Etappen zum großen Ziel

Mini-Rotation gegen Rostow: Ancelotti über "seinen" Wettbewerb

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In aller Freundschaft: Costa und Ribery beim Abschlusstraining – am Dienstag dürfte nur einer in der Startelf stehen.

München - Der FC Bayern startet am Dienstag die große Mission Champions-League-Titel. Der erste Gegner ist wenig namhaft. Da stolpert sogar FCB-Coach Carlo Ancelotti.

Mit der Zeit, in der es auf dem Feld Schlag auf Schlag geht, beginnt für Trainer des FC Bayern stets eine Phase, in der sie neben dem Platz besonders häufig unter Beobachtung stehen. Im Schnitt zwei Mal pro Woche muss sich Carlo Ancelotti derzeit vor die Medienvertreter setzen, und man muss sagen: Er macht das wirklich sehr gut mit der deutschen Sprache. Kommt selbstbewusst rein, startet stets motiviert, fragt ab und an seinen Dolmetscher um Rat, und wechselt dann meist erst gegen Ende, wenn die Konzentration nachlässt, ins Englische. Nur gestern, da hatte der 57-Jährige schon vergleichsweise früh einen kleinen Hänger. Und zwar bei der Frage: „Was wissen Sie vom FK Rostow?“

Natürlich wirkte es ein wenig ulkig, dass Ancelotti – der zuvor weitaus komplexere Fragestellungen verstanden und beantwortet hatte – ausgerechnet bei dieser vergleichsweise simplen Probleme hatte. Aber in diesem Moment, über den er nach der Aufklärung durch seinen Nebenmann selbst schmunzeln musste, steckte auch ein Stück Aussagekraft. Ja, die Bayern starten heute Abend (ab 20.45 Uhr bei uns im Live-Ticker) mit dem Auftaktspiel der Gruppe D in die Champions League. Aber: Eben nur gegen den russischen Vizemeister. Den kennt man halt nicht so.

Rostow zerlegt Ajax Amsterdam

Ein Warmspielen unter Wettkampfbedingungen, so könnte man das umschreiben, was die Bayern da vor heimischer Kulisse erwartet. Zwar wurden die Beteiligten am Tag vor dem Spiel nicht müde, darauf hinzuweisen, dass Rostow in den Playoffs 4:1 gegen Ajax Amsterdam gewonnen hat. Trotzdem ist durchaus auch in den eigenen Reihen bekannt, dass das „Team ohne Superstars“ (Ancelotti) den Bayern lediglich durch gute Defensivarbeit das Leben schwer machen kann. Als „tough“ beschrieb Ancelotti die Elf von Trainer Dimitri Kiritschenko, er erwartet die Gäste „mit fünf Verteidigern“. Und Thomas Müller war sich sicher, dass das Spiel an seinem 27. Geburtstag „kein Geschenk, sondern harte Arbeit“ werde: „In solchen Partien wird uns Offensivspielern meist noch mehr abverlangt.“

Es gehört zum Geschäft, vermeintlich unterlegene Gegner nicht klein zu reden, aber der Trainer gab auch zu, dass es erst „im März und April wichtig“ werde. Die Ziele bis dahin: „Einen guten Start erwischen“ (Manuel Neuer) und „die Gruppe gewinnen“ (Ancelotti). Mini-Etappen auf dem Weg zur großen Mission, dem Finale am 3. Juni 2017 in Cardiff. „Wir haben das Potenzial“, sagte Ancelotti. Und Neuer ergänzte: „Unser Hunger ist nie gestillt. Wir treten an, um ganz oben zu stehen.“

Ancelotti kann Champions League

Zwei Mal als Spieler, drei Mal als Trainer hat Ancelotti den Henkelpott schon in den Händen halten dürfen. Müller hofft, „dass er da ein besonderes Gespür hat“. Ancelotti selbst sprach von einer „speziellen Beziehung zur Königsklasse“, weil sie beim AC Mailand so einen hohen Stellenwert einnahm. Mit Milan triumphierte er zwei Mal.

Die Bayern haben zuletzt vor vier Jahren gewonnen, der Start aber ist ihnen so gut wie immer geglückt. Die letzten zwölf Auftaktspiele in der europäischen Beletage waren siegreich – mit einem Torverhältnis von 25:2. Angst, dass man den Gegner unterschätze, hat Müller aber sowieso nicht: „Dass wir mal lasch oder ohne Konzentration gespielt haben, habe ich selten erlebt.“

Ancelotti kündigt Rotation an

Zusätzlich zur besonderen Kulisse des Abendspiels dürfte der zunehmende Konkurrenzkampf die Münchner pushen. „Ausruhen kann sich niemand erlauben“, sagte Müller. Ancelotti kündigte an, die hohe Dichte im Kader die gesamte Saison über nutzen zu wollen. Er werde aus zwei Gründen viel rotieren: „Ich will alle Spieler frisch und die Motivation hoch behalten.“

Gegen Rostow steht Douglas Costa – beim 2:0 noch als Joker durchaus erfrischend – vor seinem Startelf-Debüt in der laufenden Saison. Zu früh allerdings kommt die Partie für Kingsley Coman, der sich für das Heimspiel gegen Ingolstadt am Samstag fit macht, sowie für Arjen Robben und Jerome Boateng, die womöglich kommende Woche bei vollen Kräften sein könnten. Dann stehen Partien gegen Hertha BSC und beim Hamburger SV an. Mannschaften, mit denen sich Ancelotti noch nicht beschäftigt hat. Denn er sagte gestern mit ernster Miene: „Ich denke jetzt nur an Rostow.“ Da gab es wohl Einiges nachzuholen.

Vor Rostow-Match: Fotos vom Abschlusstraining der Bayern

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