Was sich danach verändert hat

Steuerrecht-Experte erklärt den „Hoeneß-Effekt“

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Uli Hoeneß wurde im März 2014 zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt.

München - Uli Hoeneß wird am Freitag wieder zum Präsidenten des FC Bayern gekürt werden. Nachdem er verurteilt wurde, hat sich einiges 

Am Freitag schließt sich der Kreis für Uli Hoeneß. Im Münchener Audi Dome, wo die Basketballer des FC Bayern München ihre Heimspiele austragen, sagte der gerade als Steuersünder verurteilte Hoeneß im Mai 2014 bei der Jahreshauptversammlung seines Clubs: "Das war's noch nicht." Am selben Ort wird er sich nun am Freitagabend von den Mitgliedern des FC Bayern wieder zum Präsidenten wählen lassen. 

Mancher Journalist, der bei der Besichtigung des Gefängnisses in Landsberg am Lech im März 2014 dabei war, zweifelte an der nun kurz bevorstehenden Rückkehr von Hoeneß. Der alte Bau mit seinen engen Zellen und kalten Gefängnismauern, die Häftlinge mit einem Strafregister bis hin zum doppelten Kindermord - ein Aufenthalt in diesem Gefängnis schien für Hoeneß, der die VIP-Lounges der deutschen Fußballrepublik gewohnt war, eine äußerst schwere Prüfung.

Netzer: „Verändert hat er sich nicht“

Zwar verließ Uli Hoeneß deutlich schlanker das Gefängnis. Direkt in Landsberg am Lech musste er nur sieben Monate verbringen, danach übernachtete er im offenen Vollzug in einer Außenstelle des Gefängnisses. Eine Wesensveränderung konnten Weggefährten aber nicht feststellen. "Verändert hat er sich nicht, aber er gibt sicher nicht alles preis", sagte Weltmeisterkollege Günter Netzer gerade dem Fußballmagzin "Kicker". Hoeneß habe die schlimme Zeit überwunden. "Daran nicht zu zerbrechen zeigt die Stärke dieses Manns."

In den Worten schwingt viel Wohlwollen mit, auch bei allen Äußerungen aus seinem Verein und bei den meisten anderen Clubs ist dies gegenüber dem 64-Jährigen zu spüren. Dass der im März 2014 zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilte Hoeneß noch immer unter Bewährung steht und nun dennoch wieder in eine Vorbildfunktion auch für viele Kinder und Jugendliche kommt, erscheint nur wenigen fragwürdig. Nach Bekanntwerden seines Falls war dies noch anders.

Wogen haben sich geglättet

Thomas Eigenthaler, Vorsitzender der Deutschen Steuergewerkschaft.

Doch die Wogen haben sich nicht zuletzt durch von Hoeneß insgesamt an den Fiskus gezahlte rund 49 Millionen Euro geglättet. Thomas Eigenthaler, der Vorsitzende der Deutschen Steuergewerkschaft, stellte nach dem Gerichtsprozess noch eine andere Wirkung fest: "Die Bevölkerung hat gespürt, dass der deutsche Rechtsstaat auch vor Promis nicht halt macht." Der damit ausgelöste "Hoeneß-Effekt" lässt sich gut nachweisen. Im Jahr 2012 und damit vor dem Fall gab es in Deutschland lediglich gut 8000 Selbstanzeigen. Hoeneß hatte auch solch eine zur Strafbefreiung gedachte Selbstanzeige abgegeben, diese war aber fehlerhaft. Nach Bekanntwerden des Falls erhöhte sich die Zahl auf fast 28.000 Fälle, im Jahr des Urteils 2014 auf den Rekordstand von fast 40.000. Allein 2014 gab es Nachzahlungen von mindestens 1,3 Milliarden Euro.

Inzwischen sind die Regeln für die Selbstanzeigen allerdings deutlich verschärft. Ab dem kommenden Jahr wird es noch schwieriger für Steuersünder, weil der internationale automatische Finanzkontenaustausch kommt. "Der Fall Hoeneß ist in seiner Wirkung mittlerweile verblasst und von diesen Maßnahmen überholt worden", sagt Eigenthaler. Wer nun noch irgendwo Schwarzgeld gebunkert habe, "dem muss man eine steuerliche Dummheit bescheinigen".

Hoeneß: „Werde mich noch viel stärker für die Kleinen einsetzen“

Auch Hoeneß, der durch Börsenspekulationen die Steuerschulden aufhäufte, dürfte seine persönliche steuerliche Dummheit wohl kaum wiederholen. Nachdem er seine Frau Susi vom Comeback überzeugen konnte, will er nun sein Image ändern - zumindest ein bisschen.

"Das deutliche Wort wird weiter mein Markenzeichen sein, das wird sich nicht ändern, ich werde nicht herumeiern",sagte er dem "Kicker". Aber in einem Punkt soll es doch einen neuen Hoeneß geben: "Ich werde mich noch viel stärker für die Kleinen einsetzen, darin wird die entscheidende Veränderung des Uli Hoeneß bestehen."

AFP

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