Trainerwechsel nach möglichem Triple?

Tuchel zieht nach München: "Prädestiniert für Bayern"

Pep Guardiola, Thomas Tuchel, FC Bayern
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Pep Guardiola und Thomas Tuchel (r.) haben eine ähnliche Idee vom Fußball.

München - Die Nachricht an sich ist nicht spektakulär. Doch wenn ein begehrter Bundesliga-Coach seinen Wohnort nach München verlegt, schießen die Spekulationen natürlich ins Kraut.

Update vom 21. März: Am 26. Spieltag der Bundesliga kann Pep Guardiola wieder einen Schritt auf dem Weg zu seinem zweiten deutschen Meistertitel machen (für den Verein wäre es des 25.): Am Sonntagnachmittag empfängt der FC Bayern in der heimischen Allianz Arean den Tabellendritten Borussia Mönchengladbach. Zu diesem Bundesliga-Klassikerduell bieten wir natürlich wieder einen Live-Ticker.

Die reine Nachricht ist so nüchtern wie unspektakulär: Ein 41-jähriger Mann mit vielversprechenden Karriereaussichten verlegt im März mitsamt seiner Familie seinen Wohnsitz von Mainz nach München. Doch da es sich bei dem jungen Herrn um Thomas Tuchel handelt, wie die Mainzer Allgemeine Zeitung berichtet, bekommt die Neuigkeit eine zumindest für Fußballfans höchst interessante Note.

Denn Thomas Tuchel ist nicht irgendwer, sondern einer der begehrtesten Bundesliga-Trainer dieser Tage. Der Coach, der den Begriff des "Matchplan" neu in den Profifußball importierte, bewies beim 1. FSV Mainz 05, dass er über überragende taktische Kenntnisse und hervorragende Fähigkeiten in punkto Motivation und Gegneranalyse verfügt. Was will Tuchel in München? Warum zieht er dorthin, drei Monate, bevor er nach einem Jahr Pause wieder als Trainer arbeiten will?

Vereine stehen Schlange bei Tuchel

In seinen fünf Jahren bei den Rheinhessen, die er im August 2009 als damaliger A-Jugendtrainer übernahm, impfte er seiner Mannschaft einen hochattraktiven Angriffs- und Tempofußball ein, in der Saison 2010/11 legte er mit den damals bundesweit für Furore sorgenden "Bruchweg Boys" um Lewis Holtby, Adam Szalai und Andre Schürrle einen furiosen Start mit sieben Siegen in sieben Spielen hin - unter anderem triumphierten die 05er damals auch mit 2:1 in der Allianz Arena beim FC Bayern.

2014 dann ließ Tuchel seinen Vertrag in Mainz völlig überraschend ruhen und legte ein sogenanntes Sabbatjahr ein, um die im stressigen Bundesliga-Geschäft aufgebrauchten Kräfte wieder aufzufüllen. Doch seinem Ruf hat diese Aktion nicht geschadet - im Gegenteil: Sobald irgendwo ein attraktiver Cheftrainerposten zu besetzen ist, wird Tuchel gehandelt. Zuletzt vor allem beim ambitionierten Zweitligisten RB Leipzig. Der mit hohem finanziellen Einsatz in die Bundesliga strebende Verein dementiert das Interesse auch nicht.

Option Leipzig scheidet für Tuchel wohl aus

"Natürlich erfüllt Thomas unser Anforderungsprofil. Dass es mal einen telefonischen Kontakt gab, seit Alexander Zorniger nicht mehr Trainer ist, ist doch logisch", sagte Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick Anfang März. Doch Tuchel würde wohl nur im Falle des Aufstiegs nach Leipzig kommen - bei neun Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz und nur noch neun ausstehenden Spieltagen scheint der Bullen-Sprung in die Eliteklasse allerdings in dieser Saison nicht mehr realistisch. "Wir können nicht davon ausgehen, dass wir ihn bekommen", weiß auch Rangnick. Zumal Tuchel, wie die Mainzer Allgemeine Zeitung spekuliert, auch keine Lust habe, sich von Rangnick in die Aufstellung reinreden zu lassen.

Warum also nun Tuchels Umzug in die bayrische Landeshauptstadt? Sicher, München ist eine Stadt mit extrem hoher Lebensqualität - doch ist das allein der Grund? Oder geht es um einen neuen Trainerjob? Da bieten sich in München theoretisch zwei an: einer beim FC Bayern und einer beim TSV 1860 München. Da die Löwen aber wie die Leipziger Bullen in der nächsten Spielzeit maximal ein Zweitligaverein sein werden, scheidet diese Option mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus.

Heynckes: Tuchel ist prädestiniert für Trainerjob bei Bayern

Bleibt also der FC Bayern. "Ich traue ihm zu, jede deutsche Spitzenmannschaft zu trainieren. Auch den FC Bayern München", sagt Mainz-Manager Christian Heidel. An der Säbener Straße ist Chefcoach Pep Guardiola noch mit einem Arbeitspapier bis 2016 ausgestattet. Die Wertschätzung, die der Spanier bei FCB-Verantwortlichen und -Spielern erfährt, könnte größer kaum sein. Und doch kann man bei Pep Guardiola nicht sicher sein, ob er seinen Vertrag auch bis zum Laufzeitende erfüllt. Zuletzt häuften sich die Meldungen aus England, wonach Manchester City sich mit großer Anstrengung um die Dienste des Trainers ab der kommenden Saison bemüht. Und wer weiß: Sollte der FC Bayern in dieser Saison das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League gewinnen, könnte Pep Guardiola nach einer neuen Herausforderung suchen. Oder er schmeißt im Falle des erneuten vorzeitigen Scheiterns in der Königsklasse vorzeitig hin. Wird Tuchel dann sein Nachfolger?

Überliefert ist, dass Tuchel in der Vergangenheit häufiger mal in München weilte, sich unter anderem auch mal mit Guardiola zum gemeinsamen Essen traf. Offenbar funken die beiden Trainer zumindest in Sachen Fußball auf einer Wellenlänge. Und einen persönlichen Bezug gäbe es darüber hinaus auch: Den 2009 verstorbenen Vater von Bayern-Verteidiger Holger Badstuber, mit dem er beim VfB Stuttgart im Jugendbereich zusammen gearbeitet hatte, bezeichnete Tuchel im Interview mit spox.com einst als seinen Mentor: "Ich kenne bis heute kaum einen Trainer, der so viel Fachwissen in sich vereint, gleichzeitig aber so viel Querdenken zulässt, sich ständig hinterfragt, fleißig arbeitet und dabei bescheiden geblieben ist. Er hat mich fachlich und menschlich sehr, sehr geprägt." Im gleichen Interview erzählt Tuchel übrigens, wie sehr ihn die Demut des FC Barcelona in der Saison 2008/09 beeindruckt habe, als die Katalanen die Champions League gewonnen hatten. Trainer damals bei Barca? Sie erraten es: Pep Guardiola!

Die Aufgabe bei Bayern zutrauen würde Tuchel einer, der es wissen muss: Guardiola-Vorgänger Jupp Henyckes. "Er ist prädestiniert, irgendwann den FC Bayern zu trainieren. Ich denke, ich habe genug Erfahrung, um sagen zu können: Das ist ein Guter", erklärte einst der Triple-Trainer. Die Grundvoraussetzung dafür, einen Wohnsitz in München, hätte Tuchel ja in naher Zukunft schon mal erfüllt...

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