte Relevanz.

"Es geht um den ersten Titel"

Einerseits geht es immerhin um den Supercup. Jedes Jahr im August spielen Meister und Pokalsieger gegeneinander, und weil die dauersiegenden Bayern schlecht gegen sich selbst antreten können, kommen die in beiden Wettbewerben zweitplatzierten Westfalen ins Spiel. „Es geht um den ersten Titel“, erinnert Müller. Da man als Bayern-Profi grundsätzlich „alles gewinnen will, was es zu gewinnen gibt“, werden die Gäste schon mit Ehrgeiz in diese Partie gehen. Lieber starte er mit so einem Duell in die Saison, bekennt Müller, der erst vor einer Woche aus dem Urlaub zurückgekehrt ist, „als mit einem 08/15-Spiel“.

Andererseits ist es halt auch der unwichtigste Titel der Saison. Ein 08/15-Titel. Der BVB hat in der allgemeinen Wahrnehmung während der letzten vier Jahre nichts gewonnen und stand immer im Schatten der Bayern. Dass die Borussen zweimal den Supercup holten und dabei beide Male den FC Bayern bezwangen (2013 und 2014), ist außerhalb von Dortmund nur Insidern geläufig.

Tuchel findet Spiel überflüssig

Selbst Thomas Tuchel, der bekanntermaßen ehrgeizige Trainer der Schwarz-Gelben, gibt freimütig zu, er könne „auf den Supercup gut verzichten“. Nach dem radikalen Umbau des Kaders und einer aufwändigen Marketingreise nach China hat er in der Basisarbeit so viel zu tun, dass jeder Trainingstag wertvoll ist. Tuchel ist noch gar nicht bereit für die Bayern. Treffen mit denen, das kommt erschwerend hinzu, sind emotional stets aufgeladen.

In diesem Jahr erst recht. Über die ganz normale Rivalität hinaus werfen die Personalien Hummels und Mario Götze lange Schatten auf den Sonntag. Die Rückkehr Götzes, der in Dortmund drei Jahre lang Stadtfeind Nummer eins war, ist von BVB-Seite immerhin so geschickt moderiert worden, von öffentlicher Reue bis zur Charme-Offensive, dass die ganz große Protestwelle ausgeblieben ist. Hummels aber, der langjährige Projektleiter, dürfte am Sonntag nicht so glimpflich davonkommen.

"Piffe wären Quatsch"

Die Bayern wissen, was sie (und ihren neuen Innenverteidiger) erwartet. „Pfiffe wären vollkommener Quatsch“, sagt Thomas Müller zwar und regt an, man könne als Borussen-Fan „auch mal ein bisschen Dankbarkeit zeigen“ nach so vielen Jahren in schwarz-gelben Diensten. Aber so tickt die Basis nun mal nicht, weswegen der Weltmeister vorsorglich darauf hinweist, sein Kompagnon Hummels sei ja „sehr erfahren, was den Fußball-Zirkus anbelangt“.

Kurzfristig mögen die überschießenden Emotionen eine Rolle spielen, aber viel mehr als Folklore wird das nicht sein. Beide Klubs legen Wert auf die Feststellung, wie stabil und harmonisch das Verhältnis geworden ist. Ausgerechnet die jüngsten Transfers (Götze, Hummels, auch Sebastian Rode), die die Fans so beschäftigen, dienen ihnen als Beleg, wie problemlos man kommuniziert.

Bitte lächeln! Die Bayern posieren fürs Mannschaftsfoto

Einem Belastungstest unterzogen wird das Verhältnis erst wieder, wenn der BVB dem Branchenprimus näherrückt. Der Supercup wird darüber keinen Aufschluss geben. Müller zum Beispiel fühlt sich zwar bereit, „aus dem Urlaub heraus 90 Minuten zu spielen. Aber das Wie ist die Frage.“ Und deshalb erwartet er vom Sonntag noch nicht viel. Schön findet er allerdings, dass man mal wieder im Mannschaftsbus unterwegs ist. Das hat ihm zuletzt gefehlt. Auf Busfahrten spielen jene Bayern, die es beherrschen, gerne Schafkopf.

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