Carlo Ancelotti von A(ugenbraue) bis Z(idane)

24 Dinge, die Sie noch nicht über den neuen FCB-Trainer wussten

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„Du würdest töten für ihn“: Zlatan Ibrahimovic über Carlo Ancelotti. 

München - Von Kühen, Schuhverkäufer-Söhnen, Weltstars und den Frauen: Wir haben 24 Dinge über Bayerns neuen Trainer Carlo Ancelotti gesammelt, die Sie noch nicht wussten. 

1. Augenbraue

Manch einer sagt, Ancelotti könnte ein Top-Team mit nur einer Augenbraue führen. Fakt ist: Ancelotti hat zwei Augenbrauen – aber eine, die ihn besonders charakterisiert. Die linke nämlich ist sein Markenzeichen. Clarence Seedorf, lange Zeit ein Weggefährte bei Milan, sagte einst: „Wenn seine berühmte Augenbraue zuckt, ist Ungemach im Anflug, und man sollte in Deckung gehen.“ Es gibt sogar Facebook-Fangruppen von „Carlo Ancelotti’s left eyebrow“. Beckham, David: Den Briten trainierte Ancelotti 2009 beim AC Milan. „Ich war nicht darauf gefasst, was für ein großartiger Typ er ist“, sagt Beckham, „praktisch jeder Fußballer hätte ihn gerne als Trainer.“ Noch heute erinnere er sich an Ancelottis Abschied: „Ich sah in der Kabine, wie viel Liebe die Spieler für ihn empfanden – als Mensch. Es war für sie, als verlieren sie ihren Vater.“

2. Corleone, Vito

Die Figur aus dem Mafia-Epos „Der Pate“ imponiert Ancelotti, da er „eine Führungspersönlichkeit ist, an der man sich orientieren kann, weil er sogar von seinen Feinden respektiert wird“. Der „Pate“ zeige, „dass die beiden wichtigsten Dinge Respekt und eine ruhige Autorität sind“. Im Film „Die durch die Hölle gehen“, den er über zehn Mal sah, beeindruckt ihn Robert de Niro: „Nirgendwo verkörpert er all die Idealvorstellungen, die ich von ihm sah, besser.“

3. Davide

Sohn von Ancelotti, 26 Jahre alt, stammt wie Tochter Katia aus erster Ehe mit der Italienerin Luisa. Davide spielte früher in der Jugend des AC Mailand, ist studierter Sportwissenschaftler und arbeitete bereits in Paris und Madrid mit seinem Vater zusammen. Auch bei Bayern ist er als Assistenztrainer angestellt. Davide ist sechs Jahre jünger als Katia, die Journalistin ist und unter anderem bereits bei Chelsea TV gearbeitet hat. Sie ist wiederum mit Minu Fulco verheiratet, der in Ancelottis Stab als Ernährungsberater fungiert.

3. Ehrendoktortitel

Carlo Ancelotti? Dr. Carlo Ancelotti! So viel Zeit muss sein. . . Der Trainer legt im Alltag keinen Wert auf seinen Titel, hat aber einen. Er bekam ihn im Jahr 2007 von der Universität Païssi von Hilandar in Plowdiw (Bulgarien) verliehen. Seitdem ist er Dr. honoris causa in Kommunikation und Sport.

4. Frauen

Liebt Carlo Ancelotti. Mit seiner ersten Gattin Luisa, kennengelernt in Parma, war er ab Mitte der Achtziger 25 Jahre verheiratet, unterhielt aber jahrelang eine Affäre mit der rumänischen Journalistin Marina Cretu. Im Dezember 2011 lernte er in London seine jetzige Frau Mariann kennen. Die Kanadierin war zwar mit ihrem damaligen Ehemann unterwegs, Ancelotti jedoch verliebte sich sofort. Zum Abschied sagte er auf Italienisch zu ihr: „Du wirst eines Tages meine Verlobte.“ Ein Spaß? Sein voller Ernst! Seit 2014 sind die beiden verheiratet.

5. Grübeln

„Sollte ich meine größte Schwäche benennen, würde ich sagen, dass ich manchmal etwas zu lange für Entscheidungen brauche“, sagt Ancelotti. „Ich prüfe gerne alle Aspekte – aber natürlich kann man auch zu viel grübeln. Ich sollte manchmal weniger meiner Vernunft und mehr meinem Bauchgefühl vertrauen.“

6. Humor

Ancelotti ist kein strenger Zuchtmeister. Einmal stupste ihn Zlatan Ibrahimovic bei Paris in einem Training an, er hatte das Gefühl, der Coach hätte ihn nicht gehört. Ancelotti schaute ihn todernst an: „Fass mich niemals an!“ Ibrahimovic, sonst nicht auf den Mund gefallen, erschrak: „Meinen Sie das ernst?“ Ja, beharrte der Trainer: „Rühr mich niemals an!“ Zwei Sekunden später lachte er los. „Carlo, überrumpeln sie mich nicht so“, klagte Ibrahimovic, „ich erkenne Sie ja gar nicht wieder.“

7. Ibrahimovic, Zlatan

Der Star gilt als schwer kontrollierbar, aber zwischen Ancelotti und ihn passt kein Blatt. „Er ist der beste Trainer aller Zeiten“, lobt der Schwede, „du würdest töten für ihn. Er hat nichts Gekünsteltes. Carlo ist sich immer treu. Wäre er es nicht, würde ich ihn nicht so abfeiern. Ich bin kein Schleimer.“

8. Jordan, Michael

Das Basketball-Idol aus den USA bezeichnet Ancelotti als den „vielleicht größten Einzelspieler, den der globale Sport je hatte“. Umso mehr imponiert ihm, dass er „ein noch größerer Teamplayer war“. In jeder Kabine sollte ein Zitat von Jordan hängen, so der Coach: „Von einer Sache bin ich 100 Prozent überzeugt: Talent gewinnt Spiele, aber Teamwork und Intelligenz gewinnen Meisterschaften.“

9. Kaugummi

Ancelotti ist die Ruhe in Person. Nur auf der Trainerbank sieht man ab und an, dass auch er durchaus nervös sein kann. Wie viele Kaugummis er sich in großen Spielen in den Mund schiebt, ist nicht überliefert. Es gibt aber eine Faustregel: Je wichtiger eine Partie, desto öfter sieht man den gierigen Griff in die Tasche. Dauer-Kauer sagt man zu Leuten wie ihm. Sein Trost: Es ist eine Marotte, die in der Fußballbranche auch andere haben – und Alex Fergusons letzter Kaugummi als Trainer wurde für 460 000 Euro versteigert.

10. Liedholm, Nils

Der Schwede war beim AS Rom Ancelottis erster Trainer als Profi – und ist bis heute sein Vorbild: „Ruhig, aber stark. Er hatte solches Zutrauen in seine Autorität, dass er den Spielern viel Verantwortung übertrug.“ Wer seine Regeln respektierte, hatte viel Spielraum. Einmal saß Ancelotti mit einem Mitspieler spät abends in einem Auto vor dem Teamhotel – und mit ihnen zwei Mädchen. Liedholm ertappte sie, gab ein Zeichen, das Fenster runterzukurbeln. Die Spieler erwarteten eine Brandrede, er aber sagte: „Ist da noch ein Plätzchen für mich frei?“

11. Multikulti

Ancelotti spricht neben Italienisch noch Englisch, Französisch und Spanisch. Er lernt Deutsch, doch diese Sprache fällt ihm am schwersten, gibt er zu. „Die Sprache zu lernen ist wichtig, weil es deutlich vermittelt, dass man Teil des Klubs werden will“, sagt er. Er paukt also weiter. Auf die verschiedenen Kulturen hat er eine ungewöhnliche Sichtweise: „Wenn ich in den Krieg ziehen müsste, würde ich mit den Engländern ziehen, nicht mit den Italienern oder Franzosen. Es ist absolut unerlässlich, diese Kultur zu verstehen, die ebenso machohaft ist wie die der Südamerikaner, aber auf eine ruhigere, unaufdringlichere Weise.“

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12. Nesta, Alessandro

Wenn Ancelotti einen Spieler will, ist er hartnäckig. Silvio Berlusconi zierte sich 2001, dem neuen Trainer Nesta als Einstandsgeschenk zu kaufen – Lazio Rom wollte 30 Millionen Euro, Milans Boss wollte nicht so viel Geld für einen Verteidiger ausgeben. „Herr Präsident“, sagte Ancelotti, „alle wollen hier die Champions League gewinnen, aber wenn Sie Nesta nicht kaufen, werden wir sie nicht gewinnen. Geben Sie mir Nesta, und ich gebe Ihnen die Champions League!“ Nesta kam, und 2003 holte man die Champions League. Beckham erinnert sich, dass Nesta „wie ein Schlosshund weinte“, als der Trainer Mailand 2009 verließ.

13. O sole mio

Wäre Ancelotti im Jahr 1920 schon geboren und bei den Olympischen Spielen in Antwerpen gewesen, hätte er genauso gehandelt. Als die Organisatoren die italienische Nationalhymne nicht fanden, spielten sie kurzerhand „O sole mio“. Ein Gassenhauer, der für italienisches Lebensgefühl, für „Dolce Vita“ steht – und somit auch für Ancelotti. Der 57-Jährige ist ein Genussmensch, liebt guten Wein wie gutes Essen. Sein Leibgericht: Tortellini, die verschlang er schon als Bub sonntags nach der Kirche. Ein Wohlstandsbäuchlein ist ihm lieber als Verzicht. Seine Frau Mariann sagt: „Carlo ist wie eine Hausfrau. Das Erste, was er mich fragt, wenn er morgens aufwacht, ist: Was essen wir heute Abend?“

14. Pizza

Ancelotti ist ein offener Mensch – er hat schon angekündigt, die bayerische Küche probieren zu wollen. In Madrid lebte er sich schnell ein, man könne dort „so gut essen wie fast nirgendwo anders auf der Welt“, sagt er. Nur: „Eine gescheite Pizza habe ich nicht gefunden.“ In München dürfte das leichter sein. Bereits zwei Tage nach seiner Verpflichtung im Winter hat der Nobel-Italiener „Hugo’s“ die „Pizza d’Ancelotti“ auf die Speisekarte genommen. Natürlich mit Originalzutaten aus Ancelottis Heimat Emilia Romagna, also auch der typischen Mortadella.

15. Qatar

Der Ex-Tennisspieler und heutige Geschäftsmann Nasser Al-Khelaifi lockte Carlo Ancelotti zum Jahreswechsel 2011/12 zu Paris St. Germain. Der Katari ist Präsident des Klubs und sah in Ancelotti den richtigen Mann, um sein seit Jahren investiertes Geld in Erfolg umzuwandeln. Das klappte. Der Italiener führte PSG zur ersten Meisterschaft seit 1994, wollte dann aber trotzdem lieber zu Real. Denn mit dem Scheich-Beauftragten Al-Khelaifi war er nie richtig warm geworden.

16. Reggiolo

Im rund 10 000 Einwohner zählenden Ort in der Provinz Reggio Emilia im nördlichen Teil Italiens wurde Ancelotti geboren. „Wir waren arm, aber glücklich“, sagt er über sein Heranwachsen auf dem elterlichen Bauernhof. „Respekt und Loyalität, der Wert von Geld und harter Arbeit, die Bedeutung der Familie – all dies wurde mir früh in die Wiege gelegt.“ Der Hof hatte zehn Kühe, um Milch und Parmesankäse zu produzieren. Mit 15 zog Ancelotti in ein religiöses Kolleg, weil er beim AC Parma die Akademie besuchte.

17. Sacchi, Arrigo

Als Ancelotti 1987 zum AC Mailand stieß, lernte der Mittelfeldmann den Trainer Arrigo Sacchi kennen – bis heute ist er eine prägende Figur für seine ganze Karriere. Sein Werdegang imponiert ihm bis heute: Sacchi war kein berühmter Spieler, er studierte als Sohn eines Schuhverkäufers bei Exporten in die Niederlande das „Voetbal total“ und arbeitete sich dann in Italien als Trainer nach oben. Bei Milan trainierte er mit Ruud Gullit, Marco van Basten und Frank Rijkaard die Besten, und auch Ancelotti wurde eine Schlüsselfigur. „Das System hielt das Team zusammen und stabilisierte“, erinnert sich Ancelotti, und es wurde hart gearbeitet. Manchmal band Sacchi die Spieler mit einem Seil zusammen – „wir dachten, er ist verrückt“. Ancelotti verlor in drei Spielzeiten sechs Kilo an Gewicht. Als er einmal nach Hause kam, sagte seine Mutter beim Öffnen der Haustür: „Wer bist du? Sie versuchen, meinen Sohn umzubringen!“

18. Trapattoni, Giovanni

Wie schon ein Bayern-Trainer vor ihm wird er „Maestro“ oder „Mister“ genannt. „Nach Trapattoni, einer Legende, bin ich der zweite Italiener hier und hoffe, dass ich wie er hier auch etwas hinterlassen kann“, sagte er zu seinem Einstand. In der Bundesliga ist Ancelotti nach Trapattoni, Nevio Scala und Roberto Di Matteo übrigens erst der vierte italienische Trainer. Und einen Fehler macht er bestimmt nicht. Trapattoni hat einst gesagt: „Ich habe fertig.“ Ancelotti weiß schon jetzt, dass es „,Ich bin fertig’ heißt“.

19. Ulm

Die erste Dienstreise als Bayern-Coach ging nach Ulm. In Uli Hoeneß’ schwäbischem Geburtsort sah er sich am Dienstag bei der U-19-EM mit Hermann Gerland das Spiel der Niederlande gegen Kroatien an. Der nächste Trip steht am Samstag an: Dann geht es zum Testspiel nach Lippstadt – der Heimat von Klubboss Karl-Heinz Rummenigge.

20. Vespa

Eigentlich das liebste Fortbewegungsmittel der Italiener – für Ancelotti aber wohl mit einem Trauma verbunden. Denn Gerüchten zufolge rührt seine stets hochgezogene linke Augenbraue aus einem Vespa-Unfall in seiner Kindheit.

21. Wutanfälle

Ancelotti gilt als ein Typ, der in sich ruht. Es gibt allerdings ein paar Punkte, die nicht verhandelbar sind und ihn herausfordern. Verstößt jemand gegen Kabinenregeln, spricht schlecht über Kollegen oder Mitarbeiter und lässt es an Seriosität mangeln, gibt es Ärger. „Und natürlich kann er auch mal in der Kabine ausrasten, wie jeder von uns“, sagt Beckham, „wenn er mal ausrastet, ist es sagenhaft und ein unverhofftes Schauspiel – aber irgendwie ist es auch unheimlich.“ Bei Paris trat er Ibrahimovic sogar mal eine Kiste an den Kopf. Paolo Maldini erinnert sich an einen Anfall nach einem Test des AC Milan gegen die Schweizer Nationalelf: „Er sah aus, als hätte er den Verstand verloren. Er sagte die schlimmsten Dinge zu uns, überschüttete uns mit Beleidigungen – schreckliche, unverzeihliche Entgleisungen, die ich unmöglich wiederholen kann.“ Ancelotti brüllte immer weiter, „er war vollkommen neben sich, und irgendwann musste ich einfach lachen – ich hatte ihn so noch nie erlebt“. Zwei Tage später bat er alle um Verzeihung: „Er konnte nie durch und durch böse sein. Im Inneren ist er ein Teddybär.“

22. X

Die römische Zahl „Zehn“ hat für Ancelotti eine besondere Bedeutung. 2013 holte ihn Real Madrid, um „La Decima“, das langersehnte Ziel vom zehnten Triumph in der Champions League, endlich zu realisieren. Ancelotti führte die „Königlichen“ auf den Thron. Nur sechs Menschen gewann die Champions League als Spieler und Coach – er ist einer davon. Nur fünf Trainer holten den Pokal mit zwei verschiedenen Klubs – er gehört dazu. Und nur er sowie Bob Paisley mit dem FC Liverpool Anfang der 80er feierten als Trainer drei Mal den Coup in Europas Landesmeisterwettbewerb.

23. Yacht

Als Chelsea Ancelotti unbedingt verpflichten wollte, gab es Gerüchte, die Yacht von Klubbesitzer Roman Abramowitsch sei bereits nach Italien geschippert, um ihn abzuholen. Darüber konnte Ancelotti nur lachen. Tatsächlich aber liebt der Italiener das Wasser, es muss aber kein Luxusliner sein. Es reicht ein simples Angelboot. Vor dem Engagement in München war er in Vancouver fast jeden Tag fischen.

24. Zidane, Zinedine

Wenn man mit vielen Großen zusammengearbeitet hat, hat man einen guten Vergleich. Und Ancelotti sagte einst, dass Zinedine Zidane der größte Spieler sei, den er je trainieren durfte. Auch als Trainer schätzt er den Mann, als dessen Lehrmeister er gilt. In Madrid sprechen sie davon, dass Zidane mit der „Ancelotti-Methode“ coacht. Heißt: Das Spiel einfach mal laufen lassen. Mehrfach die Grundordnung tauschen? Dirigieren? Haben die beiden gar nicht nötig. Die Mannschaft tut nämlich auch so schon, was sie tun muss.

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