Fehlschütze bekommt aber Rückendeckung

Ausgerechnet Müller! Erster Makel für den Fanliebling

+
Thomas Müller (r.) war nach dem Spiel sichtlich geknickt.

München - Thomas Müller war bisher ein Spieler ohne Makel. Doch der verschossene Elfmeter gegen Atlético Madrid verschafft ihm den wohl schwierigsten Moment seiner bisherigen Karriere.

Die Kollegen von Thomas Müller machten es anders. Und auch der Pechvogel des Abends hätte alle Möglichkeiten gehabt: Kapuze überziehen, Kopfhörer auf die Ohren. Es gibt einige Tricks, um als Fußballprofi ganz lässig zu signalisieren, dass man keine Lust auf Sprechen hat. Genauso gibt es aber zwei Dinge, die Thomas Müller von seinen Mitspielern unterscheiden. Erstens steht der 26-Jährige nicht unbedingt für besondere jugendliche Lässigkeit. Und zweitens spricht er. Immer. Auch in einer Situation wie jener am Dienstag. Einer, die man ohne zu übertreiben als eine der schwersten seiner Karriere bezeichnen kann.

Rummenigge: "Es gibt keinen Vorwurf an Thomas Müller"

„Wir haben heute zwei Fehler gemacht. Wir haben einen Elfmeter verschossen und beim Gegentor ein kleines Fehlverhalten gezeigt“, sagte Müller nach dem 2:1 gegen Atletico Madrid. Er sah gezeichnet aus, so sehr, dass man sich fast Sorgen machen wollte, ihn trösten für das, was ihm beim Stand vom 1:0 widerfahren war. Müller hatte die Möglichkeit gehabt, schon vor der Halbzeit dieses Rückspiels im Champions League-Halbfinale per Strafstoß das 2:0 zu erzielen. Das Tor, dass das Spiel entscheidend verändert hätte. Atlético hätte seine Taktik ändern müssen, sich nicht mehr auf die Defensive konzentrieren können, sondern ein Tor gebraucht. Aber Atléticos Keeper Jan Oblak parierte den schwach geschossenen Ball.

„Es hätte uns gut getan, auf jeden Fall“, gab Müller zu, fügte aber an, was auch seine Kollegen versicherten: „Das Weiterkommen hätte es auch nicht garantiert.“ Karl-Heinz Rummenigge sprach von einer „sicherlich unglücklichen Szene“, lobte Müller aber für die Verantwortung, die er übernommen hatte. Ohnehin seien Debatten im Nachhinein sinnlos: „Es nützt nichts. Es gibt keinen Vorwurf an Thomas Müller.“

Man muss Müller nicht allzu gut kennen, um sich sicher sein zu können, dass er sich die Vorwürfe selber macht. Dass ausgerechnet er – Fanliebling, Identifikationsfigur, Torgarant und nach der Nicht-Berücksichtigung im Hinspiel ohnehin im Mittelpunkt – in diesem Spiel einen Strafstoß verschoss, passte zu einem Abend, an dem die Erklärbarkeit des Fußballs mehrfach an seine Grenzen gestoßen ist. So oft hatte er in dieser Saison den Unterschied gemacht, Bayern gegen Juve in die Verlängerung gerettet, sein Team zuletzt ins Pokalfinale geschossen. Seinen Status als Mann für die entscheidenden Minuten hat er immer wieder untermauert. Aber Müllers persönlich wohl bisher beste Spielzeit hat nun einen Makel.

Dabei war es nicht der erste Elfmeter, den Müller in der laufenden Spielzeit verschoss – aber der einzige, der Folgen hatte. Vier der letzten acht Strafstöße des ersten Schützen der Bayern ging zuletzt nicht ins Tor. „Ich habe da ein bisschen was umgestellt. Ich habe hoch geguckt, da stand er noch, und dann habe ich eigentlich nicht ganz schlecht geschossen“, erklärte er. Ein richtig guter Versuch aber war es auch nicht.

Er selbst überlegte in der Nacht zum Mittwoch, „ob es eine Steigerung von bitter“ gebe. „Bitter, bitter?“ fragte er mit leerem Blick. Die Antwort wartete er nicht mehr ab. Müller verschwand in die Nacht. So wie er war. Ohne Kopfhörer, ohne Kapuze.

hls

auch interessant

Meistgelesen

Banner in der Südkurve: FCB-Fans protestieren gegen UEFA
Banner in der Südkurve: FCB-Fans protestieren gegen UEFA
Winter-Transfers: Die Bayern-Streichliste
Winter-Transfers: Die Bayern-Streichliste
Lewys schöner Baby-Torjubel - Müller reißt schon wieder Witze
Lewys schöner Baby-Torjubel - Müller reißt schon wieder Witze
Kommentar zum FCB: Gruppenzweiter ist kein Nachteil
Kommentar zum FCB: Gruppenzweiter ist kein Nachteil

Kommentare