Sieg gegen Dortmund

Darum war der Supercup alles andere als belanglos

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Geht doch: Niemand genoss den Supercup am Sonntag mehr als Thomas Müller nach dem Tor zum 2:0.

München - Thomas Müller hat mit seinem Tor im sportlich belanglosen Supercup eine lästige Debatte entschärft.

So richtig super ist am Supercup nur der Titel. Pep Guardiola, der Liebhaber opulenter Lobeshymnen, hätte an der Veranstaltung sicher Gefallen gefunden – wenn er den Vergleich zwischen Meister und Pokalsieger in drei Versuchen mit dem FC Bayern auch nur ein einziges Mal gewonnen hätte. So aber blieb die Veranstaltung auch in der Wahrnehmung des damaligen Trainers immer ein reiner Vorbereitungswettbewerb. Selbst das ZDF, das für die Übertragungsrechte viel Geld bezahlt hat, verlieh ihm in einem Akt öffentlich-rechtlicher Glaubwürdigkeit am Sonntag bei der neuesten Auflage in einem Nebensatz das Prädikat „belanglos“.

Belanglos? Dagegen spricht der Auftritt von Thomas Müller. Seine Reaktion auf das 2:0 war die reine, unverfälschte Freude, einhergehend mit Zähnefletschen und Fäusteschwingen. Müller bejubelte sein Tor wie ein Mann, der schon lange kein Tor mehr zu bejubeln hatte. Und so war es ja auch.

Sein bis Sonntag letzter Vereinstreffer aus dem Spiel heraus datiert vom 30. April. Danach war er nur noch beim Pokalfinale gegen Dortmund im Elfmeterschießen erfolgreich. Andere, ähnlich wichtige Strafstöße gelangen ihm weniger gut, sowohl im Champions League-Halbfinale gegen Atletico Madrid als auch im EM-Viertelfinale gegen Italien scheiterte er vom Kreidepunkt. Weil er auch sonst während des gesamten Turniers zwar wie gewohnt ackerte, aber kein zählbares Ergebnis erzielte, lernte das sonnige Gemüt Müller in diesem Sommer erstmals ein paar Schattenseiten kennen.

Noch letzte Woche sprach er vom EM-Aus gegen Frankreich und dem Kopfball, den er in der Schlussminute anbrachte, den dummerweise aber der französische Torwart parierte. Ein so später Treffer, ahnte er, hätte zwar am Aus nichts mehr geändert, „aber ich hätte meine Ruhe gehabt“. Das Müller-trifft-nicht-Thema hätte sich in diesem Fall erledigt.

Thomas Müller: Zehn Prozent Egoismus

Sechs Wochen später ist es nun endlich soweit. Man musste nicht in Psychologie promoviert haben, um am Sonntag zu verstehen, was dieses Tor seinem Schützen bedeutete. Ob der spielentscheidende Kopfball zum 2:0 auch für ihn persönlich befreiend gewirkt habe, wurde er später gefragt. Und Müller antwortete mit der typisch Müllerschen Mischung aus Witz und Ernst, er habe sich in diesem Moment „zu 90 Prozent“ darüber gefreut, dass seine Mannschaft den Supercup fast sicher habe. Die übrigen zehn Prozent genehmigte er sich dann aber doch zur Pflege seines lädierten Stürmer-Egos.

Die klassische Debatte darüber, wann es endlich klingelt, sollte sich erledigt haben. Tore, sagte Müller noch, seien „immer gut für mich“, das Erzielen bereite ihm Spaß, aber was besonders wertvoll sei: „Sie geben mir Ruhe vor nervigen Fragen.“ Und so hat der Supercup, dieses offiziell anerkannte Vorbereitungsspiel auf gehobenem Niveau, seinen ganz persönlichen Zweck erfüllt.

Nach der Partie gewährte Thomas Müller noch einen speziellen Einblick ins Innenleben der Bayern. Via Twitter verbreitete er ein Jubelfoto aus der Kabine mit Philipp Lahm, Co-Trainer Paul Clement und Supercup. Müller flachste und feixte, aber das war diesmal nicht das Interessanteste. Im Hintergrund stand die Taktiktafel. Zu sehen war der Plan für einen Eckball. Wie vor dem 2:0.

Dreimal die 2: Bayern mit Glück - Noten und Bilder vom Sieg

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