FCB-Spieler galt als eigentlich als Ziehsohn

Warum es Thiago ohne Pep Guardiola besser geht

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Spaniens Nummer 10: Bayerns Thiago bekam von Nationaltrainer Lopetegui gegen Liechtenstein ein Extralob.

München - Was für eine wunderliche Wende. Eigentlich galt Thiago als Pep Guardiolas Ziehsohn. "Thiago oder nix". Doch jetzt sieht alles plötzlich ganz anders aus. 

Es ist schon komisch. Da ist der Sommer zu Ende gegangen mit den abenteuerlichsten Millionentransfers, und Pep Guardiola durfte gewiss nicht die geringsten Beträge in die bekannte Fußballwelt pusten – doch man wartete vergeblich auf einen bestimmten Satz aus Manchester: „Thiago or nothing“. Das wäre die englische Abhandlung von Guardiolas berühmtem „Thiago oder nix“ aus dessen Startzeit als Trainer des FC Bayern gewesen. Aber von der Insel kam: nix.

Es gab viele, die fest davon ausgegangen sind, der Mittelfeldspieler werde dem Trainer nach England folgen. Er galt stets als Ziehsohn von Guardiola, seit dieser den 18-jährigen Thiago beim FC Barcelona zu fördern begonnen hatte. Die beiden getrennt voneinander schienen schwer vorstellbar. Doch der Emanzipationsprozess läuft erstaunlich flott. Thiago wirkt befreit.

Schon auf der USA-Reise der Bayern war bei Thiago eine neue Freude am Spiel zu erkennen. Es wird ja derzeit viel jubiliert über die Freiheiten, die Carlo Ancelotti den Münchner Spielern nun auf dem Platz gewährt. Die Akteure wirkten gelöst von Peps Fesseln, heißt es. Klingt gut, ist aber nicht die ganze Wahrheit – bei Thiago jedoch greift die These mehr als bei seinen Kollegen. Er stand bei Guardiola immer unter besonderem Druck. Ein bisschen ist es nun so wie bei einem Teenager, wenn der Papa verreist ist: Endlich sturmfreie Bude. Man kann machen, was man will. Und in Thiagos Fall lautet die gute Botschaft: Papa Pep kommt nie mehr zurück.

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Dieser Thiago Alcantara ist ein Phänomen: eigentlich ein Produkt von „La Masia“, der Talentschmiede des FC Barcelona, eigentlich auch ein Produkt von Pep Guardiola – aber auch einer, bei dem die brasilianischen Wurzeln (Vater Mazinho, sein echter Vater, wurde mit der Selecao 1994 Weltmeister) gelegentlich hervortraten. Bei Barca pfiffen die Fans, wenn er die Ballstafetten mit einem Hackentrick durchbrach, besonders, wenn seine Kunststücke floppten. Sie hießen ihn bald „pavo real“, Pfau, weil er so überheblich durchs Mittelfeld stakste und die eigene Kunst übers Kollektiv stellte. Guardiola nannte ihn „den mutigsten Spieler, den ich kenne“. Ancelotti könnte der Trainer sein, bei dem der Mut nicht durch Strategie erstickt wird.

Auch Julen Lopetegui hat Thiago nun nach dem 8:0 gegen Liechtenstein extra gelobt. Spaniens neuer Nationalcoach kennt den 25-Jährigen aus den Juniorenteams. Seit 2010 liefen sie sich regelmäßig über den Weg, 2013 gewann sie die U-21-EM. Thiago war damals Lopeteguis Kapitän, er wurde zum Besten des Turniers in Israel gekürt, und beim 4:2 im Finale in Jerusalem gegen Italien schoss der Regisseur die ersten drei Treffer gleich mal selbst. In der WM-Qualifikation bekam er von seinem einstigen Förderer das Trikot mit der Nummer 10, was eine Ehre und ein Auftrag ist: Führe uns in die Zukunft. Sonst trug das Dress Cesc Fabregas, doch der löste nie das Versprechen ein, eine echte Stütze zu werden. Aber auch für Thiago ist natürlich noch viel Luft nach oben. Er spielte gegen Liechtenstein in den ersten 45 Minuten, und zur Pause führte man erst 1:0.

Thiago steht an einer wichtigen Kreuzung seiner Karriere. In der Nationalelf soll er mehr Verantwortung übernehmen, bei den Bayern endlich das verlässliche Metronom des Spiels werden. Er hat noch einen Vertrag bis 2019, doch in Renato Sanches wurde für viel Geld eine junge Alternative eingekauft. Der Pfau, der nun nicht mehr in Guardiolas Käfig steckt, sollte seine Freiheit nutzen.

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