Kritik auch an BVB

"Doppelmoral": Katar-Streit schwelt weiter

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Pep Guardiola und Bayerns Vorstandsmitglied Andreas Jung bei den Gastgebern in Katar.

Doha - Die Trainingslager des FC Bayern in Katar sowie von Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt in den Vereinigten Arabischen Emiraten haben auch am Wochenende für Debatten gesorgt.

Ein Sprecher des internationalen Gewerkschaftsbundes IGB warf München die Legitimierung moderner Sklaverei vor, und Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth (Bündnis 90/Grüne) attackierte den BVB und Frankfurt. Unterdessen bezichtigte Eintracht-Vorstand Axel Hellmann den hessischen Landessportbund-Präsidenten Rolf Müller wegen dessen Kritik am Golf-Aufenthalt des Klubs der „Doppelmoral“.

Branchenführer Bayern löst mit seinem Katar-Trip auch international Skepsis aus. „Bayern München sollte kein Trainingslager in Katar aufschlagen. Sie legitimieren damit ein System der modernen Sklaverei“, sagte IGB-Kommunikationsdirektor Tim Noonan im ZDF mit Blick auf die Missachtung von Menschen- und Arbeiterrechten in dem Wüstenstaat.

Auch der BVB bekommt sein Fett weg

Für Roth allerdings unterscheidet sich Bayerns Aufenthalt beim WM-Gastgeber für 2022, wo das Kafala-System besonders ausländische Arbeiter geradezu entrechtet, anders als für Dortmunds Manager Michael Zorc kaum von den Reisen der Borussia und der Frankfurter in die Golf-Region. „Der BVB sollte sich nicht zu sehr damit rühmen, in Dubai statt Katar zu trainieren. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate gehen mit aller Härte gegen Regimekritiker vor“, sagte die Politikerin und schrieb allen Klubs ins Stammbuch: „Menschenrechte sind universelle Rechte, die in jeder Kultur gelten. Die deutschen Bundesliga-Vereine mit ihren Millionen Fans weltweit tragen eine wichtige Verantwortung.“

Vor den Trainingslagern in der Golf-Region hatten Spitzenvertreter der drei Vereine jegliche politische Dimension ihrer Reisen abgestritten. Zorc hatte sich außerdem klar von Katar („Ein No-Go“) abgegrenzt und auf andere Verhältnisse an Dortmunds und Frankfurts Zielorten („Klare Urlaubsdestinationen für halb Europa“) hingewiesen. Die Hoffnungen auf klare Distanzierungen der Vereine oder gar offene Kritik an den gesellschaftlichen Zuständen in ihren Gastländern erfüllten sich bislang allerdings nicht.

Hellmann: "Doppelmoral stört mich"

Nun wies auch Hellmann die Vorwürfe von LSB-Chef Müller scharf zurück. „Die Doppelmoral von Herrn Müller stört mich“, zitierte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung den Eintracht-Funktionär: „Der LSB hat Werbepartner auf seiner Internetseite, die in Arabien und auch Saudi-Arabien gutes Geld verdienen. Ich bin der Meinung, wenn er seine Moralvorstellungen zu unserem Trainingslager und unserem Testspiel gegen eine saudi-arabische Mannschaft kundtut, dann wäre es angezeigt, sie erst einmal im eigenen Haus umzusetzen, bevor er andere schulmeistert.“

Weitaus unverfänglicher machen sich derweil andere Teams fit: im türkischen Belek. Der halbe deutsche Profifußball versammelt sich hier, allein sieben Bundesligisten bereiten sich an der türkischen Riviera auf die Rückrunde vor. Bremen, Mönchengladbach, Hannover, Hamburg, Stuttgart und Hertha BSC residieren in Belek, Aufsteiger Darmstadt hat sein Lager im wenige Kilometer entfernten Lara aufgeschlagen. „Es gibt nichts Vergleichbares zu Belek, in keinem anderen Land“, sagt Ex-Nationalspieler Dieter Burdenski, der als Veranstalter und Vermittler von Reisen in die ganze Welt arbeitet. Und vor allem: Über Belek wird einfach weniger diskutiert.

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